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Wenn der Hund mit der Angst wächst

11.02.2022 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Szene aus "Der schwarze Hund" von Café Fuerte.  <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Szene aus "Der schwarze Hund" von Café Fuerte. Nadine Schütz

Mit Jubel und viel Applaus endete die Premiere von „Der schwarze Hund“ von Café Furte.

Die Theatergruppe Café Fuerte mit Sitz in Hittisau ist bekannt dafür, an ungewöhnlichen Orten zu spielen. „Überall wo wir wollen“ heißt es dazu auf ihrer Website. Häufig ist es im Freien, dieses Mal war der Premierenort aber das seit vielen Jahren leerstehende „Gasthaus zur Brauerei“ im Zentrum von Alberschwende.

Gespielt wird in der ehemaligen Gaststube. Holzeckbänke mit einer geblümten Polsterung, die an einer Wand stehen, mit wenigen Requisiten darauf bilden die Bühne. Das Publikum sitzt davor, auf einer langen Bank an der gegenüberliegenden Wand und auf zwei Stuhlreihen davor, die um die Ecke gehen.

Starke Akzente

„Der schwarze Hund“, die neue Produktion des Theaters, beruht auf einem Bilderbuch des britischen Autors Levi Pinfold. Nicht von ungefähr ist schon Musik zu hören, bevor die Schauspieler zu sehen sind. Die Musik von Florian Wagner wird in der rund einstündigen Aufführung Rückgrat und Boden bilden und immer wieder starke Akzente setzen, die die Darstellung eindrucksvoll unterstreichen und das Spiel vorantreiben.

Meda Banciu, Tobias Fend, Stefan Weigelin und Gregor Weisgerber – in pyjamaähnliche Teile gesteckt, bei denen die Farbe Rosa dominiert (Ausstattung Matthias Strahm) – bilden das vermutlich familiäre Quartett, das in der Folge versucht, mit seiner Angst umzugehen. Beim Blick aus dem Fenster des Hauses, in dem die vier wohnen, wird nämlich ein schwarzer Hund gesehen, der so groß ist „wie ein Elefant“ beziehungsweise „wie ein Tyrannosaurus Rex“ beziehungsweise noch größer. Der Hund wächst mit der Angst.

Die Darsteller agieren mit viel Spielfreude.    <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Die Darsteller agieren mit viel Spielfreude. Nadine Schütz

Während die drei älteren Figuren zunächst in ihrer Angst (und im Haus) gefangen bleiben und immer schauerlichere Horrorszenarien heraufbeschwören, geht Klein (Banciu) von Beginn an gelassener damit um. Vor allem die drei Männer lässt Regisseurin Danielle Fend-Strahm in manchmal slapstickartigen Szenen mit viel Witz agieren – abgestimmt auf die Musik mit teils tänzerischen Elementen und einigen fast schon akrobatischen Einlagen.

Singen gegen die Angst

Gegen die Angst wird von ihnen angesungen – eigentlich ein probates Mittel. Nützen tut es zunächst nicht viel. Vielmehr suchen die drei ihre jeweils eigene Methode, mit der vermeintlichen Bedrohung umzugehen. Während der eine beteuert, wie sicher das selbstgebaute Selbstversorgerhaus sei, ruft der andere nach einem Gewehr und die dritte Figur klammert sich daran, dass sie immer schon Sauerteig machen wollte. Anklänge an den vielerorts aufgetretenen Brotback-Wahn im ersten Corona-Lockdown sind hier wohl nicht nur zufällig. Mehrfach beschwören die drei in der Folge ihre scheinbaren Sicherheiten.

Drei Hundepuppen sind im Stück dabei.   <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Drei Hundepuppen sind im Stück dabei. Nadine Schütz

Auch Klein singt. Bei ihr geht es aber schon in Richtung Annäherung. Und auch der Hund taucht auf – Kopf, Pfoten, Schwanz und eher groß. Dreiteilige von Matthias Strahm gebaute Hundepuppen, deren Auftreten stimmige Momente bietet. Aber der Hund wird kleiner. Klein blickt ihm in die Augen stellt sich ihm und lässt ihn dadurch schrumpfen, bis er ziemlich klein ist – ja sogar durch Katzenklappen passt.

„Der schwarze Hund“ in der Produktion von Café Fuerte ist eine humorvolle und berührende Geschichte mit unter anderem auch einigen schönen Bildern, nicht zuletzt dem Schlussbild. Die großartige Musik und die dynamische Darstellung bilden ein stimmiges und unterhaltsames Ganzes. Die Schauspieler agieren in der über weite Strecken schwungvollen Inszenierung mit viel Spielfreude und Witz. Zurückhaltendere, stillere, aber eindrückliche Momente liefert dazu Banciu als Klein – und auch einen Konfettiregen gibt es. Viel Applaus und Jubel bei der Premiere.
Weitere Aufführungen (einige sind schon ausverkauft) an verschiedenen Orten und Karten: www.cafefuerte.at

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