Allgemein

Warum Gastronom Rauch das “Rio” in Feldkirch schließt

12.02.2022 • 22:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Reinhard Rauch führt das Restaurants Rio und den Rauch Club in Feldkirch. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Reinhard Rauch führt das Restaurants Rio und den Rauch Club in Feldkirch. Stiplovsek

Drei Jahrzehnte lang hat Reinhard Rauch die Gastronomie in Feldkirch geprägt. Jetzt zieht er sich zurück.

Er habe seinen Beruf nicht gelernt, er sei dafür geboren worden, sagt Reinhard Rauch und nippt an seinem Kaffee, während die letzten Mittagsgäste das Restaurant verlassen. Wer den Vollblut-Gastronomen kennt oder schon einmal eines seiner Lokale besucht hat, weiß, dass dies kein leerer Spruch ist. Auch nach mehr als 40 Jahren im Gastgewerbe, davon 30 Jahre in Selbstständigkeit, hat er noch Freude daran, seine Gäste zu bedienen. Keine Arbeit ist dem Chef zu schade, nie hat er seine Bodenhaftung verloren, so gut wie immer ist er da.

Stationen: Von Sonderbar bis Restaurant

Drei Jahrzehnte lang hat Rauch das gastronomische Leben in Feldkirch geprägt wie kein anderer. 1992 eröffnete er gemeinsam mit seinem Bruder Thomas die Sonderbar. Das Lokal unter dem Hotel Bären wurde schnell zu einem angesagten Treffpunkt der alternativen Szene. Über viele Jahre hinweg spielten dort jeden Sonntagabend gute Bands. Oberirdisch brachte Rauch im Jahr 1997 mit seiner Sommerbar erstmals etwas Leben in die damals noch tote Marktgasse. Sein erstes Restaurant, das er zunächst im heutigen Club führte und ab 2006 an der Ecke Marktgasse/Schmiedgasse samt Café-Betrieb etablierte, wurde seinerzeit mit zwei Hauben ausgezeichnet. Als er das Restaurant vor drei Jahren schloss, war klar, dass Rauch es künftig wohl etwas ruhiger angehen lassen wird. Immerhin beschäftigte der Gastronom zu Spitzenzeiten mehr als 100 Mitarbeiter. Die beiden Lokale Ox-Mini und Ox-Deli in der Ochsenpassage sperrte er im vergangenen Jahr zu.

Reinhard Rauch. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Reinhard Rauch. Stiplovsek

Ende September ist Schluss.

Wie Rauch nun im NEUE-am-Sonntag-Gespräch bestätigt, wird er Ende September auch das Restaurant Rio schließen. Das Kino, das er aktuell noch mitbetreibt, ist davon ebenfalls betroffen. „Der Pachtvertrag läuft aus und noch einmal verlängern möchte ich nicht. Irgendwann reicht es mit dem Stress. Der Körper verzeiht einem nicht alles“, sagt Rauch, der im März seinen 60. Geburtstag feiert. Er erinnert an das Schicksal seines verstorbenen Berufskollegen Klaus Feurstein, der quasi mit dem Eintritt in den Ruhestand die Krebsdiagnose erhielt. „Das hat uns damals allen sehr leidgetan.“ Ohne Stress, so der Gastronom weiter, könne er sich diesen Job einfach nicht vorstellen. „Ich möchte an der Front arbeiten und das bedeutet nun mal Stress. Bin ich nicht mitten drin, habe ich kein gutes Gewissen, dann lasse ich es lieber gleich bleiben.“

Club bleibt bestehen

Den im Jahr 2000 gegründeten Club in der Zeughausgasse wird Rauch noch ein Weilchen weiterbetreiben, allerdings gemeinsam mit seinem früheren Mitarbeiter und nunmehrigen „Kuche&Klub“-Betreiber Daniel Schweighofer. Derzeit werden die Räumlichkeiten renoviert. Spätestens in fünf Jahren will sich Rauch dann auch hier ausklinken.

Auch das Kino ist betroffen.
Auch das Kino ist betroffen.

Reisen und lesen und eeine Bleibe auf Ibiza

Und was wird er mit seiner neu gewonnenen Freizeit anfangen? Wird dem getriebenen Gastronomen im „Ruhestand“ nicht schnell langweilig? Das könne schon sein, meint Rauch. Allerdings habe er sich schon eine lange Liste mit Reisezielen und Büchern zusammengeschrieben. „Ich bin gut vorbereitet. Das Mise en place, so wie es bei uns im Gastgewerbe heißt, ist gemacht.“
Ganz oben auf der Liste steht Montevideo, die Hauptstadt von Uruguay, auch Mittelamerika reizt ihn. Und dann gibt’s da noch die Insel Ibiza, wo sich Rauch vor ein paar Jahren ein Domizil eingerichtet hat.
Viel herumgekommen ist der Gastronom schon zu Beginn seiner Berufslaufbahn. Nach diversen Jobs in der Schweiz und in England heuerte der junge Rauch als Kellner auf einem Kreuzfahrtschiff an und kam so bis nach Shanghai und Australien.

Wie es mit dem Lokal und Kino weitergeht

Das Gastlokal im ersten und das Kino im zweiten und dritten Stock des Hauses Marktgasse 18 wird es auch weiterhin geben. Dies bestätigte Eigentümervertreter Jörg Thurnher auf Anfrage. Er sei schon in Gesprächen mit Interessenten. Die Qualität soll mindestens gehalten werden.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.