Allgemein

Heimische Unternehmer über Transporte nach UK

12.02.2022 • 22:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Staus vor dem Hafen von Dover sorgen immer wieder für Schlagzeilen in britischen Medien. <span class="copyright">AFP</span>
Staus vor dem Hafen von Dover sorgen immer wieder für Schlagzeilen in britischen Medien. AFP

Unternehmer würden sich wünschen, wenn es an Grenze zwischen Österreich und Schweiz auch so funktionieren würde.

Kilometerlange Lkw-Staus, Fahrer, die stunden- oder sogar tagelang im französischen Calais oder im englischen Dover darauf warten, in die EU oder nach Großbritannien einreisen zu dürfen. Darüber berichten englische Medien seit dem Jahreswechsel in regelmäßigen Abständen. Die Gründe für die Verzögerungen sind – je nachdem, wer befragt wird – unterschiedliche.

Die Gründe für die Verzögerungen sind – je nachdem, wer befragt wird – Die einen machen schärfere Grenzkontrollen seitens der EU und auch den höheren Aufwand in Sachen Papierkram für die Probleme verantwortlich. Gerade Gegner des Brexit sehen dies als Argument dafür, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU ein Fehler war. Andere wie etwa die Verantwortlichen des Hafens in Dover sehen dagegen einen Anstieg beim Warenverkehr als Hauptursache für Verzögerungen. Ein Sprecher der Regierung sagte gegenüber der BBC, dass neben dem Transportvolumen, das heuer höher war als erwartet, auch fehlende Fährkapazitäten durch ausgefallene Schiffe zu Problemen führen.

Keine schlechten Erfahrungen

Auch aus Vorarlberg gehen regelmäßig Warentransporte auf die Insel. Wie sehen die Verantwortlichen der heimischen Unternehmen die Berichte über die Verzögerungen an der Grenze zwischen der EU und Großbritannien? Die Schlagzeilen aus England kennt man auch bei Scheffknecht Transporte in Lustenau. Schlechte Erfahrungen hat man dort jedoch bisher mit dem Grenzübertritt keine gemacht. Vielmehr sei alles gut organisiert, und es gebe keine Verzögerungen, heißt es vom Verantwortlichen für Transporte nach Großbritannien auf Nachfrage.

Seit Jahreswechsel Verschärfung an der Grenze

Nach langen Verhandlungen ist das Vereinigte Königreich im Jänner 2020 offiziell aus der EU ausgetreten. Nach einer Übergangsphase erfolgte dann am 31. Dezember 2020 auch der Austritt aus dem EU-Binnenmarkt sowie der Zollunion. Durch ein Handelsabkommen wurde zwar sichergestellt, dass der Handel weiterhin weitgehend zollfrei laufen kann. Seit 1. Jänner 2022 müssen beim Import und Export von Waren nach und aus Großbritannien die entsprechenden Papiere wie etwa die Zollerklärungen im Vorfeld ausgefüllt sein. Ansonsten kann die Grenze nicht überquert werden. Bis zu Jahresbeginn war es möglich, den Papierkram auch erst im Nachhinein vollständig zu erledigen. Der britische Handelsverband hatte im vergangenen Jahr vor möglichen Engpässen bei Lebensmitteln durch Probleme beim Warenimport gewarnt.

Wie die BBC berichtet, könnte es in Dover im heurigen Jahr noch zu weiteren Verschärfungen kommen. Im September solle nämlich das „Entry/Exit System“ (EES) der EU eingeführt werden. Hierbei handelt es sich um ein automatisches IT-System zur Registrierung von Drittstaatsangehörigen an den EU-Außengrenzen. Dies könnte in Dover zu Problemen führen, falls Fahrer ihre Lkw für Gesichts- oder Körperscans verlassen müssten, heißt es im Bericht der BBC.

Wichtig sei es jedoch, dass mit den Frachtpapieren alles stimme und man diesbezüglich die Hausaufgaben gemacht habe. Natürlich könne es sein, dass Lkw vom Zoll kontrolliert würden, aber diese Kontrollen würden bereits auf der Fähre angekündigt und seien meist in einer Viertelstunde erledigt.

Auch das von Großbritannien eingeführte IT-System für die Warenein- und -ausfuhr funktioniere tadellos. Vieles laufe über Apps oder QR-Codes. „Es wäre schön, wenn es auch an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz so gut funktionieren würde“, heißt es bei der NEUE-Anfrage.

René Karg ist Geschäftsführer der "Road International Transport &amp; Logistics Ges.m.b.H" in Rankweil. <span class="copyright">Privat</span>
René Karg ist Geschäftsführer der "Road International Transport & Logistics Ges.m.b.H" in Rankweil. Privat

Auch René Karg, Geschäftsführer der „Road International Transport & Logistics Ges.m.b.H“ in Rankweil, die auf Transporte auf die Insel spezialisiert ist, hat bisher weitgehend positive Erfahrungen gesammelt. Wenn die Frachtpapiere in Ordnung seien, gebe es auch keine Probleme oder Verzögerungen. Wichtig sei es daher, bei der Eingabe der Daten in das IT-System entsprechend penibel vorzugehen, denn schon ein einfacher Zahlendreher könne gravierende Folgen haben. Gerade bei Transporten, die eine längere Vorlaufzeit hätten, gebe es diesbezüglich keine Schwierigkeiten. Herausfordernder seien dagegen Aufträge, die sehr kurzfristig abgewickelt werden müssen. Hier müsse dann besonders genau darauf geachtet werden, dass keine Fehler passieren.

Schiffsausfall

Aus Sicht der Fahrer gebe es derzeit an der Grenze zwischen EU und Großbritannien so gut wie keine Probleme, bringt Karg die Erfahrungen aus seinem Unternehmen auf den Punkt. Allerdings könne es manchmal schon zu Staus kommen, wenn etwa das Zollsystem überlastet sei. Ebenfalls sorge der Ausfall eines Schiffs bei einem Fährunternehmen für Kapazitätsengpässe.

Höhere Kosten

Durch den Brexit deutlich gestiegen ist aus Sicht des Unternehmers auch der Aufwand, der im Hintergrund betrieben werden muss. Gerade für ein eher kleineres Unternehmen sei der höhere Verwaltungsaufwand auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Diesbezüglich müsse man einfach gemeinsam mit den Kunden schauen, wie mit den höheren administrativen Kosten umgegangen werden kann.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.