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Einbußen bei Alpinski, Revival von Langlauf

13.02.2022 • 18:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Langlauf- und Tourenski  sind immer mehr nachgefragt. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Langlauf- und Tourenski sind immer mehr nachgefragt. Klaus Hartinger

Absätze von Alpin-Ski sind seit Beginn der Pandemie auf Talfahrt.

Seit Beginn der Wintersaison macht es den Eindruck, als ob ein regelrechter Run auf die Berge stattfindet. Nachvollziehbar, denn die Pandemie hat nicht zuletzt wenig Raum für andere Freizeitgestaltung gelassen. Dazu kam der frühe Wintereinbruch. Kind und Kegel hat es in Richtung der Skigebiete getrieben.

Und dennoch: Die Pandemie hat die Ski-Industrie massiv belastet. In der Wintersaison 2020/2021 sind die Absätze für Alpinski um rund ein Drittel eingebrochen. Für die laufende Saison wird mit einem noch deutlicheren Minus von rund 50 Prozent gerechnet, teilte der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) dieser Tage mit.

Markus Weeger, Head of Marekting Kästle. <span class="copyright">Kästle</span>
Markus Weeger, Head of Marekting Kästle. Kästle

Die Geschehnisse in der Saison 2020/2021 haben auch den Hohenemser Skihersteller Kästle schwer getroffen. „Im alpinen Segment hatten auch wir einen knapp zweistelligen Einbruch. Dies führte zu einem starken Rückgang der Verkaufszahlen, im Vergleich zur Vor-Covid-Saison 2019/2020“, berichten Markus Weeger, Head of Marekting, und Clemens Tinzl, CFO.

Einen Einbruch im Alpinskibereich in der laufenden Saison von 50 Prozent bestätigen sie jedoch nicht. Wohl aber eine signifikante Einbuße im Vergleich zur Saison 2019/2020. Das Positive sei jedoch, dass 2021/2022 die Trendumkehr bei den Alpinski erreicht wurde.


In Zahlen heißt das: Kästle konnte den Gesamtabsatz von 24.000 Paar im Jahr 2019, mit einem Rückgang auf 22.000 Paar im Jahr 2020, auf 42.000 Paar im Jahr 2021 steigern. Und diese Steigerung ist in erster Linie der Wiedereinführung des Langlaufskis (2021: 15.000 Paar) und dem starken Wachstum im Tourenbereich zu verdanken.

Clemens Tinzl, CFO Kästle. <span class="copyright">Kästle</span>
Clemens Tinzl, CFO Kästle. Kästle

Fehlende Gäste im Land

„Das Minus bei den Alpinski ist in erster Linie auf den fehlenden Tourismus in der Saison 2020/2021 und den aktuell schwachen Tourismus zurückzuführen“, meint Tinzl. Die bevölkerungsstarken Nationen Europas, beispielsweise Deutschland, Frankreich oder Italien, konnten in der Saison 2020/2021 weder im eigenen Land, noch als Gäste hierzulande dem Skisport nachgehen. Viele große Skigebiete Österreichs erreichten bloß fünf Prozent der normalen Auslastung. Das konnten auch die motivierten Einheimischen bei Weitem nicht kompensieren – natürlich auch nicht beim Skikauf oder Skiverleih.

„Wir sehen aber, dass viele Vorarlberger in den letzten beiden Saisonen einiges an Geld in Wintersportausrüstung investiert haben. Die Freude und Lust, schwach frequentierte Pisten zu nutzen, oder sich einfach im Freien beim Touren oder Langlaufen vom Corona-Dauerstress zu erholen, war einfach da“, weiß Weeger.

 <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>Kästle setzt auf das Fachhandelkonzept und verkauft daher keine Ski direkt am Firmensitz in Hohenems. „Kompetente Händler vor Ort können Service und Beratung besser erbringen“.
Klaus HartingerKästle setzt auf das Fachhandelkonzept und verkauft daher keine Ski direkt am Firmensitz in Hohenems. „Kompetente Händler vor Ort können Service und Beratung besser erbringen“.

Individuelle Naturerlebnisse

Ein Run auf die Berge hat also tatsächlich stattgefunden. Der Trend geht aber laut Kästle-Verantwortlichen zu unabhängigen und individuellen Naturerlebnissen, wie beispielsweise Langlauf oder Skitouren. Einen weiteren Grund für die Abwanderung vom Liftfahren zum Tourengehen oder Langlaufen sehen sie teilweise auch im Nachhaltigkeitsaspekt.

Der anhaltende Trend zum Skitourengehen ist längst nicht nur mehr im freien Gelände zu spüren. „Früher war Tourengehen einem eingeschworenen Kreis vorbehalten. Während es sich in den letzten Jahren stark in die Breite entwickelt hat, geht heute nahezu jeder begeisterte Skifahrer auch ab und zu eine Skitour“, weiß Weeger.

Durch das verstärkte Angebot von abgetrennten Aufstiegsrouten in Skigebieten und der anschließenden Abfahrt über gesicherte Pisten werde dem Sport das Lawinenrisiko genommen. So können sich auch weniger Erfahrene oder Touristen ausprobieren. Entsprechend entwickelt sich auch der Tourenskiverkauf. Kästle konnte die Menge in den vergangenen beiden Jahren jeweils verdoppeln.

 <span class="copyright">Klaus Hartinger</span> Kästle hat einen Marktanteil von maximal einem Prozent.
Klaus Hartinger Kästle hat einen Marktanteil von maximal einem Prozent.

Langlauf entstaubt

Neben den Skitourengehen hat auch das Langlaufen durch die Pandemie starken Zuspruch erhalten. Immer mehr junge Wintersportler ziehen ihre Spuren in den heimischen Loipen. „Aus der Not wurde eine Tugend, und das Langlaufen konnte sein etwas angestaubtes Image ablegen“, drücken es die Experten aus. Die Zugangsschwelle sei wesentlich niedriger als beim alpinen Skisport. Dazu ist es weniger kosten- und zeitintensiv. „Und trägt dem Fitnessbedürfnis unserer Gesellschaft voll Rechnung“, meint Weeger.

Aussichten

Für die kommende Saison 2022/2023 erwartet der VSSÖ wesentlich bessere Zahlen. Das ist auch bei Kästle der Fall. Zumindest bleibt man positiv. Tinzl hofft auf ein Revival des Tourismus und damit einhergehend steigende Verkaufszahlen von Alpinski. Er glaubt auch, dass der Trend zum Langlauf- und Skitourensport anhält. „Natürlich würde uns freuen, wenn immer mehr Personen alle drei Spielarten des Schneesports auf zwei Brettern ausüben.“

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Klaus Hartinger

Viele verzichten aufs Bummeln

Der Totalausfall des Tourismus in der Wintersaison 2020/2021 hat den Handel stark belastet und Umsatzverluste von bis zu 95 Prozent gebracht, berichtet der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs. „Auch in der aktuellen Saison liegt die hiesige Branche noch immer deutlich unter dem Vorkrisenniveau“, informiert Maria Seidel, Fachgruppengeschäftsführerin der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Sehr stark seien die Rückgänge bei Händlern in den Tourismusregionen, da weiterhin deutlich weniger – vor allem ausländische Gäste – hierzulande Urlaub machen. Dort könne man im Schnitt von 20 bis 30 Prozent unter dem Vorkrisenniveau ausgehen. Neben dem Verkauf würde auch die Verleih-Umsätze fehlen. Im städtischen Bereich sei die Situation lediglich etwas besser. Konkret: Vergleichbar mit dem Vorjahr und daher noch nicht wieder zurück auf Vorkrisenniveau.

Lockdown und 2G

„Die Branche ist massiv betroffen von den Lockdowns, die sich seit Mitte November 2021 durchgezogen haben. Während der 2G-Regelung gab es zudem viele Kunden, die vorsichtig waren und lieber aufs Bummeln verzichtet haben“, weiß Seidel. Wegen der Reise- und 2G-Regeln im Tourismus würden Urlauber fehlen, teilweise sogar komplette Gästegruppen wie solche aus den Niederlanden. Auch die Maskenpflicht halte eher vom Shoppen ab und reduziere merklich die Aufenthaltsdauer in den Geschäften und damit auch die Umsätze.

Schneeschuhe sind stark im Trend. <span class="copyright">apa</span>
Schneeschuhe sind stark im Trend. apa

Trend Splitboard

Und trotzdem würden sich ein paar Trends in Sachen Wintersport abzeichnen. So seien etwa Snowboards und Splitboards besonders gefragt. Auch Schneeschuhe liegen stark im Trend. Gleichzeitig sei aber die Nachfrage bei Wintersport-Kleidung etwas verhalten.

Laut Seidel legen die Händler Hoffnung in den Wegfall der 2G-Regel. „Das dürfte die Lage entspannen, wenngleich es auch dann keinen normalen Geschäftsverlauf geben wird“, meint Seidel. Im touristischen Handel bleibe die Lage wohl aufgrund der Reiseregeln schwierig, und da die Hauptsaison bald vorbei ist, werde auch nichts mehr aufzuholen sein.

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