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Wo es momentan den günstigsten Strom gibt

14.02.2022 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenn jemand jetzt den Anbieter wechseln will, sollte er sich gut informieren.<span class="copyright">Apa/Gindl</span>
Wenn jemand jetzt den Anbieter wechseln will, sollte er sich gut informieren.Apa/Gindl

Konsumentenschützer Paul Rusching erklärt, wer zurzeit den günstigsten Strom hat.

Die Energiepreise steigen und steigen: Der Strompreisindex der Österreichischen Energieagentur zeigte im Februar ein Plus von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber auch Gas ist um einiges teurer geworden. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Bei diesen Preisen denken einige Menschen an einen Anbieterwechsel. Die NEUE hat Paul Rusching vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer gefragt, was von einem solchen Wechsel zu halten ist. Dazu erklärt er erst die Ausgangslage: „Die alternativen Anbieter kaufen Strom oder Gas auf dem Großhandelsmarkt und verkaufen es mit entsprechendem Gewinnzuschlag an die Konsumenten weiter. Sie erzeugen selbst keinen Strom, haben häufig keine längerfristige Beschaffungsstrategie und sind deshalb auf die Großhandelspreise und deren Entwicklung angewiesen“.

Geht direkt an Konsumenten

Heartbleed Paul Rusching
Heartbleed Paul Rusching

Bei flexiblen Tarifen oder sogenannten Float-Tarifen bezahle der Konsument je nach Großhandelspreis. „Ist dieser niedrig, profitiert der Kunde. Jetzt ist das aber vorbei. Solche Tarife sind nun, da der Großhandelspreis dermaßen angezogen hat, fatal“, so Rusching. Mit den flexiblen Tarifen würde die ganze Kursentwicklung ungefedert auf die Konsumenten abgewälzt. Rusching fasst zusammen: „Die Preise sind auch bei den alternativen Anbietern sehr gestiegen. Sie sind dazu gezwungen, die Großhandelspreise weiterzugeben, denn andernfalls können sie betriebswirtschaftlich nicht überleben.“ Die alternativen Anbieter würden noch oder haben bereits Kunden verloren, so Rusching. Einige seien schon in Konkurs gegangen. Andere, die Preisgarantien von z.B. 24 Monaten versprochen hätten und diese nicht mehr aufrechterhalten können, würden versuchen, diese Garantien zu kündigen. „Das ist aber unzulässig“, klärt der Konsumentenschützer auf.

Haben andere Möglichkeiten

Die E-Control bietet einen Tarifkalkulator an. Wer dort hineinschaue, stelle fest: „Aktuell hat die vkw den günstigsten Preis“, sagt Rusching. Das komme daher: Die Illwerke vkw erzeugen selbst Strom, haben eine ganz andere Beschaffungsstrategie und Preisbildung. Sie könne drastische Erhöhungen in gewissem Umfang abfedern, so Rusching. „Doch auch die vkw wird mit April die Preise erhöhen. In welchem Ausmaß weiß ich nicht.“
Rusching rät den Personen, die den Anbieter wechseln wollen, sich gut zu informieren. „Niemand weiß, wie sich die Preise in naher Zukunft verhalten. Aber aus Konsumentensicht empfehle ich denjenigen, die beim Landesenergieversorger Strom oder Gas beziehen, jetzt nicht zu wechseln.“ Auf die Frage, was er vor allem Geringverdienern, die jeden Cent mehr schmerzhaft spüren, empfiehlt, kann er nur eine Antwort geben: energieeffizient haushalten. Dadurch lässt sich doch einiges einsparen.

Flexible Tarife von privaten Anbietern sind an die Großhandelspreise gekoppelt. Das ist zur Zeit gar nicht gut.

Paul Rusching, Konsumentenschutz Arbeiterkammer

Konsumenten sind verunsichert

Dass die Konsumenten verunsichert sind, spürt auch die E-Control. Die Mitarbeiter der Energie-Hotline, in der Schlichtungsstelle und generell in der Beratung würden viele Anfragen erhalten, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Er appelliert auch an die Lieferanten, ihre Kunden fristgerecht und transparent zu informieren und diese nach besten Möglichkeiten zu unterstützen.
In Vorarlberg wechseln übrigens nicht viele Menschen den Anbieter, wie die aktuellen Zahlen der E-Control zeigen: 3805 Vorarlberger wählten 2021 einen neuen Strom- oder Gaslieferanten. Die Wechselrate bei Strom lag bei 1,2 Prozent und bei Gas bei 2,5 Prozent. „Damit bleibt die Wechselrate in Vorarlberg niedrig“, sagt Alfons Haber, Vorstand der Regulierungsbehörde Energie-Control Austria (E-Control).

Tarifkalkulator der E-Control: www.tarifkalkulator.at

Wechselrate in Österreich

Das Bundesland mit den meisten Lieferantenwechseln bleibtOberösterreich. 6,8 Prozent wechselten dort im vergangenen Jahr den Strom-, und 8,4 Prozent den Gasanbieter. Auf Platz zwei liegt sowohl bei Strom als auch bei Gas Kärnten mit einer Wechselrate bei Strom von 5,2 Prozent und bei Gas von 7,1 Prozent. Österreichweit haben im vergangenen Jahr 332.985 Strom- und Gaskunden – sowohl Haushalte als auch Unternehmen – ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt. Das sind etwas mehr als im Jahr davor. Die Wechselrate bei Strom betrug 4,2 Prozent und bei Gas 5,6 Prozent.

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