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„Mensch und Form“: Fragwürdiges Frauenbild

16.02.2022 • 19:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eines der ausgestellten Werke von F.C. Gundlach.
Eines der ausgestellten Werke von F.C. Gundlach.

Das Flatz Museum in Dornbirn zeigt Frauenfotos von Franz Christian Gundlach (1926–2021).

Die schwarzweißen Fotos von Franz Christian Gundlach alias F.C. Gundlach sind, soviel lässt sich nach einem Rundgang in der aktuellen Sonderausstellung „Mensch und Form“ im Flatz Museum in Dornbirn sagen, gut gearbeitet. Der Bildaufbau klar, die Bildaussage deutlich. Da versteht einer sein Handwerk.

So wölbt sich die Form des weiblichen Körpers in „Das kleine Schwarze“ von 1962 analog zu einem Leuchtlampion. Der erotische Blick der Frau ist allerdings in die Ferne gerichtet. Da stellt einer nicht nur die Kamera, sondern auch den in 1960er-Jahre-Mode gehüllten weiblichen Körper scharf. Auch der Op-Art-Badeanzug (1965) baut den Körper des Models verführerisch in einen– damals – aktuellen Kunstdiskurs ein.

High-Art-Kunst

Gundlach überträgt die ehemals Low-Art-Kunst in den Bereich der High-Art-Kunst. In den 1960er-Jahren war das en vogue. Wer kennt nicht die hundertfach multiplizierte Marylin Monroe in den absichtlich schadhaften Porträts von Andy Warhol? Wer weiß nicht, dass Roy Lichtenstein die Comics von weißen Blondinen wie Gemälde bearbeitete und so kunstfähig machte?

Der blinde Fleck dieser Kunst ist der Feminismus. Die allzu offensichtlichen Sexsymbole für Vagina (Düse) und Phallus (Pyramidenspitze) führen nicht zur elaborierten Kunst einer Marina Abramovic, Jenny Holzer oder Louise Bourgeois, sondern zu einer Autoshow, in der barbusige Damen vor schnellen Autos posieren.

Widerspruch

Die Frau als Lustobjekt wird in den Medien völlig kunstbefreit gefeiert. Kurz: Dieses Frauenbild bringt heutige Feministen und Feministinnen an die Decke! Insofern ist dem Text der Ausstellung, kuratiert vom österreichischen Kulturmanager Gerald Matt und Sebastian Lux von der Stiftung F.C. Gundlach in Hamburg, der vom „wohl bedeutendsten deutschen Modephotographen“ spricht, zumindest ideologiekritisch zu widersprechen. Das Flatz Museum bleibt in dieser Ausstellung seinen Anspruch schuldig, „ein Museum als Forum zur Auseinandersetzung mit künstlerischen Impulsen und Position unserer Zeit zu sein“.
Wolfgang Ölz
Bis 28. Mai. www.flatzmuseum.at

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