Allgemein

Wohnkosten: Vorarlberger immer stärker unter Druck

18.02.2022 • 20:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Mietkosten sind in Vorarlberg so hoch wie in keinem anderen Bundesland. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Die Mietkosten sind in Vorarlberg so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Shutterstock

Coronakrise dürfte in der Wohnungsberatung mit Verzögerung ankommen – Fachleute sprechen von strukturellem Problem.

Noch sei in der Anlaufstelle wenig zu merken, erklärte Michael Hämmerle, Beratungsleiter bei Kaplan Bonetti, auf Anfrage. Viele hätten dank staatlicher Maßnahmen in der Pandemie einen Jobverlust übertaucht und Reserven aufgelöst. Diese werden im Herbst aufgebraucht sein. „Krisen werden bei uns immer erst zeitverzögert schlagend“, so Hämmerle. Als alarmierend schätzt er die massiv gestiegene Zahl an Langzeitarbeitslosen ein, die häufiger von Wohnungsverlust betroffen sind. Im Jänner 2022 lag ihre Zahl laut AMS-Angaben trotz eines Rekords an offenen Stellen mit 2433 Personen um 48 Prozent über dem Niveau vor der Krise.

Hämmerle rechnet damit, dass neue Klientenschichten in der Wohnungsberatung hinzukommen. „Alles wird teurer, da kommen auch viele Familien unter Druck“, so der Sozialexperte. Betroffen sein werden vor allem Familien mit mehr als drei Kindern, Alleinerziehende und alleinstehende Pensionistinnen. Hämmerle forderte die Anhebung der Sozialhilfe, die erst im Frühjahr 2021 für die meisten Haushalte gekürzt worden sei. Zudem brauche es Investitionen in die Wohnbeihilfe, das Budget sei trotz starken Kostenanstiegs in den vergangenen Jahren gesunken. Seitens der Politik seien „allergrößte Anstrengungen“ in den Bereichen gemeinnütziger Wohnbau und leistbare Mieten nötig.

Wohnkosten

Nach der Arge Wohnungslosenerhebung 2020, eines gemeinsamen Berichts Vorarlberger Sozialinstitutionen, gaben drei Viertel der betreuten Haushalte mehr als 30 Prozent ihrer Einnahmen für Wohnen aus, gut ein Drittel sogar mehr als 40 Prozent. Schon ab 25 Prozent sehen Fachleute ein leistbares Wohnen als nicht mehr gegeben.

Das Thema leistbares Wohnen betrifft in Vorarlberg aber nicht mehr nur Einkommensschwache, es ist vielmehr im Mittelstand angekommen. „Wer in Vorarlberg ein Haus baut, muss zum oberen Drittel gehören“, formulierte es Michael Diet­trich, Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz. Er geht davon aus, dass bereits bis zu 40 Prozent der Bevölkerung damit kämpfen, mit dem Einkommen auszukommen. „Die sind nicht arm, müssen aber jeden Cent drei Mal umdrehen, jetzt sogar vier Mal“, so der Sozialfachmann. Dabei kämen viele Teuerungen erst noch auf uns zu, etwa durch die CO2-Bepreisung. Das Thema hat seiner Ansicht nach große soziale Sprengkraft. „Ich glaube nicht, dass es bei den Demos nur um Corona geht. Viele fühlen sich abgehängt“, meint er.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.