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476 Hotelbetten statt 600 Parkplätze

19.02.2022 • 19:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hotelanlage in der Montafon-Gemeinde St. Gallenkirch: Geplant sind sechs Gebäude mit rund 480 Betten. <span class="copyright">Handout Vaya Group</span>
Hotelanlage in der Montafon-Gemeinde St. Gallenkirch: Geplant sind sechs Gebäude mit rund 480 Betten. Handout Vaya Group

Die Umsetzung des ers­ten Projekts der Hotelgruppe Vaya in Vorarlberg steht kurz bevor.

Ihr erstes Haus eröffnete die Vaya Holding GmbH im Jahr 2008 in Kaprun in Salzburg, seither sind 25 Hotels, Resorts und Apartmenthäuser – größtenteils in Tiroler Skigebieten – dazugekommen. Die Tochter des holländischen Reiseveranstalters sunweb ist damit laut Eigendefinition „die größte österreichische Hotelgruppe im Alpenraum“. Schon in Bälde wird das Unternehmen mit Sitz in Hall in Tirol nach Vorarl­berg expandieren. Die Pläne sind schon weit gediehen.

In der Montafon-Gemeinde St. Gallenkirch soll eine Hotelanlage mit knapp 480 Betten entstehen. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte die Vaya Silvretta GmbH, eine 100-Prozent-Tochter der Vaya Holding, aus Gründen der Rechtssicherheit einen UVP-Feststellungsantrag bei der Landesregierung eingebracht. Seit Jänner 2021 steht fest, dass das Hotelprojekt keiner Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen ist. Das Vorhaben befindet sich nämlich innerhalb des geschlossenen Siedlungsgebietes und überschreitet diverse Schwellenwerte nicht.

Im Umkreis der Valisera-Bahn

Situiert wird das neue Vier-Sterne-Hotel im Ortsteil Galgenul, wo gerade einiges in Bewegung ist. Mit dem Silvretta Park und der neuen Valisera-Bahn eröffnete die Silvretta Montafon (SiMo) dort im Dezember 2021 ihr größtes Projekt in der Firmengeschichte. Im Sommer 2022 soll das Areal zudem um ein direkt angebundenes Hotel der Schweizer Revier Hospitality Group ergänzt werden.
Nur einen Steinwurf weiter südlich befinden sich jene Liegenschaften, auf denen nun die Vaya Gruppe ihr Vorarlberger Premieren-Projekt umsetzen möchte. Einige Grundstücke mussten dafür umgewidmet werden, die Beschlussfassung hierfür erfolgte bereits im vergangenen Jahr. Ein Teil dieser Flächen wird aktuell noch als Parkplatz genutzt.

Das neue Hotel beansprucht eine Fläche von insgesamt rund 14.000 Quadratmetern. Ge­plant sind sechs Baukörper mit je fünf Geschossen, Wellnessbereich sowie zwei Restaurants mit knapp 450 Sitzplätzen. Die einzelnen Gebäude werden unterirdisch miteinander verbunden sein. Ebenfalls vom Projekt mitumfasst sind mehr als 300 unterirdische Parkplätze sowie ein Personalhaus mit rund 70 Zimmern. Das Hotel soll ganzjährig geöffnet sein.

Noch nicht fixiert sind die Termine für den Baubeginn und die Fertigstellung des Großprojekts. „Wir wollen diesen Herbst starten, die Bauzeit wird zwei bis zweieinhalb Jahre betragen“, teilt Gerhard Fink, Geschäftsführer der Vaya Gruppe, auf NEUE-am-Sonntag-Anfrage mit. Das sei aber aufgrund Lieferengpässen und Materialmangels am Bau „alles noch nicht in Stein gemeißelt“. Aus denselben Gründen wollte Fink auch keine Angaben zur Investitionssumme machen. Der Geschäftsführer betont, dass sich der Neubau „optimal in die Umgebung einfügt und im Vergleich zur bestehenden Situation eine wesentliche Verbesserung herbeiführt“.

Quartiersentwicklung

Die Gemeinde hat den Ortsteil Galgenul in den vergangenen Jahren genau unter die Lupe genommen. Bereits im Jahr 2018 wurde ein eigenes räumliches Entwicklungskonzept beschlossen. In diesem ist unter anderem festgeschrieben, dass es ein fundiertes Interesse für die Errichtung größerer Beherbergungsbetriebe im Nahbereich der Valisera-Talstation gibt. Das Gebiet sei stark touristisch geprägt, der geplante Neubau ergänze die bereits bestehende Nutzung optimal, heißt es in einer im UVP-Feststellungsbescheid zitierten Stellungnahme der Tourismusgemeinde.

Darüber hinaus führte die Kommune einen Quartiersentwicklungsprozess durch. Gemeinsam mit Vertretern des Landes, Architekten sowie Raumplanungs- und Verkehrsexperten überlegte man sich, wie bereits geplante und zukünftige Bauvorhaben in Einklang mit den örtlichen Gegebenheiten und Wünschen der Anrainer zu bringen sind.

Anfängliche Bedenken von Nachbarn und Gemeindevertretern, vor allem hinsichtlich der Verkehrsfrage, konnten mittlerweile ausgeräumt werden. So wurde etwa befürchtet, dass es aufgrund der Situierung der Hoteltiefgarage einen Rückstau bis ins Ortszentrum geben könnte. Auch die Parkplatzfrage sorgte für rege Diskussionen, immerhin befinden sich auf dem Baugrundstück derzeit noch 600 öffentliche Parkplätze. Als Kompensation plant die SiMo nun die Errichtung einer Parkgarage auf dem Bauhofgelände.

Kein Investorenmodell

Begrüßt wird vonseiten der Gemeinde, dass das Hotel nicht – wie ursprünglich geplant – als Inves­torenmodell geführt wird, sondern im Eigentum der Vaya Gruppe verbleibt. In Tirol, wo das Unternehmen zuletzt kräftig expandiert hat, standen deswegen gleich mehrere Projekte im Kreuzfeuer der Kritik. Sogenannte Buy-to-let-Modelle der Marke Vaya sind etwa in St. Anton, Galtür oder Sölden zu finden. In Ladis empörte 2019 ein Grundstücksdeal, bei dem Vaya über ein Gemeinderatsmitglied, das an dem Deal eine Million Euro verdiente, zu einer 2500 Quadratmeter großen, in Bauland umgewidmeten Fläche kam.

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