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Fasnat erfordert wieder Kreativität

19.02.2022 • 18:22 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Das Altenstädtner Prinzenpaar Prinz Matthias III. und Prinzessin Anna I. freut sich auf den "Fasching-to-go". <span class="copyright">AFZ Altenstadt</span>
Das Altenstädtner Prinzenpaar Prinz Matthias III. und Prinzessin Anna I. freut sich auf den "Fasching-to-go". AFZ Altenstadt

Wie in Vorarlbergs Gemeinden Faschingsbrauchtum zelebriert wird.

Während die in dieser Woche angekündigte Öffnung am 5. März für die Funkenbauer des Landes zur rechten Zeit kommt, müssen sich die Mitglieder der zahlreichen Faschingsvereine, -zünfte und -gilden damit abfinden, dass für sie die zweite Saison in Folge durch die Coronapandemie zu einer eher ruhigen Angelegenheit wird. Die Beschränkungen lassen keine großen Veranstaltungen wie Bälle oder Umzüge zu. Wie schon im Vorjahr ist auch heuer von den Närrinnen und Narren viel Kreativität gefragt, um die fünfte Jahreszeit dennoch zu feiern. Das Brauchtum wird dabei auf unterschiedlichste Art hoch gehalten.

“Fasching-to-go”

In Feldkirch bieten die Verantwortlichen der Altenstädtner Fasnat Zunft (AFZ) beispielsweise „Fasching-to-go“ an. Konkret können am Faschingssamstag beim AFZ-Zunftlokal prall gefüllte „Faschingssäckle“ käuflich erworben werden. Diese enthalten alles, was in der närrischen Zeit benötigt wird, sagt AFZ-Präsident Matthias C. Köchle. Auf diese Weise möchte man zumindest ein bisschen Fasnatstimmung verbreiten. Zudem gibt es in zahlreichen Geschäften in Altenstadt und Umgebung die 40-Jahr-Jubiläumsausgabe des „Schnorrawackler“ zu kaufen. In der Faschingszeitung sind zahlreiche lustige Anekdoten aus dem Dorfgeschehen nachzulesen.

Bälle abgesagt

Zwei Bälle werden normalerweise vom AFZ veranstaltet. Beide sind der Coronapandemie zum Opfer gefallen. „Den Inthronisationsball unseres Prinzenpaares mussten wir im November eine Woche vor dem Termin absagen, weil sich die Regeln geändert haben“, zeigt sich Köchle enttäuscht. Auch mit einer Verschiebung in den Jänner oder Februar wurde es dann nichts. Dennoch freut sich der AZF-Präsident, dass es nun zumindest den „Fasching-to-go“ geben wird.

VVF-Präsidentin Barbara Lässer. <span class="copyright">VVF</span>
VVF-Präsidentin Barbara Lässer. VVF

Barbara Lässer, Präsidentin des Verbands der Vorarlberger Fasnatzünfte und -gilden (VVF), bedauert es, dass nunmehr die zweite Saison so ruhig ausfällt. Zugleich freut sie sich aber auch über die unterschiedlichsten Initiativen der verschiedenen Vereine. „Viele sind im Kleinen aktiv und wahrscheinlich werde ich von vielen Sachen auch erst nach dem Fasching hören“, sagt sie und lacht. Aus ihrer Sicht besteht auch keine Gefahr, dass das Brauchtum aufgrund der herausfordernden Situation verloren geht. Vielfach sei die Fasnat sogar wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt, weil ihnen etwas gefehlt hat. Die Öffnung im März freut die VVF-Präsidentin vor allem für die Funkenbauer. Sie hofft auch, dass im Frühjahr wieder ein Verbandstag durchgeführt werden kann. Denn in den beiden vergangenen Jahren ist dieser ausgefallen. Nun hofft Lässer auf eine Gelegenheit, sich endlich wieder in großem Rahmen mit den Närrinnen und Narren des Landes treffen zu können. „Fasching lebt von den persönlichen Kontakten“, ist sie überzeugt.

Mit dem Auto zum geklauten Braten

Der "Läbbe Drive-in" war schon im vergangenen Jahr ein großer Erfolg. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der "Läbbe Drive-in" war schon im vergangenen Jahr ein großer Erfolg. Hartinger

Was sich bereits im Vorjahr bewährt hat, wird in Wolfurt heuer wiederholt. Am „gumpiga Donnschtig“ werden in Vorarlberg traditionell Braten gestohlen. Auch bei der Fasnatzunft „Hafoloabar Läbbe“ wird dieser Brauch nach wie vor hochgehalten. Normalerweise kommt dabei das Dorf zu einem Fest bei „Inschtrumentomachers Brunno“ – auf dem Vorplatz des Musikhauses Hinteregger – zusammen. In Zeiten der Pandemie ein eher schwieriges Unterfangen. Daher wurde im vergangenen Jahr am sonst üblichen Platz der „Läbbe Drive-in“ eingerichtet. Interessierte konnten sich dort ihr Mittagessen abholen. Über 250 Portionen wurden so in kurzer Zeit an die Frau und den Mann gebracht.
Am „gumpiga Donnschtig“ in der kommenden Woche wird der Bratenklau daher erneut auf diese Weise durchgeführt, erzählt Emanuel König, Obmann der „Hafoloabar Läbbe“. Dabei wird auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres aufgebaut, um noch das eine oder andere am Ablauf zu verfeinern.

“Wie die Sternsinger”

Doch auch sonst sind die „Läbbe“ in der heurigen Fasnat aktiv. So werden die Schulen besucht, wobei man dabei im Freien bleibt. Ebenso möchte man am Tag, an dem sonst der Faschingsumzug stattfindet, in Kleingruppen durch den Ort ziehen und zumindest ein bisschen Fasnatstimmung verbreiten. „Wie die Sternsinger“, verdeutlicht der Obmann und lacht.
Die Mitglieder des Vereins waren sich einig, dass nach Alternativen gesucht werden muss und man in der Pandemie nicht klein beigeben darf. Das Brauchtum soll weiter gepflegt werden. Einerseits geht es darum, der Bevölkerung den Fasching nahe zu bringen. Andererseits ist es für die Vereinsverantwortlichen auch wichtig, selbst aktiv zu bleiben. „Ein Jahr Stillstand kann man gut übertauchen, danach wird es aber schwierig“, sagt König. Schließlich organisieren die „Läbbe“ in Wolfurt nicht nur alljährlich den Umzug mit rund 10.000 Besuchern, sondern auch einen Ball im ausverkauften Cubus und zahlreiche weitere Aktionen.

Guggamusikanten spielen im April auf

Die Emser Palast-Tätscher laden im April zum Monsterkonzert in Hohenems. <span class="copyright">Emser Palast-Tätscher</span>
Die Emser Palast-Tätscher laden im April zum Monsterkonzert in Hohenems. Emser Palast-Tätscher

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dieser Ansicht ist Sandra Hämmerle von der Guggamusik Emser Palast-Tätscher. Alljährlich veranstalten die Hohenemser im Jänner ein Monsterkonzert mit zahlreichen Guggamusiken aus nah und fern. Aufgrund der Coronapandemie wäre die Veranstaltung heuer bereits zum zweiten Mal ausgefallen. Das wollten die Hohenemser jedoch nicht hinnehmen und so wurde das Konzert bereits im vergangenen Dezember auf den 23. April verschoben. An diesem Termin wird sich nun auch nach der angekündigten Öffnung nichts ändern, berichtet Hämmerle. Neu ist jedoch, dass das Monsterkonzert am Nachmittag nicht mehr in Dornbirn über die Bühne geht. Stattdessen wird auf dem Hohenemser Schlossplatz aufgespielt. Später geht es dann im Hohenemser Tennis-Event-Center weiter.
Die Teilnehmerplätze für die Veranstaltung sind schon seit Längerem vergeben. Schließlich sollte das Konzert ursprünglich im Jänner über die Bühne gehen. Die angemeldeten Gruppen hätten jedoch auch für den neuen Termin zugesagt. „Es ist schön, dass sie uns die Treue gehalten haben“, sagt Hämmerle.

Brauchtum nicht verlegen

So mancher Traditionalist sehe die Veranstaltung außerhalb der Faschingszeit jedoch auch durchaus kritisch. Doch die Monsterkonzert-Organisatorin kann das nicht nachvollziehen: „Uns geht es sicher nicht darum, das Brauchtum zu verlegen. Allerdings müssen wir uns auch der Situation anpassen.“ Gerade das Monsterkonzert sei eine wichtige Einnahmequelle für den Verein, denn trotz Pandemie gebe es auch Kosten etwa für die Miete für das Vereinslokal oder das neue Kostüm. Nicht zuletzt habe es immer schon Veranstaltungen von Faschingsvereinen außerhalb der närrischen Zeit gegeben.

30-Jahr-Jubiläum

Doch in Hohenems wird bereits über den April hinaus geplant. Denn beim Faschingsauftakt am 11. 11. soll heuer auch das 30-Jahr-Jubiläum der Guggamusik gefeiert werden. Zünfte und Gilden aus dem ganzen Land sollen dann in der Nibelungenstadt zu Gast sein und auch die Möglichkeit bekommen, im Rahmen des Programms aufzutreten. „Die Einladungen dafür sind schon draußen“, freut sich Hämmerle.

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