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Amazon: Grüne wollen “alle Hebel in Bewegung setzen”

24.02.2022 • 23:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Dornbirner Stadträtin Juliane Alton und der Landtagsabgeordnete Bernie Weber wollen in Sachen Amazon „alle Hebel in Bewegung setzen“.
Die Dornbirner Stadträtin Juliane Alton und der Landtagsabgeordnete Bernie Weber wollen in Sachen Amazon „alle Hebel in Bewegung setzen“.

Tierschutz, Verkehr, Standortentwicklung: Für die Grünen spricht vieles gegen das geplante Amazon-Verteilerzentrum in Dornbirn.


Wie die NEUE schon mehrfach berichtete, plant der Online-Händler Amazon ein Verteilerzentrum auf einem Privatgrundstück im Dornbirner Betriebsgebiet Nord. Obwohl noch kein Bauantrag vorliegt, sorgt das Projekt seit geraumer Zeit für Unruhe in der Messestadt. Sämtliche Fraktionen sehen den Plänen eher ablehnend gegenüber. Sie befürchten unter anderem eine weitere Verschärfung der Verkehrssituation. Die Grünen übten ges­tern einmal mehr Kritik am ressortzuständigen Landesrat Marco Tittler und Stadtrat Julian Fässler (beide ÖVP), die in der Sache derzeit wenig bis keinen Handlungsspielraum sehen. Umweltstadträtin Juliane Alton und Landtagsabgeordneter Bernie Weber bezeichneten die Pläne als „Bankrotterklärung für die Standortentwicklung“. Sie fordern, dass auf Landes- und Gemeindeebene nun „sämtliche Fragen sauber geklärt werden und die Fakten auf den Tisch kommen“.

Hier an der L200 will sich Amazon ansiedeln. Das Grundstück ist 33.000 Quadratmeter groß. Ha<span class="copyright">rtinger</span>
Hier an der L200 will sich Amazon ansiedeln. Das Grundstück ist 33.000 Quadratmeter groß. Hartinger

Tierwelt gefährdet

Die Grünpolitiker teilten mit, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung seien. Allerdings halten sie das 33.000 Quadratmeter große Grundstück in der Nähe des Achraintunnels (siehe Grafik oben) nicht für den idealen Standort. Teile des Betriebsgebiets würden nämlich im letzten Wildtierkorridor zwischen dem Rheintal und den Wäldern des Bregenzerwaldes liegen. Dies geht auch aus dem „Maßnahmenhandbuch Biotopverbund Vorarlberger Rheintal“ hervor. „Eine Unterbrechung dieses Korridors würde die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt im Bodenseeraum gefährden“, sagt Alton. Sie beanstandet, dass die Stadt bei der seinerzeitigen Widmung im Jahr 2015 keine Rücksicht auf die fachliche Beurteilung des Biotopverbunds Rheintal genommen haben. Die Stadträtin will das Thema nun auf die Tagesordnung der nächs­ten Stadtvertretungssitzung am 17. März bringen. „Es müssen alle offenen Fragen geklärt werden. Dazu braucht es unter anderem eine naturschutzrechtliche Überprüfung“, so Alton. Zudem hält sie auch die Einholung eines Verkehrsgutachtens für notwendig.

Verkehrsfrage

Bernie Weber, Landtagssprecher für Verkehr und Raumplanung, wies darauf hin, dass eine Ansiedlung von Amazon die ohnehin schon problematische Verkehrssituation zwischen Achraintunnel und Autobahnauffahrt noch einmal deutlich verschärfen könnte. Eine im Auftrag von Amazon durchgeführte Erhebung habe ergeben, dass das Verkehrsaufkommen auf der L 200 um 21 Prozent zunehmen wird. Hinzu komme, dass im aktuellen Güterverkehrskonzept davon ausgegangen wird, dass sich das Paketzustellvolumen jährlich um 30 Prozent steigert.
Die beiden Grünpolitiker sehen mehrere Hebel, um umstrittene Bauprojekte wie jenes von Amazon stoppen zu können. „Beschließt die Stadt die Entwicklung eines Bebauungsplans, müssen Bauvorhaben warten, bis die neuen Bestimmungen beschlossen sind“, erläutert Weber. Die Bausperre gelte höchstens drei Jahre lang. „Außerdem bieten diese politischen Werkzeuge der Stadt die Möglichkeit, aktiv die zukünftige Entwicklung des Standorts mitzubestimmen und sich vom Beifahrersitz ans Steuer setzen“, so der Raumplanungssprecher. Der Bebauungsplan soll nach Ansicht der Grünen nicht nur im Fall Amazon Qualitätskriterien festlegen, sondern für alle Unternehmen, die sich in dem Gebiet ansiedeln möchten. Etwa, dass es nur unterirdische Stellplätze geben darf oder Gebäude mindestens drei Geschosse und eine Fotovoltaikanlage vorweisen müssen. „Mit solchen Vorgaben kann die Stadt sicherstellen, dass sich nur hochwertige Projekte im Betriebsgebiet ansiedeln können“, sagt Weber. Davon würden die Wirtschaft, die Betriebe und ganz Dornbirn profitieren.

Rückwidmung.

Stadträtin Alton spricht sich für eine teilweise Rückwidmung des Baulands in Freifläche aus. „Für die Erhaltung des Wildtierkorridors ist ein 80 bis 100 Meter breiter Korridor parallel zur L 200 notwendig. Bei der Widmung wurden nur sechs Meter Freifläche festgelegt“, kritisiert sie. Dieser Fehler müsse korrigiert werden. Laut Alton könnte das Land eine Bausperre aussprechen und den Landesraumplan entsprechend adaptieren.

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