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Hommage an einen „unverbogenen Selbstdenker“

25.02.2022 • 20:06 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Wif“ Kofler 2006 mit den an den Bahnschranken montierten Türklinken – die bald entfernt wurden. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
„Wif“ Kofler 2006 mit den an den Bahnschranken montierten Türklinken – die bald entfernt wurden. Klaus Hartinger

„Verbrannter Schnee gibt keine Asche“ heißt eine Monographie über den Bregenzer Schlosser und Künstler Wilfried „Wif“ Kofler.

An der Bregenzer Seepromenade, in der Nähe des Tretbootverleihs, befindet sich im Geländer ein Knoten. Ein Objekt, das Bregenzern seit Jahren vertraut ist, bei jenen Spaziergängern, die es zum ersten Mal sehen, aber oft auf Irritation stößt. Es ist eines von drei Werken des Bregenzer Schlossers und Künstlers Wilfried „Wif“ Kofler (1949–2017), das noch im öffentlichen Raum in der Landeshauptstadt zu sehen ist.

Der Knoten ist im Rahmen der Debatte rund um den damaligen Abbruch der sogenannten Gulaschbrücke vor gut 30 Jahren entstanden. Er sollte die Stadtregierung an das Versprechen erinnern, die Brücke wieder aufzubauen – was bekanntlich nicht geschehen ist. Er ist damit neben künstlerischem vor allem gesellschaftspolitisches Statement.

Der Knoten an der Seepromenade. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Knoten an der Seepromenade. Klaus Hartinger

Die Wasserhähne, die hoch an Lichtmasten in der Römerstraße/Arlbergstraße montiert sind, sind ein weiteres Objekt von Kofler im öffentlichen Raum; die halb in der Erde vergrabenen Mühlsteine auf der kleinen Grünfäche an der Kreuzung Rheinstraße, Quellenstraße, Mehrerauerstraße das dritte.

Kofler ist 2017 im Alter von 68 Jahren gestorben. Nun hat seine Tochter Gabriela Lamprecht eine Künstlermonographie über ihren Vater herausgebracht. Verlegt wurde sie vom in Vorarlberg und Wien lebenden Künstler Albert Allgaier. Mit dem nun vorliegenden Buch führe sie das fort, was ihr Vater begonnen habe, aber aufgrund seiner Krankheit nicht mehr vollenden konnte, schreibt die Tochter im Vorwort. „Verbrannter Schnee gibt keine Asche“ ist der Titel des umfangreichen Werks, das einen vielfältigen Einblick in das Schaffen von Kofler gibt und in persönlicher Art und Weise von ihm und über ihn erzählt.

Das Buch

„Verbrannter Schnee gibt keine Asche“. Künstlermonographie Wilfried Kofler (1949–2017).

Herausgegeben von Gabriela Lamprecht, verlegt von Albert Allgaier. Texte von Lamprecht und Allgaier, Fotos Romain Mader.

300 Seiten, im Schuber, 68 Euro.

Erhältlich in den Buchhandlungen Brunner in Bregenz und Dornbirn sowie in Das Buch im Messepark Dornbirn.

„Ein Mensch ohne Umlaute, ein unverbogener Selbstdenker“, zitiert Lamprecht in ihrem Text eine Beschreibung ihres Vaters durch dessen langjährigen Freund Gottfried Bechtold. Dass ihr Vater stets das sagte, was er dachte, war auch für die Familie nicht immer leicht, schildert sie.

Die Monographie ist in einem Schuber (Bild) mit einem Zitat von Kofler.    <span class="copyright">Sams</span>
Die Monographie ist in einem Schuber (Bild) mit einem Zitat von Kofler. Sams

Wilfried Kofler wuchs unter nicht einfachen Verhältnissen auf. In seiner Heimatstadt absolvierte er eine Lehre zum Bau- und Kunstschlosser. Es war eine Begegnung und Zusammenarbeit mit dem Künstler Hubert Berchtold gleich zu Beginn seiner Lehrzeit, die für ihn prägend werden sollte. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entstand neben der Erwerbsarbeit eine Vielzahl an künstlerischen Arbeiten und Interventionen. „Die handwerkliche Präzision offenbarte sich oftmals nur dem geschulten Auge – das Resultat seines künstlerischen Schaffensdranges hingegen war unübersehbar“, schreibt Lamprecht.

Einer der Wasserhähne. <span class="copyright">Hartinger</span>
Einer der Wasserhähne. Hartinger

Albert Allgaier faszinierte am Buchprojekt die Idee, „mein absolutes Lieblingskunstwerk, den KNOTEN, höchstpersönlich in Form einer Monographie in die Kunstgeschichte einzuschreiben“, wie er in seinem Beitrag schreibt. Darin nähert er sich der künstlerischen Arbeit und Arbeitsweise von Kofler, inklusive persönlicher Bezüge.

Die Mühlsteine.   <span class="copyright">Nadja Kilchhofer &amp; Romain Mader</span>
Die Mühlsteine. Nadja Kilchhofer & Romain Mader

Der Großteil der umfangreichen Monographie wird von Bildern dominiert – beginnend mit zahlreichen Fotos der drei sich noch im öffentlichen Raum befindlichen Werke. Daneben wird eine ganze Reihe an Objekten aus privaten Sammlungen gezeigt, die einen Einblick in die große Vielfalt und Vielschichtigkeit von Koflers Schaffen geben. Von Bildern über große und kleine Skulpturen bis hin zu besonderen Gebrauchsgegenständen reicht da das Spektrum. Sie lassen erahnen, wie übersprudelnd Kreativität und Einfallsreichtum des gelernten Handwerkers und autodidaktischen Künstlers waren.

Die 300 Seiten strake Monographie.  <span class="copyright">Sams</span>
Die 300 Seiten strake Monographie. Sams

Zeichnungen und Texte von Wilfried Kofler bilden einen weiteren Teil. Erinnerungen aus seiner Kindheit, eine Verballhornung von Schillers „Die Bürgschaft“, ein „Kochrezept“ oder eine Abhandlung über das fachmännische Meucheln eines Regenwurms. Es sind teils sehr persönliche Einblicke, die das Bild eines facettenreichen Menschen ergeben, der sich und seine Umwelt mit kritischem und direktem Blick betrachtet hat – stets begleitet von Witz, Phanatsie und Ideenreichtum abseits ausgetretener Pfade. Zu den Texten gibt es auch immr wieder Zeichnungen oder Fotos.

Tochter Gabriela Lamprecht hat das Buch herausgegeben.  <span class="copyright">Sams</span>
Tochter Gabriela Lamprecht hat das Buch herausgegeben. Sams

Zeitungsartikel über seine Aktionen und den Mensch Wilfried Kofler, der auch einmal Bregenzer Faschingsprinz war, bilden den Abschluss. Einen Schwerpunkt der Berichterstattung ist dabei der Knoten. „Verbrannter Schnee gibt keine Asche“ ist ein spannendes Werk, das einen aufschlussreichen Zugang zu Werk und Person bietet. Zugleich ist es eine Liebeserklärung einer Tochter an ihren Vater und eine Hommage an eine Bregenzer Persönlichkeit, die ihre Spuren hinterlassen hat – nicht nur in Form der drei noch öffentlich sichtbaren Arbeiten.

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