Allgemein

Energieinstut ist bei Beratungen gefordert

26.02.2022 • 19:27 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Derzeit müssen die Vorarlberger vier bis acht Wochen auf einen Beratungstermin warten. <span class="copyright">energieinstitut/Gmeiner</span>
Derzeit müssen die Vorarlberger vier bis acht Wochen auf einen Beratungstermin warten. energieinstitut/Gmeiner

Noch nie gab es so viele Beratungen wie im Jahr 2021. Positiver Trend birgt Herausforderungen.


Seit dem Jahr 1991 gehört die Energieberatung zum Kernauftrag des Vorarlberger Energieinstituts.

Erfragt werden kann mittlerweile so ziemlich alles, was mit dem Thema zu tun hat, sowohl vor Ort als auch am Telefon. Im vergangenen Jahr verzeichnete der gemeinnützige Verein eine historisch hohe Nachfrage. Rund 3000 Beratungen wurden durchgeführt. Rund 1600 Mal beantworteten die Mitarbeiter Fragen am Telefon, mehr als 1300 Mal rückten die Energieberater aus, um Vor-Ort-Termine wahrzunehmen. Letztere stiegen im Vergleich zum Jahr 2020 um das Doppelte an. 751 Haustermine betrafen sogenannte Raus-aus-Öl-Beratungen, die im Land seit zwei Jahren kostenlos angeboten werden.

Michael Braun, Bereichsleiter Energieberatung und Gebäudetechnik.<span class="copyright"> Energieinstitut</span>
Michael Braun, Bereichsleiter Energieberatung und Gebäudetechnik. Energieinstitut

„Der Anstieg stellt uns vor große finanzielle und personelle Herausforderungen.“

Michael Braun, Energieinstitut

Hohe Förderungen

Michael Braun, der den Bereich Energieberatung und Gebäudetechnik im Energieinstitut leitet, vermutet mehrere Gründe für den Anstieg. „Zum eine wirken sich wahrscheinlich die extrem hohen Förderungen aus. Ich denke, es wird jetzt vielen bewusst, dass der Bund jetzt ernst macht mit dem Ausstieg aus fossilen Heizsystemen.“
Der Bund unterstützt den Ersatz einer Ölheizung oder Stromdirektheizung mit bis 9500 Euro, die Förderung des Landes beträgt bis zu 4000 Euro (siehe rechte Spalte).
Zudem, so führt Braun weiter aus, hätten sich die Themen Umwelt- und Klimaschutz mittlerweile stärker in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Ein weiterer Grund für das Beratungsplus sei vermutlich der Umstand, dass keine Kosten bzw. nur verhältnismäßig geringe Selbstbehalte anfallen würden. Auch die Coronapandemie könnte eine Rolle spielen. „Vielleicht wird der eine oder andere das nicht verwendete Urlaubsgeld in eine neue Heizung investieren“, mutmaßt der Energieexperte. Der Trend zu mehr Beratungen setzt sich auch in diesem Jahr fort. So zählte das Energieinstitut bereits im Jänner mehr als 200 Anmeldungen. Braun geht deshalb schon jetzt von einem Rekordjahr aus. Auch in den anderen Bundesländern steige die Nachfrage stetig an, weiß der Abteilungsleiter.

Rund 27.000 Ölheizungen sind in Vorarlberg noch in Betrieb.<span class="copyright"> Shutterstock</span>
Rund 27.000 Ölheizungen sind in Vorarlberg noch in Betrieb. Shutterstock

Die Fünf Häufigsten Fragen

1. Wodurch kann und soll ich meine Ölheizung ersetzen?

Antwort: Jedenfalls durch ein erneuerbares Heizsystem! Im Bestandsgebäude funktioniert der Ersatz durch eine Pelletsheizung so gut wie immer, ob eine Wärmepumpe eine gute Wahl ist, hängt vom Gebäude ab. Mitunter ist ein Nahwärmenetz in der Nähe. Eine Energieberatung vor Ort macht daher immer Sinn und ist derzeit auch kostenlos. Zwischenzeitlich mit dem „Hexit“ (www.energieinstitut.at/hexit) online einen ersten Überblick verschaffen.

2. Wie sinnvoll ist eine PV-Anlage für mich?

Antwort: Eine PV-Anlage ist immer ein wirksamer Beitrag zur Energieautonomie und angesichts steigender Strompreise auch wirtschaftlich interessant. Einen Überblick gibt’s hier: www.energieinstitut.at/pv

3. Sind Batteriespeicher sinnvoll, und bin ich dadurch netz­unabhängig?

Antwort: Kann man nicht pauschal sagen, weil’s davon abhängt, was Sie als „sinnvoll“ betrachten. Speicher sorgen jedenfalls nicht für mehr Ökostrom im Netz und erhöhen die Wirtschaftlichkeit der Anlage nur bedingt. Netzunabhängig werden Sie mit einem Speicher nicht, weil Sie vor allem im Winter nicht den gesamten benötigten Strom selbst produzieren können. Mit SUSI, der „Strom-Unabhängigkeits-Simulation“ kann man Eigendeckungsgrade von Speichern berechnen: www.energieinstitut.at/susi

4. Wir wollen unser Haus sanieren – wo sollen wir anfangen? Und gibt’s dafür eine Förderung?

Antwort: Am besten mit einer Sanierungs-VOR-Beratung. Die hilft dabei, sich über die beste der vielen Möglichkeiten im Rahmen einer Gebäudesanierung klar zu werden. Sie wird vom Land und vielen Gemeinden finanziell unterstützt. Details unter www.energieinstitut.at/energieberatung. Bund und Land fördern zudem Sanierungsmaßnahmen mit Zuschüssen und günstigen Darlehen. Infos über die Energieberatung.

5. Wie komme ich zu einem Energieausweis?

Antwort: Über die zahlreichen befugten EAW-Ersteller in Vorarlberg. Liste auf www.eawz.at Tipp: Drei Angebote einholen.

Finanzielle Herausforderung

Die positive Tatsache, dass nun immer mehr Hausbesitzer ihre Ölheizung austauschen wollen, stellt das Energieinstitut allerdings vor finanzielle und personelle Herausforderungen. „Wir müssen jede Beratung finanzieren. Selbst wenn 50 Euro Selbstbehalt gezahlt werden, macht das nur einen Bruchteil von den tatsächlichen Kosten aus“, erläutert Energieinstitut-Sprecher Wolfgang Seidel. Aufgrund der hohen Anzahl von kostenlosen Raus-aus-Öl-Beratungen im vergangenen Jahr habe das Land die Finanzierung etwas aufgestockt. Bis der letzte Ölkessel im Land verschwunden sein wird, dauert es allerdings noch. Braun schätzt, dass in Vorarlberg noch rund 27.000 Ölheizungen im Einsatz sind. Davon seien 20.000 vor dem Jahr 2000 eingebaut worden.

Energieberater gefordert

Gefordert sind auch die Energieberater. Neben sieben hauseigenen Beratern kann das Energieinstitut auf einen Pool von etwa 25 externen Mitarbeitern zurückgreifen, die nebenberuflich zahlreiche Vor-Ort-Termine absolvieren und die für die Förderungen notwendigen Beratungsprotolle erstellen. Die hohe Nachfrage hat allerdings zu einem Rückstau geführt. Derzeit müssen Heizungstauschwillige mit Wartezeiten zwischen vier und acht Wochen rechnen. Das Energieinstitut sucht deshalb nach weiteren externen Beratern. „Leider können wir diese Personen nicht aus dem Hut zaubern. Sie sollten ein gewisses Fachwissen mitbringen“, gibt Abteilungsleiter Braun zu bedenken. Der berufliche Hintergrund der Berater sei bunt gemischt. Die meisten kämen aus der Baubranche, auch Architekten und Mitarbeiter aus Bauphysikbüros seien darunter.

“Raus aus Öl”-Bonus

Wer seine Ölheizung durch ein erneuerbares Heizsystem ersetzt, erhält vom Bund und vom Land Vorarlberg eine zusätzliche Förderung.

Förderung vom Bund

• Der Bund unterstützt den Ersatz Ihrer Ölheizung oder Stromdirektheizung mit bis zu 7500 Euro (bzw. 9500 Euro, bei einem Umstieg auf Fernwärme in einem mit Erdgas versorgten Gebiet ).

• Voraussetzung: ein gültiger Energieausweis oder das Protokoll einer Energieberatungsstelle, Demontage der Ölheizung im Zuge des Tausches.

• Die Maßnahmen sind rückwirkend (ab 1. Jänner 2021) förderbar.

• Die Heizungsumstellung auf eine klimafreundliche Technologie im Mehrfamilienhaus wird derzeit noch mit 1500 Euro pro Wohneinheit gefördert und ist mit 35 Prozent der Investitionskosten begrenzt.

Förderung vom Land

• Das Land unterstützt im Rahmen der Energieförderung den Wechsel auf eine Holzheizung, Hausanschluss an Nahwärme oder Heizungswärmepumpen (ausgenommen Luft-Wärmepumpen).

• Der Ersatz von Öl-Zentralheizungen, Gas-Zentralheizungen oder Elektrodirektheizungen durch ein förderbares Heizungssystem in Eigenheimen wird mit 4000 Euro gefördert (2000 Euro Basisförderung und 200 Euro Bonus)

• in Mehrfamilienhäusern (ab drei Einheiten) beträgt der „Raus aus Öl“-Bonus 4000 Euro zusätzlich zur Basisförderung (1000 Euro je Gebäude plus 400 je Wohnung).

• Wichtigste Voraussetzungen: Das Gebäude muss zehn Jahre oder älter sein und das alte fossile Heizsystem muss vollständig entfernt werden.

• Einige Vorarlberger Gemeinden fördern den Umstieg zusätzlich zur Landesförderung.

Frühe Beratung

Hausbesitzern, die ihren alten Ölkessel loswerden und ihr Heim energetisch auf Vordermann bringen möchten, empfiehlt der Experte eine möglichst frühe Beratung. „Es lohnt sich, wenn man hier etwas mehr Zeit investiert. Je besser die Planung durchdacht ist, desto weniger Probleme stellen sich später heraus. Wenn das Haus schon halb steht oder der Installateur bereits drei Mal da war, dann wird es schwierig, eine andere Heizung einzuplanen oder die Küche an einem anderen Ort zu platzieren.“ Zudem würden sich im Rahmen frühzeitiger Beratungen immer wieder ungeahnte Lösungen und Möglichkeiten auftun.