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Untreueprozess nach einem Jahr Pause

01.03.2022 • 20:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dem Angeklagten werden schwerer Betrug sowie Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Dem Angeklagten werden schwerer Betrug sowie Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Symbolbild/Hartinger

Angeklagter soll Käufer beim Verkauf seines Unternehmens und danach geschädigt haben.

Der Schöffenprozess gegen einen Ex-Versicherungsmakler am Landesgericht Feldkirch wird nach einem Jahr Pause seit Dienstag weitergeführt. In der ersten Verhandlung am 24. Februar 2021 hatte der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Thomas Wallnöfer überraschenderweise beschlossen, von Amts wegen ein Bilanzgutachten einzuholen und dafür die Hauptverhandlung zu vertagen.

Freispruch beantragt

Das nun vorliegende Gutachten stütze ihre Anklage, sagte Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder. Das Strafverfahren gegen ihren Mandanten dauere nun bereits drei Jahre und acht Monate, merkte Verteidigerin Andrea Concin an. Sie beantragte einen Freispruch für ihren Mandanten.

Der Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch ist für mehrere Tage angesetzt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch ist für mehrere Tage angesetzt. Hartinger

Dem unbescholtenen 64-Jährigen werden in der Anklageschrift das Verbrechen des schweren Betrugs sowie die Vergehen der Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Demnach soll der Angeklagte beim und nach dem 2017 erfolgten Verkauf seines Unternehmens die neuen Eigentümer um mehr als 300.000 Euro geschädigt haben. Zudem soll er versucht haben, eine Versicherung zu betrügen.

Schadenersatzforderungen

Beim Kaufpreis von 1,8 Millionen Euro hat der Verkäufer nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Käufer betrogen. Denn der Angeklagte soll zu erwartende Folgeprovisionen um 100.000 Euro zu hoch angegeben haben. Und er soll Schadenersatzforderungen von 269.000 Euro einer Kundin verschwiegen haben. Bei der Kundin handelt es sich um die Ex-Gattin des Angeklagten, die seiner Firma Beratungsfehler beim Investieren in einen Rentenfonds vorwarf.

Private Geburtstagsfeier

Auch nach dem Verkauf seiner Firma soll der Angeklagte als Geschäftsführer des Unternehmens die neuen Gesellschafter geschädigt haben. Demnach hat er etwa, so die Anklage, ohne Absprache mit den neuen Eigentümern das Unternehmen in einem außergerichtlichen Vergleich dazu verpflichtet, seiner Ex-Gattin für den Beratungsfehler 216.000 Euro zu bezahlen. Und er soll neben den Ausgaben für Webdesign auch die Kosten von 3100 Euro für seine private Geburtstagsfeier der Firma verrechnet haben.

Ein bis zehn Jahre

Der Schöffenprozess ist für mehrere Tage angesetzt. Für den Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage sieht das Strafgesetzbuch einen Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Gefängnis vor. Neben dem Strafprozess seien etwa zehn, vor allem von den Unternehmenskäufern geführte Zivilprozesse gegen seinen Mandanten anhängig, merkte Co-Verteidiger Gerald Ruhri an.