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Chance auf Einstellung des Verfahrens verpasst

03.03.2022 • 22:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Martin Schutt/dpa</span>
Symbolbild/Martin Schutt/dpa

Unbescholtener (54) wird zum Verhängnis, dass sie nicht geständig war.

Die unbescholtene Beschuldigte hätte gar keine Strafe erhalten, wenn sie vor der Polizei den ihr angelasteten Ladendiebstahl von Lebensmitteln im Wert von 4,12 Euro zugegeben hätte. Wegen mangelnder Strafwürdigkeit angesichts des geringen Werts der zudem nachträglich bezahlten Waren hätte die Staatsanwaltschaft Feldkirch das Strafverfahren eingestellt, sagte Bezirksanwalt Klaus ­Schmid. Dabei hätte sich die Strafverfolgungsbehörde auf Paragraf 191 der Strafprozessordnung gestützt: „Einstellung wegen Geringfügigkeit“.

Ohne Verteidiger erschienen

Weil die Beschuldigte aber alles abgestritten habe, sei auch keine Diversion mit einer milden Sanktion ohne Eintrag ins Strafregister möglich gewesen, sagte der öffentliche Ankläger. Stattdessen habe Anklage erhoben werden müssen. Wegen versuchten Diebstahls wurde die 54-jährige Angeklagte am Mittwoch in der Verhandlung am Bezirksgericht Bregenz zu einer Geldstrafe von 320 Euro (80 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagte war zwar damit einverstanden, erhielt aber automatisch drei Tage Bedenkzeit, weil sie ohne Verteidiger erschienen war. Der Bezirksanwalt gab noch keine Erklärung ab.

50 Euro Verfahrenskosten

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde die rumänische 24-Stunden-Pflegerin als vorbestraft gelten. Zusätzlich zur Geldstrafe hat sie dem Gericht pauschal 50 Euro an Verfahrenskosten zu überweisen. Die mögliche Höchststrafe für das Vergehen des versuchten Diebstahls wäre eine Haftstrafe von sechs Monaten oder eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen gewesen.

Statt einer Einstellung des Verfahrens gab es für die Angeklagte eine Geldstrafe. <span class="copyright">Hartinger</span>
Statt einer Einstellung des Verfahrens gab es für die Angeklagte eine Geldstrafe. Hartinger

Nach Ansicht von Richter Christian Röthlin hat die Angeklagte am 3. November 2021 in einem Bregenzer Supermarkt einen versuchten Ladendiebstahl begangen. Auf dem Überwachungsvideo sei zu sehen, dass sie Lebensmittel in ihre Handtasche eingesteckt und dann nicht bezahlt habe. Sie habe an der Kassa nur das leere Fach ihrer Handtasche vorgezeigt, aber nicht das andere, verschlossene Seitenfach mit den Lebensmitteln. Danach sei sie vor dem Geschäft von einem Ladendetektiv angehalten worden.

Telefonanruf der Tochter

Die Angeklagte sagte auch vor Gericht, sie sei nicht schuldig. Sie sei wegen eines Telefonanrufs ihrer Tochter vors Geschäft gegangen. Sie habe vergessen, der Kassierin zu sagen, dass sie zurückkehren und die Waren bezahlen werde. Vor dem Geschäft sei der Ladendetektiv auf sie zugekommen.

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