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Streitbarer neuer Landesrat

05.03.2022 • 20:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Stiplovsek

Daniel Zadra hat keine Angst vor großen Fußstapfen.

Einstimmig ist am Samstag Daniel Zadra vom Landesvorstand der Vorarlberger Grünen als Umwelt- und Mobilitätslandesrat nominiert worden.

Der bisherige Landtagsklub­obmann übernimmt damit die Nachfolge von Johannes Rauch, der als neuer Gesundheits- und Sozialminister nach Wien wechselt. Die Angelobung des neuen Landesrats soll bei der Landtagssitzung am Mittwoch über die Bühne gehen. Wer Zadra als Klubchef nachfolgt, wird am Montag entschieden. Logische Nachfolgerin wäre seine bisherige Stellvertreterin Eva Hammerer, die gemeinsam mit Zadra auch an der Parteispitze steht. Fest steht jedenfalls, dass das frei gewordene Landtagsmandat die Lustenauer Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter übernimmt.

Eva Hammerer bildet mit Daniel Zadra die Doppelspitze in der Partei. Sie dürfte neue Klubobfrau der Grünen im Landtag werden.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Eva Hammerer bildet mit Daniel Zadra die Doppelspitze in der Partei. Sie dürfte neue Klubobfrau der Grünen im Landtag werden. Stiplovsek

Eigenen Weg beschreiten

Für Zadra ist es nicht das erste Mal, dass er Rauch nachfolgt. Schon beim Wechsel an die Parteispitze gemeinsam mit Eva Hammerer sei ihm oft die Frage gestellt worden, wie groß die Fußstapfen seines Vorgängers seien und wie er diese ausfüllen möchte. Seine Antwort darauf sei einfach: „Die Schuhe von Johannes Rauch stehen nach wie vor unter dem Schreibtisch, aber es sind eben nicht meine.“ Es gelte, einen eigenen Weg zu beschreiten. In der Parteiführung sei das gemeinsam mit Eva Hammerer gut gelungen. Nun gelte es, auch in die Rolle als Landesrat hineinzuwachsen.

“Kein Warten und Zögern”

Dem Lustenauer ist jedoch auch klar, dass es angesichts der weltpolitischen Lage keine Schonfrist für ihn geben wird. „Es darf nach dem Invasionskrieg Russlands vom Energielandesrat kein Warten und Zögern geben“, betont er. Kurzfristig müsse sichergestellt werden, dass die Energieversorgung weiterhin möglichst gut gewährleistet bleibe. Mittel- und langfristig müsse das Motto „Raus aus Gas und Öl“ sein. Dabei helfe es, dass die Weichen in Land und Bund dafür bereits gestellt seien. Was diesbezüglich noch fehle, sei das erneuerbare Wärmegesetz auf Bundesebene, mit dem ein Fahrplan für den Ausstieg aus der fossilen Energie festgelegt werden soll. Im Land sieht es Zadra als großen Vorteil an, dass alle Fraktionen im Landtag in Energiefragen – wie etwa beim Ausbau der Wasserkraft – an einem Strang ziehen. Es gehe den Beteiligten in diesen Belangen nicht um Parteipolitik, sondern das Wohl des Landes stehe im Vordergrund.

Die Lustenauer Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter wird Landtagsabgeordnete. <span class="copyright">Grüne</span>
Die Lustenauer Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter wird Landtagsabgeordnete. Grüne

Um dieses werde es ihm auch bei seiner Arbeit als Landesrat gehen. Daher werde er als Regierungsmitglied „mit Kritik nicht hinter dem Berg halten“, wenn diese angebracht sei. Es gehöre aber zum Wesen der Demokratie, dass man sich nicht in jedem Punkt durchsetzen könne. Dies musste auch schon sein Vorgänger erkennen, der scharfe Kritik an der jüngst erneuerten Genehmigung für das Heliskiing geäußert hat. Zadra geht allerdings davon aus, dass über das Thema schon bald nicht mehr diskuiert werden wird. Denn auch der Koalitionspartner werde einsehen, dass Heliskiing in Vorarlberg keinen Platz habe. „Manchmal brauchen die Dinge Zeit“, bringt es Zadra auf den Punkt.

Zur Person

Daniel Zadra wurde am 24. Dezember 1984 geboren und lebt in Lustenau. Der Politikwissenschaftler und Jurist ist seit 2014 Abgeordneter im Landtag, seit 2019 Obmann des Grünen Landtagsklubs. Seit Juni 2021 bildet er gemeinsam mit Eva Hammerer die Doppelspitze der Grünen.

Wichtig sei es, einen guten Austausch mit allen zu pflegen, sagt der Lustenauer. Er habe dies bereits als Grünen-Klubobmann getan und verweist auf die Einigung mit der Opposition bezüglich der neuen Parteienfinanzierungsregeln, wo er eine Vermittlerrolle eingenommen habe. Auch als Landesrat wolle er diesen Ansatz beibehalten.

Vertrauensbasis

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hatte nach Bekanntwerden des Wechsels von Johannes Rauch nach Wien von einem „stabilen Vertrauensverhältnis“ mit dem Grünen-Landesrat gesprochen. Dies sei ein Stück weit auch ein „Kitt“ gewesen und habe die Koalitionsarbeit ermöglicht. Mit Rauchs Nachfolger müsse diese Vertrauensbasis erst wieder aufgebaut werden. Zadra ist diesbezüglich optimistisch. Immerhin sei er schon bei den Koalitionsverhandlungen mit am Tisch gesessen. Das Verhältnis mit Wallner sei ein gutes und schon als Klubobmann habe er „sehr gut“ mit dem Landeshauptmann zusammengearbeitet. Nun sei man in der Regierung auf einer anderen Ebene miteinander konfrontiert und habe die Gelegenheit, die Beziehung zu vertiefen, meint der designierte Landesrat.

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