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Neos: Forderungspaket zum Wohnen

07.03.2022 • 20:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Johannes Gasser (links) und Gerfried Thür stellten ihre Forderungen vor. <span class="copyright">Neos</span>
Johannes Gasser (links) und Gerfried Thür stellten ihre Forderungen vor. Neos

Landtagsabgeordnete fordern stärkeren Fokus bei Wohnbauförderung.

Leistbares Wohnen haben die Neos-Landtagsabgeordneten Johannes Gasser und Gerfried Thür am Montag zum Thema einer Pressekonferenz gemacht. Konkret forderten sie vier Maßnahmen, um es jungen Menschen wieder zu ermöglichen, Wohneigentum zu erwerben. In dieser Frage sei nicht nur der Bund gefragt, sondern auch das Land könne im eigenen Einflussbereich dafür sorgen, einen früheren Eigentumserwerb, eine hohe Flexibilität bei Haushaltserweiterungen und finanzielle Sicherheit in den späten Lebensjahren wieder zu ermöglichen.

Modernisierungsverlierer

Notwendig ist dies nach Meinung von Gasser und Thür, da junge Menschen es aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte schwerer haben als frühere Generationen, sich durch Leistung etwas aufzubauen. Das Mantra „Schaffa schaffa, Hüsle baua“ gelte für sie nicht mehr. Stattdessen seien junge Menschen und Familien davon bedroht Modernisierungsverlierer zu werden – gerade wenn es darum gehe, Wohneigentum zu schaffen.

Die Mietkosten sind in den vergangenen zehn Jahren stärker gestiegen als die Inflation. <span class="copyright">APA/Helmut Fohringer</span>
Die Mietkosten sind in den vergangenen zehn Jahren stärker gestiegen als die Inflation. APA/Helmut Fohringer

Schon seit der Finanzkrise 2008 hätten sich die Einkommen in keiner Altersgruppe so schleppend entwickelt wie bei der jungen Generation. Die 20- bis 39-Jährigen hätten mit stagnierenden Löhnen zu kämpfen, während es bei Über-60-Jährigen „einen satten Anstieg der Durchschnittseinkommen“ gegeben habe. Dazu kommt laut den Landtagsabgeordneten, dass Wohnen immer teurer wird. Zahlen des Thinktanks „Agenda Austria“ zeigten, dass die Mietpreise pro Quadratmeter von 2010 bis 2020 um 45 Prozent gestiegen sind. Die Inflation lag in diesem Zeitraum bei knapp 20 Prozent. Vorarlberg sei von dieser Entwicklung noch stärker betroffen, betonten Gasser und Thür. In keinem anderen Bundesland seien die Mietkosten pro Quadratmeter so hoch wie hierzulande. Zudem sei bei den Immobilienpreisen weiterhin ein Anstieg zu verzeichnen.

Vier Forderungen

Die Neos-Mandatare fordern daher, dass das Land bei der Wohnbauförderung erstmalige Käuferinnen und Käufer in den Fokus nehmen soll. Neben der Erhöhung des Bonus für die Hausstandsgründung brauche es eine angepasste Unterstützung für Kleinwohnungen, damit die Förderungen einen Anreiz für kleineres Wohnungseigentum zum Einstieg setzen, sind die Abgeordneten überzeugt. Dazu müsse es ermöglicht werden, dass die Förderung mitgenommen wird, wenn die Betroffenen in eine größere Wohnung ziehen möchten.

Forderungen

1. In der Wohnbauförderung erstmalige ­Käuferinnen und Käufer („First-Time Buyers“) in den Fokus nehmen

2. Mietkaufmodelle flexibilisieren und an Lebensrealität anpassen

3. Zweckwidmung der Wohnbauförderung, um sozial ausgerichtete Wohnbautätigkeit sicherzustellen

4. (Erst-)Erwerbskosten bezie­hungsweise -nebengebühren zielgerichtet reduzieren

Anpassung braucht es aus Sicht von Gasser und Thür auch bei den Mietkaufmodellen. Diese seien zur Zeit zu starr und die Hürden für einen späteren Kauf zu hoch. Wer beispielsweise nach einer Familiengründung in eine größere Wohnung ziehe, könne die Kaufoption dann nicht behalten.
Auch eine schon länger bestehende Neos-Forderung haben die beiden Landtagsabgeordneten erneuert. Für die Wohnbauförderungsmittel müsse es eine Zweckwidmung geben. Auf diese Weise werde sichergestellt, dass auch Rückflüsse wie Darlehensrückzahlungen und Zinserträge für die Wohnbautätigkeit verwendet werden.

Hohe Nebenkosten

Nicht zuletzt machen sich die Mandatare für eine Reduktion der Erwerbskosten und -nebengebühren gerade für Erstkäufer stark. In anderen Ländern seien die Gebühren deutlich niedriger als in Österreich. Immerhin seien die Gebühreneinnahmen hier 21 Mal höher als in Neuseeland. Nebenkosten für Notare und Rechtsanwälte betrügen zudem durschnittlich ein bis drei Prozent des Kaufpreises. In diesem Bereich mehr Digitalisierung und Wettbewerb zu wagen, würde zusätzliche Einsparungen für Käufer bringen, sind Gasser und Thür überzeugt.