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Vorarlberger Fruchtsafthersteller betrogen

09.03.2022 • 18:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Philipp Steurer

Ein Scheinfrächter holte Fruchtsäfte und Süßigkeiten ab, stellte sie aber nie zu.

Der geständige Angeklagte war in einer untergeordneten Rolle Mitglied einer ausländischen Bande, die zum Schein ein slowenisches Transportunternehmen gründete und als Subunternehmerin Fruchtsäfte und Süßwaren im Gesamtwert von 170.000 Euro nicht zustellte, sondern entwendete. Dafür wurde der 34-jährige Ungar am Mittwoch in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch zu zehn Monaten Haft verurteilt.

Gewinn verfallen

Seinen Gewinn von 1500 Euro hat der Gelegenheitsarbeiter als sogenannten Verfallsbetrag der Republik Österreich abzuliefern. Das Urteil, das der Angeklagte annahm, ist nicht rechtskräftig. Denn Staatsanwältin Daniela Forster nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Im Auftrag seiner Hintermänner ließ der obdachlose Ungar im November 2019 bei einem Notar im slowenischen Maribor auf seinen Namen ein Transportunternehmen gründen. Die Firma nahm im Dezember 2019 als Subunternehmerin über eine Frachtbörse Transportaufträge von drei österreichischen Transportunternehmen an. Die Scheinfirma lud in einer Lagerhalle in der Slowakei Lastwagenlieferungen um, brachte die Waren aber nicht an ihren Bestimmungsort, sondern zweigte die Lieferungen ab.

Ländlesäfte entwendet

Betrügerisch erlangte die Bande so zwei Mal Fruchtsäfte eines Vorarlberger Herstellers, im Wert von 30.000 und 40.000 Euro, sowie Süßwaren im Wert von 100.000 Euro, darunter vor allem Schokolade, eines internationalen Konzerns.

Der Angeklagte gab an, er sei beim Umladen der Waren in der Slowakei beteiligt gewesen. Verteidiger Michael Brandauer sagte, sein Mandant sei nur das kleinste Rad in der kriminellen Vereinigung gewesen.Angeklagt war das Verbrechen des gewerbsmäßigen schweren Betrugs mit einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Thomas Wallnöfer nahm aber beim Angeklagten, der nur 1500 Euro kassiert habe, keine Gewerbsmäßigkeit an. Deshalb erfolgte der Schuldspruch nur wegen des Vergehens des schweren Betrugs mit einer Strafdrohung von bis zu drei Jahren Haft.

Das Gericht verhängte eine Zusatzstrafe zu einer ungarischen Verurteilung von 2020 zu 70 Stunden gemeinnütziger Arbeit wegen Diebstahls. Sollte das nunmehrige Feldkircher Urteil rechtskräftig werden, würde der im August 2021 verhaftete Untersuchungshäftling am 17. März nach zwei Dritteln der verbüßten Freiheitsstrafe vorzeitig aus der Justizanstalt entlassen werden.