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Ein Theaterstück ohne Schauspieler

11.03.2022 • 23:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Theaterraum ist der Hauptakteur in der neuen Produktion von Unpop.       <span class="copyright">Caro Stark</span>
Der Theaterraum ist der Hauptakteur in der neuen Produktion von Unpop. Caro Stark

Ein außergewöhnliches Stück von Ernst Jandl wird vom Theater Unpop auf die Bühne gebracht.

Ein ganz spezielles Stück steht ab kommender Woche auf dem Spielplan des Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (Unpop): „der raum – szenisches gedicht für tontechniker und beleuchter“ von Ernst Jandl aus dem Jahr 1970, das 1973 uraufgeführt wurde. Das Stück kommt ohne Text und Schauspieler aus. Im Mittelpunkt stehen der Theaterraum und seine Technik. Oft kommt das Werk nicht zur Aufführung. Ende vergangenen Jahres stand es allerdings auf dem Programm des Wiener Volkstheaters.

„Ernst Jandl mit seinem Witz und seiner Intelligenz hat uns schon länger begleitet“, erzählt der Regisseur Stephan Kasimir, der bekanntermaßen gemeinsam mit der Ausstatterin Caro Stark das künstlerische Leitungsduo des Theaters Unpop bildet. Das Stück kannten die beiden schon länger, ein wirklicher Anlass, es aufzuführen, war aber bislang nicht vorhanden, sagt der Regisseur.

Caro Stark und Stephan Kasimir.  <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Caro Stark und Stephan Kasimir. Dietmar Stiplovsek

Nachdem Licht und Ton zentrale Elemente für jeden Theaterschaffenden seien „und wir ja das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung sind“, so Kasimir mit einem Grinsen, sei es an der Zeit gewesen, das Stück zu machen. Es ist ein „poetischer Akt“ und sehr besonders, sagt Kasimir, und auch einen inhaltlichen, persönlichen Grund führt er an, warum es nun auf den Spielplan genommen wurde. Im Theaterraum, der von ihnen auch als Bollwerk gegen den Alltag empfunden werde, spiele Leere eine Rolle. Die aktuellen Verwerfungen – Pandemie, Krieg – hätten dazu geführt, dass die Gesellschaft keine gemeinsame Erzählung mehr habe. „Das empfinden wir als Leere und daher lassen wir den Raum leer“, sagt Kasimir.

llschaft, in der so viel Inhalt produziert werde. „Wir erlauben uns daher, die Bühne leer zu lassen und mit Utopien zu füllen.“ Irgendwie „haben wir mit dem Stück zu uns selbst gefunden“, so der Regisseur weiter. Was nicht heißen soll, dass nur mehr Derartiges gemacht werde, fügt er hinzu.

Licht, Ton und Nebel stehen im Vordergrund.   <span class="copyright">Caro Stark</span>
Licht, Ton und Nebel stehen im Vordergrund. Caro Stark

Jandl, der 2000 verstorben ist, hat in „der raum – szenisches gedicht für tontechniker und beleuchter“ 51 Szenen geschrieben. „Das ist beinhartes Autorentheater“, stellt Kasimir fest. Diese Szenen würden zu einer Art „konkreten Dramatik“ werden – inhaltlich wird mit den „Versatzstücken“ Lichttechnik, Tontechnik und Nebel gearbeitet. Elemente, die im Theater wichtig seien, würden damit in den Vordergrund treten. Die Abwesenheit der Schauspieler bringe auch den Witz von Jandl auf den Punkt, sagt Kasimir. „Die Schauspieler fehlen, aber sie fehlen nicht.“ Damit sei „pure Kunst“ geschaffen worden, die sich an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Theater bewege.

Das Lichtdesign wird von Matthias Zuggal gestaltet, das Sounddesign von Paul Winter. Wobei Kasimir betont, dass es sich bei Letzterem nicht um Musik, um Kompositionen, sondern um Ton handle. „Es geht nicht ins Narrative“, schildert der Theatermacher. „Die Poesie des Abends entsteht aus den Elementen der Bühne.“ Minimal würden auch Videos eingesetzt – allerdings nur Beamer als Lichtquelle.
Premiere: Mittwoch, 16. März, 20 Uhr, Kulturhaus Dornbirn. Weitere Vorstellungen 19., 20. sowie 24., 25. und 26. Marz. www.unpop.at

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