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Es ist, wie es ist – sagen die Falten

13.03.2022 • 16:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Ich gebe es zu, ich versuche, äußerlich nicht ganz so schnell zu altern, wie mein Körper meint, dies tun zu müssen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das innere Bild meiner Selbstwahrnehmung mit der äußeren Realität nicht ganz konform geht. Ich fühl’ mich nicht so alt, wie ich aussehe. Deshalb versuche ich, – um meiner aufkeimenden Frustration Herr (oder besser gesagt „Dame“ zu werden), meinen Körper dabei zu unterstützen, sich gefälligst meinem emotional richtigen Alter anzupassen. Nun denn, es gibt diese kleinen Nadeln, die man sich über das Gesicht rollen kann, um die Haut zur Produktion von Auffüllzeug anzuregen. Oder Gesichtsgymnastik oder Masken mit Hyaluron (das ist im Übrigen ein Wort, welches ich jedes Mal aufs Neue googeln muss, um zu wissen, wie man es schreibt) oder Kapseln für die Haut, oder jetzt sitze ich gerade da, mit „getaptem“ Gesicht, weil das angeblich wie eine Drainage wirkt und ich dann wieder spritzig und weniger müd aussehe. Bedauernd muss ich zugeben, „des is ois a Kas!“ (grantig sein, lässt sich am besten auf wienerisch formulieren). Es gäbe noch die Möglichkeit, sich möglichst viel Schminke ins Gesicht zu kleben. Da gibt es unfassbare Videos im Netz zu finden, bei denen man mit der richtigen Verteilung von dunklem, hellem, rosafarbenem und grünem (!) Makeup sowie etwa 10 dag Liedstrich und 20 dag Lippenstift, das Ganze gekrönt mit Wimpern, die bis zu den Augenbrauen hochreichen, aussieht wie Kim Kardashian. Egal wie die Ausgangslage aussieht. Ist aber irgendwie auch nichts für mich. Ich hätte bei jedem Lachen Angst, dass mir versehentlich ein Brocken von der Wange fällt. Außerdem kostet das alles insgesamt so viel Lebenszeit, dass ich, währenddessen ich mich darauf vorbereite, nicht zu altern, einfach weiter altere, ohne dabei wirklich irgendetwas vom Leben genossen zu haben. Es bleibt wirklich nur eines übrig: Meiner 47-jährigen sogenannten Nasolabialfalte ein Willkommen auszusprechen und mich gleichzeitig auch dafür zu bedanken, dass es mir möglich war, in meinem Leben so viel zu lachen, dass sich so eine Falte entwickeln konnte. Danke auch an meine Zornesfalte, die ein Beweis dafür ist, dass ich oft genug mit zusammengekniffenen Augen in die Sonne sehen durfte. Außerdem hilft mir letztere dabei, den Ansagen an meine Teentöchter Nachdruck zu verleihen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn da brauche ich momentan jede Unterstützung, die ich bekommen kann. Und jetzt werde ich mir die blauen Tapes vom Gesicht kratzen, die jucken, und meine Töchter lachen Tränen.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.