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Kein Anspruch auf erfahrenen Arzt

14.03.2022 • 17:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Klägerin fordert 79.000 Euro Schadensersatz und 60.000 Schmerzengeld. <span class="copyright">Hartinger  <span style="background-color: rgba(111, 111, 111, 0.2); color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem;">(Symbolbild)</span></span>
Die Klägerin fordert 79.000 Euro Schadensersatz und 60.000 Schmerzengeld. Hartinger (Symbolbild)

Kein Recht auf Aufklärung über Eingriffe eines Operateurs.

“Der Patient hat keinen Anspruch darauf, vor Durchführung des operativen Eingriffs über die Anzahl der vom Arzt nach einer bestimmten Methode ausgeführten Operationen aufgeklärt zu werden.” Das stellte der Oberste Gerichtshof (OGH) in einem anhängigen Vorarlberger Arzthaftungsprozess klar.

Demnach musste der Neurochirurg die Patientin nicht darüber aufklären, dass sie erst die fünfte Patientin ist, bei der er 2015 in einem Vorarlberger Landeskrankenhaus selbstständig und ohne Anleitung eine Bandscheibenoperation nach der endoskopischen Methode vornahm. Damit bestätigte das Wiener Höchstgericht das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG), das meinte, ansonsten würden sich Patienten nur noch von erfahrenen Ärzten operieren lassen. Dann könnten neue Behandlungsmethoden nicht eingeführt werden, was die Weiterentwicklung der Medizin behindern würde.

OP mit Folgen

Bei der Bandscheibenoperation kam es zu einer Nervenverletzung, die wiederum zu Lähmungserscheinungen am rechten Bein der Patientin führte. Trotz mehrerer Nachoperationen werde seine Mandantin wohl lebenslang Medikamente gegen ihre Schmerzen einnehmen müssen, sagt ihr Anwalt.

Die Klägerin fordert im anhängigen Zivilprozess 79.000 Euro Schadenersatz, davon 60.000 Euro an Schmerzengeld. In der Klage werden Behandlungs- und Aufklärungsfehler ebenso behauptet wie eine verspätete Information über die Nervenverletzung und die Notwendigkeit von Nachoperationen.

Die Ärzte der beklagten Krankenhausbetriebsgesellschaft wären verpflichtet gewesen, die Klägerin über das höhere Risiko wegen der geringen Erfahrung des Operateurs mit der endoskopischen Methode aufzuklären, so der Klagevertreter.

OGH fand keine Fehler

Aber für den OGH liegen keine Nachweise für Behandlungs- oder Aufklärungsfehler vor. Die Nervenverletzung wurde als schicksalshafte Komplikation bewertet. Die Patientin habe im Aufklärungsgespräch vor der Operation keine Entscheidung über die offene oder endoskopische Methode getroffen. Die 1973 eingeführte endoskopische Methode sei nicht riskanter als die offene, erfordere jedoch noch mehr an Erfahrung des Operateurs.

Der Oberste Gerichtshof hat eine Fortsetzung des Verfahrens am Landesgericht Feldkirch angeordnet. Das Landesgericht wird dabei von seiner bisherigen Rechtsansicht abrücken müssen. Zunächst hatte das Erstgericht der Klägerin Schadenersatz zugesprochen, weil der Operateur über geringe Erfahrung verfügt habe.

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