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Weg von der Straße, hin zur Schiene

14.03.2022 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Weg von der Straße, hin zur Schiene
Der „Mobiler“ (l.) vereinfacht die Verladung von Gütern auf die Schiene. Hartinger

Das Land und ÖBB wollen den Güterverkehr ausbauen.

In Vorarlberg werden 88 Prozent der Güter auf der Straße transportiert, zwölf Prozent auf der Schiene. Um die CO2-Emissionen nach Vorgaben der EU bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren, sei es deshalb ein Gebot der Stunde, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, erklärten Verkehrs- und Umweltlandesrat Daniel Zadra (Grüne) und ÖBB-Chef Andreas Matthä gestern bei einer Pressekonferenz. Dazu seien große Baustellen in Planung, etwa für das zweite Gleis auf der Strecke Hard-Lustenau, so Zadra. Wichtig ist dem Landesrat auch eine Kostenwahrheit, die neben den Preisen für die Fahrt die Luft- und Umweltverschmutzung, den Lärm, die Gesundheitsbelastung und die Unfallhäufigkeit mitzählt. So verursache der Lkw 4,5 Cent an externen Kos­ten pro Tonnenkilometer, die Bahn hingegen 0,6 Cent, sagte Zadra, der gestern seine erste ­Pressekonferenz als Landesrat abhielt.

Ex- und Import wichtig

Sowohl Zadra als auch Matthä betonten, dass der Ex- und Import für Vorarlberg sehr wichtig sei und von hier aus hochwertige Produkte in die ganze Welt geliefert würden. Würde mehr davon auf die Schiene gebracht, könnte rasch und wirksam etwas gegen den Klimawandel gemacht werden. Damit würde sich gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen verbessern. ÖBB-CEO Matthä wird bei seinem jetzigen Vorarlberg-Besuch den Austausch mit der Wirtschaft und Industrie suchen und sie auf die Möglichkeiten und Vorteile der Schiene aufmerksam machen.

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ÖBB CEO Andreas Matthä in Wolfurt. Hartinger

Matthä bemängelte, dass es zwischen Straße und Schiene keine fairen Wettbewerbsbedingungen gebe, und nannte dazu zwei Beispiele: Auf der Schiene müsse für jeden Zentimeter Maut bezahlt werden, auf der Straße hingegen nur für die Autobahn. Die Straße zu einem Betrieb werde dem Unternehmer hingestellt und instandgehalten, während das Errichten einer Firmenanschlussbahn bisher nur zu 50 Prozent gefördert worden sei und die Wartung selbst bezahlt werden müsse. Letzteres sei auch mit ein Grund, weshalb von den 52 Gleisanschlüssen, die es vor zehn Jahren gab, heute nur noch 15 in Verwendung seien.

Nun gebe es aber neue Förderungen des Bundes für Anschlussbahnen, um deren Attraktivität zu erhöhen. „Mit einem Gleisanschluss wird ein Unternehmen wettbewerbsfähiger. Irgendwann wird es ein Standortfaktor sein, wie das Gut transportiert wird. Dann sind diejenigen im Vorteil, die bereits eine Anschlussbahn haben“, so Zadra.

Daniel Zadra bei seiner ersten Pressekonferenz als Landesrat.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Daniel Zadra bei seiner ersten Pressekonferenz als Landesrat. Hartinger

Neue Lösungen

Gerade für klein­strukturierte Firmen ist eine Anschlussbahn aber meist ein Ding der Unmöglichkeit, sei es wegen der Kosten, sei es wegen der geographischen Lage. Oft würden sie keine ganzen Züge benötigen, sondern nur einen Container oder eine Wagengruppe, so Matthä. Für diese Unternehmen wolle die ÖBB Rail Cargo verstärkt Tür-zu-Tür-Lösungen anbieten. Die Waren würden am Terminal Wolfurt mittels Kränen vom Lkw auf den Zug umgeladen. Es gebe aber auch eine neue flexible Behälterlösung namens „Mobiler“, für die kein Kran benötigt wird. Der kippbare Transportbehälter eigne sich für eine Vielzahl an Gütern, darunter Industrieprodukte, palettierte Waren, Schüttgüter oder Bauprodukte.

Potenzial für den Umstieg auf die Schiene sehen die ÖBB und das Land vor allem bei den sogenannten mineralischen Baurohstoffen, das sind Schotter und Erde. Würde hier der Umstieg gelingen, könnten 40.000 Lkw-Fahrten jährlich eingespart werden. Die Auslastung des Güterbahnhofs Wolfurt liegt zur Zeit bei 90 Prozent. Seine Kapazitäten sollen ausgebaut werden.

Güterbahnhof Wolfurt

Der ÖBB Güterterminal Wolfurt ist der wichtigste Güterverkehrsknoten in Westösterreich mit einer Terminalfläche von 106.000 Quadratmetern. Hier werden vor allem Container von Lkw auf die Bahn bzw. umgekehrt umgeschlagen. Täglich werden 40 Züge und 200 bis 240 Lkw abgefertigt.

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