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Zwei Generationen von Frauenleben

18.03.2022 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helga Pedross (links) und Maria Fliri stehen als Mutter und Tochter auf der Bühne. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Helga Pedross (links) und Maria Fliri stehen als Mutter und Tochter auf der Bühne. Caro Stark

dieheroldfliri.at zeigt ab 23. März in Feldkirch „Aberland“.

Bei den letzten Stücken hat die Theatergruppe dieheroldfliri.at der Autorin und Regisseurin Barbara Herold und der Schauspielerin Maria Fliri die Stücke immer selbst entwickelt. Das war jeweils mit aufwändiger und intensiver Recherchearbeit verbunden, erzählt Herold.

Für das neue Stück greifen die beiden nun auf einen Roman zurück, „Aberland“ von Gertraud Klemm. Von den Werken der 1971 in Wien geborenen und in Niederösterreich aufgewachsenen und heute lebenden Schriftstellerin sind sie schon länger begeistert. „Wir finden ihre Arbeiten großartig, weil sie Frauenthemen witzig und spritzig und ohne dogmatischen Feminismus behandelt, so die Regisseurin.

Mehrfach ausgezeichnet

Herold hat Klemm 2012 auch kennengelernt, als die Schriftstellerin den Harder Literaturpreis bekam. Mittlerweile sind eine ganze Reihe an Auszeichnungen dazu gekommen. 2015 stand „Aberland“ auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Fliri war es dann, die das Buch für eine Theaterproduktion ins Spiel gebracht hat, wobei es eine große Herausforderung war, es zu dramatisieren, erzählt Herold.

Der erste Versuch, mehrere Figuren auftauchen zu lassen und überall zu kürzen, brachte nicht das gewünschte Ergebnis: „Das war fad.“ Es erfolgte ein Neustart, bei dem das herausgenommen wurde, „was mich am meisten anspricht“, beschreibt Herold den Prozess.

Sarkasmus

Im Roman geht es um eine Mutter, Elisabeth, 58, und ihre Tochter, Franziska, 35. Abwechselnd erzählen die beiden gutbürgerlichen Frauen monologartig von ihrem Leben, das von Enttäuschungen, Frust und verpassten Gelegenheiten gekennzeichnet ist – mit Witz, aber auch Zynismus und Sarkasmus.

In der Theaterproduktion stehen nun die beiden Frauen auf der Bühne, die von Maria Fliri und Helga Pedross verkörpert werden. Die jeweiligen Ehemänner, das Kind der Jüngeren und Jakob, ein Mann, der für beide eine Rolle spielt, tauchen im Text auf, der monologisch bleibt, erzählt Herold. Nicht zuletzt, weil auch zwischen den Generationen kein Austausch stattfindet.

Fehlende Unterstützung

Die fehlende Unterstützung im Alltag der beiden Frauen ist ein zentrales inhaltliches Motiv. Da ist die Tochter, die ihre Dissertation mit dem Kind unterbrechen musste, eigentlich weitermachen möchte, allerdings will ihr Mann ein zweites Kind. „Wenn man Mutter und Ehefrau ist, ist es schwer, nur Frau zu sein oder sich beruflich weiterzuentwickeln“, sagt die Regisseurin dazu. Auch als liebende Mutter muss man auf vieles verzichten, weil die Unterstützung fehlt.

Bei der älteren Frau hätten sich diese Fragen nie gestellt. Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, merke aber auch sie, dass es eine Leere gibt. Die sie versuche, damit zu kompensieren, schön, sportlich usw. zu sein – während ihr mittlerweile pensionierter Mann sie immer noch betrügt. Auch Jakob, mehr Projektionsfläche als real, kann die Erwartungen und Hoffnungen nicht erfüllen.

Große Würfel

Gespielt wird dieses Mal nicht im Pool des Alten Hallenbades in Feldkirch, sondern im großen Raum im oberen Stockwerk. Das von Caro Stark gestaltete Bühnenbild besteht aus fünf Würfeln unterschiedlicher Größe, die sich ineinanderstecken lassen. Die Zuschauer sitzen auf beiden Seiten und sich somit gegenüber.

Es werden auch MikroPods verwendet, informiert Herold dann noch, „damit die Themen der Figuren ins Ohr kommen“ und es so zu einer „Innenschau“ werde. Im Foyer gibt es zudem eine Ausstellung des Bregenzer Mädchenzentrums Amazone.

dieheroldfliri.at: „Aberland“ nach dem Roman von Getraud Klemm . Premiere: Mittwoch, 23. März, 20 Uhr, altes Hallenbad Feldkirch. Weitere Termine unter www.dieheroldfliri.at

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