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Geflüchteter für Gerichte nicht tot

19.03.2022 • 21:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
2002 - auf dem See wurde damals "La Bohème" gespielt - verschwand der ehemalige Mitarbeiter. <span class="copyright">Hartinger</span>
2002 - auf dem See wurde damals "La Bohème" gespielt - verschwand der ehemalige Mitarbeiter. Hartinger

Ex-Festspiel-Mitarbeiter soll Geld veruntreut haben.

Seit 20 Jahren wird nach dem spurlos verschwundenen Vorarlberger mit internationalem Haftbefehl erfolglos gefahndet. Gegen ihn ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und der Veruntreuung anhängig. Der Beschuldigte steht im Verdacht, als Leiter der Personalverrechnung der Bregenzer Festspiele mehr als eine Million Euro veruntreut zu haben. 2002 ist der Vorarlberger, der seinen Job bei den Festspielen per 31. März 2002 gekündigt hat, untergetaucht. Ermittler gehen davon aus, dass er sich irgendwo im Ausland eine neue Identität zugelegt hat.

Drei Mal abgewiesen

Seine nach dem Tod der Mutter im Juli 2020 erbenden Geschwister haben für das Erbschaftsverfahren vergeblich beantragt, ihn gerichtlich für tot erklären zu lassen. Ihr Antrag wurde in allen drei Instanzen abgewiesen. Nun hat der Oberste Gerichtshof (OGH) ihre außerordentliche Revision zurückgewiesen.

Nach dem zuständigen Bezirksgericht und dem Landesgericht Feldkirch vertrat jetzt auch das Höchstgericht in Wien die Ansicht, dass der Gesuchte mit hoher Wahrscheinlichkeit noch lebe. Es lägen keine ernstlichen Zweifel am Fortleben des 1957 Geborenen vor. Voraussetzung für eine Todeserklärung sei die hohe Wahrscheinlichkeit des Ablebens des Vermissten. Es gebe aber keinen Hinweis für seinen Tod.

Strafverfahren

Gegen den Vorarl­berger, so die OGH-Richter, werde ein Strafverfahren geführt. Er sehe sich mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontiert. Vor seinem Verschwinden am 1. April 2002 habe er seine Liegenschaften und seine beiden Kraftfahrzeuge verkauft. Er habe sein Dienstverhältnis beendet und seinen Wohnsitz abgemeldet. Damit unterscheide sich sein Fall von jenem eines für tot erklärten Mannes, der sein Vermögen in Österreich belassen habe und und ohne erkennbares Motiv verschollen sei.

Nie mehr Kontakt

Die Vorarlberger Geschwister gaben an, auch sie hätten nie mehr Kontakt zu ihrem Bruder gehabt. Vor seinem Untertauchen habe er gesagt, es sei ihm zu kalt und zu eng in Vorarlberg, er gehe irgendwo hin, wo es wärmer sei. Ihr Anwalt argumentierte so: Es sei davon ausgegangen, dass der Verschwundene aufgrund seines hohen Vermögens und des Verkehrens in kriminellen sowie möglicherweise homosexuellen Kreisen in Asien und Amerika einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen sei. Zumal der Aufbau einer neuen Existenz, etwa mit der Fälschung von Ausweispapieren, die Unterstützung durch kriminelle Kreise voraussetze.