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Wenn Putin einmal Presswehen hätte…

20.03.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Salmhofer
Neue Kopfkino von Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

In Historikerkreisen munkelt man, dass die neolithische Revolution der größte Blödsinn war, den die Menschheit aufgeführt hat. Das mit dem Sesshaftwerden hat zu mehr Krankheiten, mehr Hunger und mehr Krieg geführt. Und wie wir mitbekommen, hat der Mensch sich als Gesamtkonzept davon noch immer nicht erholt. Ich würde es aber wagen, noch weiter zurückzugehen und zu behaupten, denjenigen oder diejenige, dem oder der eingefallen ist, man könne es doch einmal mit einem aufrechten Gang versuchen, sollte man 500 Mal an die Tafel schreiben lassen: „Ich gehe nicht auf zwei Beinen!“ Dabei ist nämlich – vor allem aus Frauensicht – nichts Gescheites herausgekommen. Jaja, die Männer freuen sich sakrisch darüber, dass sie jetzt im Stehen pinkeln können, aber wir haben im Gegenzug im wahrsten Sinne des Wortes „eine schwere Geburt“ bekommen. Aufrechtes Gehen bedeutet: schmales Becken für großen Kopf mit gro­ßem Hirn. Keinem Lebewesen außer der menschlichen Frau sind derartige Geburtsschmerzen beschert und bis heute sterben viele Frauen in ärmeren Ländern, wenn sie ihr Kind auf diese Welt bringen. Beim Durchstöbern von alten Vorarlberger Sterbebüchern finden sich viele Einträge von Frauen, die vor, während oder nach der Geburt ihres Kindes gestorben sind. Und ich weiß, auch mich hätte es ziemlich sicher vor 100 Jahren im Alter von 33 erwischt, und meine Tochter und mich gäbe es nicht. Womöglich wäre sogar ich nicht auf die Welt gekommen, denn auch ich war von Anfang an „a biz“ kompliziert. Was ich damit sagen will: Ich bin der Meinung, man muss den Frauen dieser Welt eine unglaubliche Hochachtung aussprechen. Den Müttern der Geschichte und jenen Frauen, die in Ländern ohne gute medizinische Betreuung leben, die trotz des Wissens, dass das ihr möglicher Tod sein könnte, Kinder auf die Welt gebracht haben und das weiterhin tun. Den Frauen der Zukunft, die diese Anstrengungen und diesen Schmerz immer wieder auf sich nehmen werden, weil daraus etwas Großartiges entsteht. Und wie kann man diese Frauen am besten ehren? Indem wir Menschen aufhören, uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, würde ich einmal gerade heraus behaupten. Ich finde, Putin (oder jeder andere diktatorisch veranlagte Menschenfeind und Mörder) sollte einfach einmal einen Schwangerschaftsbauch vor sich hertragen, Wehen bekommen, sein Gesicht Rot pressen und ein Kind zur Welt bringen. Dann reden wir darüber, was Stärke wirklich bedeutet. Nämlich Leben zu schenken und nicht zu nehmen. Das hätte unser aufrechter Gang verdient.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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