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So wirkt sich Senkung auf Stromrechnung aus

21.03.2022 • 21:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So wirkt sich Senkung auf Stromrechnung aus
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Preis für Energieanteil macht die Hälfte vom Strompreis aus.

Bis vor Kurzem machte der Preis für den Energieanteil nur ein gutes Drittel der Stromrechnung aus, die Haushalten ins Haus flatterte. Nach der Streichung der Ökostromabgabe und angesichts der geplanten Senkung der Elektrizitätsabgabe um 90 Prozent dürfte der Energieanteil wieder auf 50,5 Prozent des Gesamtpreises steigen, so Karina Knaus von der Österreichischen Energieagentur. Auf Netzkosten entfallen 27,7 Prozent der Gesamtkosten, auf Umsatzsteuer und Abgaben der Rest.

Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass die Senkung bei Ökostromzuschlag und Elektrizitätsabgabe für einen durchschnittlichen Wiener Stromkunden den Großteil der Preissteigerung wieder wettmachen. Bei Gas sei das anders, so Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsument:innen und Preise in der Energieagentur. Man müsse außerdem wohl davon ausgehen, dass es Anfang 2023 zu weiteren Gas-Preissteigerungen kommen wird, so Knaus im Gespräch mit der APA. Selbst wenn die Preise am Weltmarkt sich wieder beruhigen sollten, müssten die Energieunternehmen jetzt zu aktuell hohen Preisen einkaufen für Lieferungen im nächsten Jahr, das werde noch eine Weile in den Preisen zu spüren sein. Grundsätzlich seien die Unsicherheiten aber sehr groß, schränkt Knaus ein.

Rund 900 Millionen Euro an Entlastung

Die Absenkung der Energieabgaben auf Strom und Gas um 90 Prozent, befristet bis Ende Juni 2023, ist jedenfalls die größte Einzelmaßnahme im Entlastungspaket der Regierung. Das soll die Betroffenen um rund 900 Millionen Euro entlasten. Nutznießer sind Haushalte und kleinere Betriebe – die Großindustrie ist im Wesentlichen von diesen Abgaben befreit.

Auf den heimischen Stromverbrauch werden derzeit pro Kilowattstunde 1,5 Cent Elektrizitätsabgabe eingehoben. Bei Gas beträgt die Abgabe 6,6 Cent je Kubikmeter, das sind umgerechnet etwa 0,58 Cent pro Kilowattstunde, wobei je nach Luftdruck und Temperatur der Energiegehalt eines Kubikmeters Gas schwankt. Auf diese Abgaben werden noch 20 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen, wobei Großabnehmer allerdings von den Abgaben befreit sind. Sie profitieren daher nun auch nicht von der Absenkung. Ein sogenannter Durchschnittshaushalt mit 3500 kWh Strom- und 15.000 kWh Gasverbrauch hat bisher inklusive Mehrwertsteuer 63 Euro Elektrizitätsabgabe und 104 Euro Gasabgabe gezahlt. Sinken beide um 90 Prozent, beträgt die rechnerische Ersparnis für beides zusammen 150 Euro im Jahr.

Dazu komme noch die schon früher beschlossene Streichung des Ökostromzuschlags, der weitere 100 Euro Entlastung für einen Durchschnittshaushalt bringe. Mit zusammen 250 Euro könne ein Durchschnittshaushalt in Ostösterreich den aktuellen Anstieg der Energierechnung von etwa 300 Euro zu einem guten Teil abfangen, rechnete Johannes Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der E-Control, im “Mittagsjournal” vor. Im Westen Österreichs seien die Energiepreise noch kaum gestiegen, Mayer rechnet aber mit einem Anstieg im Laufe des Jahres.

Verbrauch und Entlastung

Haushalte verbrauchen etwa 15 TWh Strom und 17 TWh Gas, so Johannes Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der E-Control, zur APA.

Die dafür fälligen Energieabgaben inklusive Mehrwertsteuer betragen daher 270 bzw. 120 Millionen Euro, die Ersparnis in Summe 350 Millionen Euro im Jahr.

Damit bleiben nach Versprechen der Regierung für die Wirtschaft Ersparnisse von etwa 550 Millionen Euro, von denen vor allem Gewerbe und kleinere Betriebe profitieren. Vor allem beim Gasverbrauch gibt es wenige – rund 70 – Großabnehmer, die zusammen für etwa die Hälfte des österreichischen Gasverbrauchs verantwortlich sind.

Dazu gehören Gaskraftwerke und einige energieintensive Industriebetriebe von der Stahl- über die Feuerfest- bis zu Teilen der Papierbranche.

Gazprom hält Verträge ein, könnte aber mehr liefern

Energieexpertin Karina Knaus weist überdies darauf hin, dass die russische Gazprom zwar langfristige Lieferverträge habe, in den meisten davon aber Preisanpassungsklauseln enthalten seien, wodurch es mit den Weltmarktpreisen zu Schwankungen komme. Im Detail seien die Preise aber geheim. Und es sei auch auffällig, dass Gazprom teilweise in Europa den Bedarf aus den Speichern bedient habe und auch die Kapazität ihrer Pipelines bei Weitem nicht ausnutze, obwohl der Gaspreis derzeit so hoch sei. “Das ist schon eine Frage, warum man in diesem wirtschaftlichen Umfeld, wo die Preise so hoch sind, nicht mehr verkaufen möchte”, so Knaus.