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Öffentliches Geld für Ideen und Vernetzung

21.03.2022 • 19:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Standort der „CampusVäre“ auf dem Dornbirner Campus-V-Areal. <span class="copyright">NEUE Archiv</span>
Der Standort der „CampusVäre“ auf dem Dornbirner Campus-V-Areal. NEUE Archiv

CampusVäre stehen 700.000 Euro für zwei Jahre zur Verfügung.

Dieser Tage feiert die „CampusVäre – Creative Institute Vorarlberg GmbH“ mit Sitz in der Spinnergasse in Dornbirn auf dem Areal des Campus V ihren ersten Geburtstag. Dabei wurde im Rahmen einer eigens von der Dornbirner PR-Agentur ikp organisierten Pressekonferenz auch ein Rückblick auf ein zumindest nach eigenen Angaben „erfolgreiches Jahr 2021“ gewährt.

So habe „CampusVäre“ zwölf Projekte umgesetzt und rund 1000 Besucher auf das Campus-Areal gebracht. Es seien regionale und überregionale Netzwerke sowie Kooperationen zur inhaltlichen Standortentwicklung am Areal Campus V in Dornbirn aufgebaut worden, wie es heißt. Zudem wurde die Fahnen-Ausstellung „No Border, No Nation“ der Vorarlberger Künstlerin Andrea Salzmann in Dornbirn aufgestellt – eines der wenigen Projekte, die über das Campus-Areal hinaus einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangte. Darüber hinaus gab es drei „Creative Lunches“ in Ko­operation unter anderem mit der FH Vorarlberg und dem designforum Vorarlberg. Es wurden Impulsvorträge, Bedürfnis-Erhebungen in der Kreativ-Szene sowie Führungen durch die ehemaligen Sägenhallen durchgeführt.

Informierten kürzlich im rahmen einer Pressekonferenz:  Bürgemeisterin Andrea Kaufmann, Bettina Steindl (Geschäftsführerin CampusVäre), Margarita Köhl (FH Vorarlberg), Landesrat Marco Tittler (v.l.).  <span class="copyright">Schachenhofer</span>
Informierten kürzlich im rahmen einer Pressekonferenz: Bürgemeisterin Andrea Kaufmann, Bettina Steindl (Geschäftsführerin CampusVäre), Margarita Köhl (FH Vorarlberg), Landesrat Marco Tittler (v.l.). Schachenhofer

Sägerhallen als kreativer Hotspot

Jetzt gehe es ab 2022 unter anderem auch darum, die von der Stadt Dornbirn gekauften Sägenhallen (die ehemals F.M. Hämmerle gehörten) mit einer Nutzfläche von 12.000 Quadratmetern langfristig in einen kreativen Hotspot zu verwandeln – nach Vorbildern wie etwa dem MQ Wien. Die Rede ist sogar von einer „Werkstatt zur Entwicklung der Zukunft“. Im Zuge dessen werde man die „CampusVäre“ auch für Workshops, Rampengespräche, Lehrveranstaltungen, Kunst im öffentlichen Raum und „Creative Lunches“ öffnen, so Geschäftsführerin Bettina Steind.

700.000-Euro-Budget für zwei Jahre.

In die so bezeichneten „Erfolge“ im Jahr 2021 und in die Vorhaben im heurigen Jahr fließt jedenfalls ordentlich öffentliches Geld. So verfügt der Verein „CampusVäre“ respektive die dem Verein zuzurechnende „CampusVäre – Creative Institute Vorarlberg GmbH“ über ein Budget von 700.000 Euro für zwei Jahre, also über nicht ganz 30.000 Euro pro Monat. Die Anträge für zwei weitere Jahre an Förderungen sind bereits gestellt.

Der Löwenanteil dieser 700.000 Euro stammt aus öffentlichen Kassen, unter amderem aus Förderungen der Stadt Dornbirn und des Landes Vorarlberg. Zudem zahlen die fünf Vereinsmitglieder Stadt Dornbirn, Wisto (Wirtschafts-Standort Vorarlberg), WK Vorarlberg, IV Vorarlberg und F.M. Hämmerle jeweils 15.000 Euro. Im Budget enthalten sind auch noch etwas mehr als 30.000 Euro der beiden Campus-Gesellschaften II und V. Die erstgenannte Gesellschaft gehört der Stadt Dornbirn, dem Standortentwickler Pisma und dem Land Vorarlberg zusammen, die Letztgenannte zur Gänze der Prisma.

Die Fahnen-Ausstellung „No Border, No Nation“ der Vorarlberger Künstlerin Andrea Salzmann in Dornbirn, war  eines der wenigen Projekte, die über das Campus-Areal hinaus einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangte.<span class="copyright"> lamprecht</span>
Die Fahnen-Ausstellung „No Border, No Nation“ der Vorarlberger Künstlerin Andrea Salzmann in Dornbirn, war eines der wenigen Projekte, die über das Campus-Areal hinaus einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangte. lamprecht

„Sind nur inhaltliche Bespieler“

Mit diesen 700.000 Euro innerhalb von zwei Jahren wird allerdings keine einzige Steckdose installiert und keine Wand in den Sägenhallen neu gestrichen. „Wir sind nur die inhaltlichen Bespieler dieser Flächen, wir sind ein Teil des Campus V“, so Steindl im wpa-Gespräch. Man wolle dabei überregional vernetzen und die Bedürfnisse der Kreativ- und Innovativ-Szene erheben, um damit langfristig solche Unternehmen, Initiativen und Institutionen in die Sägenhallen zu bringen. Für immobilientechnische Belange, Umbauten und Mieten etc. sei dann die Stadtplanung der Stadt Dornbirn zuständig, sagte Steindl. Hier sind folglich darüberhinausgehende Investitionen notwendig.

Drei Mitarbeiterinnen

Von dem Geld werden übrigens auch die drei Mitarbeiterinnen der „CampusVäre“ namens Bettina Steindl (Geschäftsführung), Theresa Bubik (Projekte, Events) und Lisa-Maria Alge (Kommunikation) sowie deren Büroräumlichkeiten bezahlt. Sie waren zuvor im Rahmen der Bewerbung von Dornbirn und anderen Vorarlberger Städten und Regionen zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 tätig.

Prisma nur Randerscheinung

Kennern der Vorarlberger Wirtschaftsszene ist unterdessen eine bemerkenswerte Tatsache nicht entgangen. Denn der Standortentwickler Prisma, der Erfinder und Ideengeber des Campus V, ist bei „CampusVäre“ nur eine Randerscheinung. So findet sich kein Prisma-Vertreter in irgendwelchen „CampusVäre“-Gremien, auch die Pressekonferenzen finden ohne Prisma statt. Zudem ist das Unternehmen Prisma, das am Campus seinen Firmenstammsitz hat, kein Vereinsmitglied und kein direkter Förderer. Lediglich über die Campus-Gesellschaften II und V fließt indirekt auch Prisma-Geld in die „CampusVäre“.

Denkwürdige Aussage

Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann sagte bei der Pressekonferenz vergangene Woche sinngemäß: „CampusVäre“ sei insofern spannend, als dass bei dem Projekt, in das die öffentliche Hand hier investiere, kein konkretes Ziel innerhalb einer bestimmten Zeit vorgegeben sei. In Zeiten explodierender Schuldenstände bei Bund, Ländern und Gemeinden in Österreich ist das jedenfalls eine denkwürdige Aussage.

Günther Bitschnau/wpa

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