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In Feldkirch 50 Prozent der OP‘s verschoben

22.03.2022 • 19:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Dietmar Mathis Fotografie</span>
Dietmar Mathis Fotografie

Schwierigste Situation in Spitälern seit Pandemiebeginn. Zehn Prozent der Mitarbeiter fallen aus.


Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG), redete bei der gestrigen Pressekonferenz nicht lange um den heißen Brei herum, sondern berichtete sogleich: „Wir hatten in der Pandemie noch nie eine so herausfordernde Situation.“ Er sprach von dramatischen Personalausfällen, dramatischen Leistungseinschränkungen und dramatischer Personalbelastung. Rund 400 Mitarbeitende aller Vorarlberger Krankenhäuser können zurzeit Coronabedingt nicht arbeiten, dazu kommen 200 andere Krankenstände. Bei 6000 Mitarbeitern in allen Spitälern sind das zehn Prozent, die ausfallen. Und zwar nicht nur im klinischen Bereich, sondern auch in der Verwaltung, Technik, Küche oder Kinderbetreuung.

Dienstplan stündlich anpassen

Besonders betroffen davon ist das LKH Feldkirch, wo etwa 15 Prozent der Belegschaft zurzeit ausfällt. Am Montag wurde dort das OP-Programm für eine Woche über alle medizinischen Fächer hinweg um 50 Prozent reduziert. Einzelne Betten und Abteilungen wurden geschlossen. Am LKH Rankweil gibt es in der Neurologie Einschränkungen, im LKH Bregenz könnten vor allem in kleinen Abteilungen Leistungseinschränkungen kurz­fristig notwendig werden. Die Krankenhäuser in Bludenz, Hohenems und Dornbirn melden noch keine Beeinträchtigungen des Regelbetriebes.

Belastung für alle

Operationen zu verschieben bedeute immer eine Belastung, sagte Wolfgang J. Hofmann, Leiter der Abteilung für Gefäßchirurgie und OP-Koordinator am LKH Feldkirch. Sowohl für die Betroffenen und deren Angehörige als auch für das Krankenhauspersonal. Vor allem jene Mitarbeitenden, die telefonisch über Absagen oder Verschiebungen informieren müssen, stünden unter Druck. „In Einzelfällen können Eingriffe nun schon zum dritten Mal nicht wie geplant stattfinden“, verdeutlicht Hofmann die Situation.
Er betont aber auch: „Die Versorgung akut bedrohter Patienten ist nach wie vor absolut gesichert.“ Verschoben würden ausschließlich planbare Eingriffe wie zum Beispiel Operationen eines Leistenbruches oder von Krampfadern. Der Mediziner appellierte bei der Pressekonferenz an die Betroffenen, noch vier bis fünf Wochen durchzuhalten, danach werde man die versäumten Operationen wieder aufholen. Dass dies gelinge, sei bereits unter Beweis gestellt worden, so Hofmann: 2019, im Jahr vor Pandemiebeginn, seien an den Landeskrankenhäusern 38.000 OPs durchgeführt worden, im Pandemiejahr 2020 mit 37.000 Eingriffen fast gleich viele.

Hohe Solidarität

DGKP Jürgen Zengerle, Bereichsleitung Pflege, Innere Medizin am KH Dornbirn, sprach bei der Pressekonferenz davon, dass alle müde und am Anschlag seien. Nichtsdestotrotz: „Ob Nachtdienst, langer Tagdienst oder Wochenenddienst: die Bereitschaft der Mitarbeitenden, die Ausfälle abzufedern, ist nach wie vor unglaublich groß. Von dieser Solidarität, von dem starken Miteinander, auch zwischen Abteilungen und Häusern, profitieren wir immens.“ Es bedürfe weiterhin eines Kraftaktes, bei dem alle zusammenhalten, so Zengerle. Dann werde man diese schwierige Zeit bewältigen.

Wolfgang J. Hofmann, OP-Koordinator am LKH Feldkirch <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Wolfgang J. Hofmann, OP-Koordinator am LKH Feldkirch Klaus Hartinger

Hilft Spitälern am meisten

KHBG-Direktor Fleisch richtete auf der Pressekonferenz schließlich drei Bitten aus: dass die Mitarbeiter – und auch deren Familien – durchhalten, dass die Patienten und Angehörigen Verständnis für das Verschieben von Operationen hätten und dass trotz der „vermeintlich milden Omikron-Variante“ nicht alle Vorsicht über Bord geworfen werde. „Unabhängig der rechtlichen Vorgaben kann jeder sich und andere vor Corona schützen: indem Maske getragen und Abstand gehalten wird und indem die Hände desinfiziert werden“, sagte Fleisch. So könne man den Spitälern zurzeit am meisten helfen.

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