Allgemein

Eine betörende Endzeitstimmung

23.03.2022 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„DUSTribute“ von Robert Kusmirowski im Kunstraum Dornbirn.         <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Philipp Steurer</span>
„DUSTribute“ von Robert Kusmirowski im Kunstraum Dornbirn. Philipp Steurer

Im Kunstraum Dornbirn wird heute Abend die großartige Ausstellung „DUSTribute“ eröffnet.

Andrei Tarowskis „Stalker“ von 1979 ist ein Klassiker der Filmgeschichte. Darin führt ein „Stalker“, hier als Ortskundiger verstanden, Suchende durch eine gefährliche verbotene Zone, um in den „Raum der Wünsche“ zu gelangen, in dem alle Wünsche erfüllt werden. Dieser Film liegt der Installation „DUSTribute“ von Robert Kusmirowski zugrunde, die der 1973 im polnischen Lodz geborene Künstler für den Kunstraum Dornbirn geschaffen hat.


Eine düstere, unheimliche Endzeitatmosphäre beherrscht in dieser Ausstellung die alte Montagehalle – verstärkt durch dumpfe Töne. Sandhügel füllen nahezu den kompletten Raum, abgesperrt sind sie durch einen Stacheldrahtzaun. Eine menschliche Figur, gut eingepackt und mit Gasmaske, steht in dieser unwirklichen, postapokalyptischen Szenerie. Neben ihr eine alte Maschine, deren Funktion nicht ersichtlich ist. Im Hintergrund ist eine alte Holzbaracke, aus deren Fenster Licht nach außen dringt. Ob es ein Zeichen menschlichen Lebens ist oder Schauplatz einer Katastrophe, lässt sich nicht ausmachen.

Eine Gefahr suggerierende menschliche Figur ist in der Installation.     <span class="copyright">Steurer</span>
Eine Gefahr suggerierende menschliche Figur ist in der Installation. Steurer

Packend

Robert Kusmirowski hat eine packende, überaus beeindruckende Arbeit geschaffen, die den nicht einfach zu bespielenden Raum in einer perfekten Art und Weise Teil der Installation werden lässt. Es ist eine postindustrielle, unheimliche Situation, die sich da präsentiert. Aber nicht nur inhaltlich kann das Werk, das den Betrachterinnen und Betrachtern einen großen Assoziationsspielraum lässt, überzeugen. Auch ästhetisch ist „DUSTribute“ äußerst ansprechend.


Drei Projekte hatte der Künstler den Kunstraum-Verantwortlichen vogeschlagen, wie er sagte. Das nun realisierte war bei Weitem das komplizierteste, erzählt er. Tarkowskis Film sei weder romantisch, noch gebe es da Glück, aber er enthalte Wissen über den Zustand der Menschheit und die Geschichte, so Kusmirowski, der sich in seinen Installationen häufig auf die Vergangenheit bezieht. Angesichts gegenwärtiger Kriegsbilder kann seine Arbeit im Kunstraum aber auch erschreckend aktuell gesehen werden.

Zeichnung

Angefangen hat Robert Kusmirowski allerdings mit der Zeichnung und das hat ganz persönliche Gründe, die mit seiner Biographie zusammenhängen. Seiner Mutter war damals geraten worden, das Kind nicht zu bekommen, weil ihr Leben und das des Babys in Gefahr wären, erzählt Kunstraum-Kurator Thomas Häusle. Sie hat sich trotzdem dazu entschlossen, das Baby kam mit Erkrankungen auf die Welt und musste Jahre im Spital verbringen. Gegen die Langeweile begann der Bub, der aus einem industriellen Arbeitermilieu im ländlichen Polen stammt, zu zeichnen – gegen den Willen seiner Eltern, die seine Zeichnungen vernichteten.
Um gegen seine Erkrankungen anzukämpfen, fuhr Kusmirowski später Rennrad auf Spitzenniveau und konnte damit wirklich zu einem „robusten Menschen“ werden. „Er hat von der ersten Sekunde an ums Überleben gekämpft“, sagt Häusle über den sympathischen Künstler, der in der Folge Kunst studiert hat, damit der erste Akademiker seiner Familie wurde, und heute an einer polnischen Kunstuniversität unterrichtet.

Der polnische Künstler Robert Kusmirowski.     <span class="copyright">Steurer</span>
Der polnische Künstler Robert Kusmirowski. Steurer

Nachbau

Von der Zeichnung hat sich Kusmirowski allerdings weitestgehend entfernt. Mittlerweile sind es installative Werke, die den Großteil seiner Arbeiten bilden. Dabei baut er häufig Dinge nach, die aber mehr als nur eine Kopie sind. Vielmehr macht er sich diese zu eigen und reichert sie um eigene Erfahrungen, Gedanken und Erlebnisse an. Zugleich eignet er sich beim Nachbau auch handwerkliche Fähigkeiten an, da seine Installationen häufig mit körperlicher Arbeit verbunden sind.


„DUSTribute“ im Kunstraum Dornbirn ist auf jeden Fall eine kluge, atmosphärisch dichte, sinnliche und „schöne“ Arbeit. Sie erzählt Geschichten und stellt Fragen – die Antworten darauf muss wohl jeder und jede selber finden.

Im Hintergrund steht die alte Holzbaracke.    <span class="copyright">Steurer</span>
Im Hintergrund steht die alte Holzbaracke. Steurer

Vernissage „DUSTribute“ von Robert Kusmirowski: Heute, 20 Uhr, Kunstraum Dornbirn. Morgen, Freitag, 15 Uhr: Künstlergespräch. www.kunstraumdornbirn.at

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.