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13 Jahre Haft nach versuchtem Mord

28.03.2022 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte beim Prozessauftakt am 17. März.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Der Angeklagte beim Prozessauftakt am 17. März. Hartinger

24-Jähriger stach im April 2021 Fußgänger­in Messer in den Rücken.

Sechs der acht Geschworenen werteten die Messerattacke als versuchten Mord. Und alle Laienrichter waren der Ansicht, dass der Angeklagte bei der Tatbegehung zurechnungsfähig war. Wegen Mordversuchs wurde der mit zwei Vorstrafen belastete Untersuchungshäftling am Montag in dem Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Zudem wurde der als psychisch beeinträchtigt und gefährlich eingestufte 24-Jährige in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Als Teilschadenersatz hat der Arbeitslose dem Opfer 2080 Euro zu bezahlen.

Drei Tage Bedenkzeit

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Denn der Angeklagte und Staatsanwältin Konstanze Manhart nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen betrug 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft. Verteidiger Stefan Huchler beantragte vergeblich einen Schuldspruch nur wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung mit einer Strafdrohung von ein bis zehn Jahren Gefängnis.

Auf dem Heimweg von der Arbeit

Der Harder stach am Abend des 11. April 2021 in der Harder Landstraße im Vorbeifahren mit seinem Rad einer 28-jährigen Fußgängerin von hinten ein Küchenmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge vier Zentimeter tief in den Rücken. Die Passantin, die sich nach der Arbeit auf dem Heimweg befand, hatte Glück und kam körperlich mit leichten Verletzungen davon.

Aus Rache an Frauen

Der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rabl sagte aber, es sei ein Zufall gewesen, dass nicht wenige Zentimeter daneben eine Stelle getroffen worden sei, an welcher der Brustraum mit Herz und Lunge eröffnet worden wäre. Dann hätte der Messerstich auch tödlich enden können, berichtete der Sachverständige. Der Angeklagte habe es in Kauf genommen, dass sein Opfer sterben könnte, meinte Staatsanwältin Manhart. Aus Rache an Frauen, die ihn in seinem Leben seelisch verletzt hätten, habe der Arbeits- und Obdachlose auf die ihm unbekannte Frau eingestochen. Der Angeklagte gab zu Protokoll, er habe die Frau nur verletzen und nicht töten wollen.

Jahrelanger übermäßiger Cannabiskonsum

Gerichtspsychiater Reinhard Haller sagte, der Angeklagte sei zur Tatzeit eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen. Er sei psychisch beeinträchtigt wegen seines jahrelangen übermäßigen Cannabiskonsums und seines Hyperaktivitätssyndroms. Ohne therapeutische Behandlung sei er gefährlich. Als Psychiatriepatient habe er Mordfantasien gegen Frauen geäußert.

Tatsachengeständnis

Mildernd wertete das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Richard Gschwenter das Tatsachengeständnis, die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit und den Umstand, dass es beim Mord beim Versuch geblieben ist. Erschwerend wirkte sich aus, dass der Angeklagte vorbestraft ist und bei der Tat eine Waffe verwendet hat. Und dass die Tatbegehung heimtückisch erfolgt ist. Von hinten habe er auf eine ahnungslose Frau eingestochen, so Geschwenter.

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