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Uni St. Gallen expandiert ins Ländle

29.03.2022 • 21:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Regierungen von Vorarlberg und des Kantons St. Gallens haben sich in Bregenz getroffen. <span class="copyright">VLK</span>
Die Regierungen von Vorarlberg und des Kantons St. Gallens haben sich in Bregenz getroffen. VLK

Absichtserklärung für eine Kooperation zwischen Land und Hochschule St. Gallen unterzeichnet.

Die Zusammenarbeit in Sachen Forschung und Wirtschaft zwischen dem Land Vorarlberg und dem Kanton St. Gallen wird intensiviert. Dazu haben sich Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und der St. Galler Regierungspräsident Marc Mächler am Dienstag im Vorfeld eines gemeinsamen Regierungstreffens bekannt.

Sie unterzeichneten zudem eine Absichtserklärung, die den Weg für eine Kooperation des Landes mit der Hochschule St. Gallen (HSG) frei macht. Ziel ist es, ein Institut der Hochschule mit Fokus auf die Digitalisierung in Vorarlberg einzurichten. Mit der Erklärung hätten die politisch Verantwortlichen grünes Licht dafür gegeben, dass die HSG einen Schritt über die Grenze setze, erläuterte der Landeshauptmann.

Dornbirn als Standort

An der Universität St. Gallen werde intensiv in den Bereich Computer-Sciences investiert. Das Land Vorarlberg docke hier mit dem geplanten HSG-Institut an. Die Details bezüglich der Forschungsschwerpunkte und der konkreten Vereinbarung mit der HSG würden derzeit im Hintergrund erarbeitet. Angesiedelt werden soll die Einrichtung möglichst am Campus V in Dornbirn, meinte Wallner. Denn dort werde bereits jetzt Forschung im Bereich der Digitalisierung betrieben. In Sachen Finanzierung sei eine Summe von jeweils einer Million Euro pro Jahr über die nächsten zehn Jahre vorgesehen. Die Hälfte davon soll aus Drittmitteln aus der heimischen Wirtschaft stammen, sagte der Landeshauptmann. Wenn sich die Einrichtung dann etabliert habe, werde man sehen, wie es weitergeht. Die HSG sei jedenfalls eine der „stärksten Hochschulen Europas“ und habe für den Gesamtstandort im gemeinsamen Rheintal eine besondere Bedeutung, betonte er.

Landeshauptmann Markus Wallner (links) und Regierungspräsident Marc Mächler unterzeichneten den "Letter of Intent". <span class="copyright">VLK/Daniel Furxer</span>
Landeshauptmann Markus Wallner (links) und Regierungspräsident Marc Mächler unterzeichneten den "Letter of Intent". VLK/Daniel Furxer

Der St. Galler Regierungspräsident Mächler zeigte sich erfreut über den Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die geplanten Schritte erforderten „Mut, Weitsicht und Engagement“. Das geplante HSG-Institut in Vorarlberg sei ein weiterer wichtiger Schritt in dieser Sache. Die Hochschule St. Gallen sei „eine Perle im Bereich der Wirtschaftswissenschaften“, meinte der Regierungspräsident. Mit der Beschäftigung mit Digitalisierungsfragen wage man sich nun erstmals auch in den Bereich der Naturwissenschaften vor.

Weiterentwicklung

Weiterentwicklung. Man sei schon seit Jahren bemüht, die Kooperation über die Staatsgrenzen hinaus zu intensivieren, betonte Mächler. Schließlich sei auf Initiative des Kantons St. Gallen der Metropolitanraum Bodensee ins Leben gerufen worden (siehe Factbox). Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen HSG und Land Vorarlberg sei ein wichtiger Meilenstein bei der Weiterentwicklung der Region. Wünschenswert wäre es aus Sicht des Regierungspräsidenten auch, dass über die Partnerschaft eine aktive Zusammenarbeit mit der heimischen Wirtschaft entsteht. So gebe es gute Optionen, Forschungsprojekte mit Praxisbezug gemeinsam durchzuführen.

Startschuss fiel im Februar 2020

Die Charta zum „Metropolitanraum Bodensee“ ist am 19. Februar 2020 von Vertretern des Landes Vorarlberg und des Kantons St. Gallen im Bregenzer Landhaus unterschrieben worden. Ziel sei, die Sichtbarkeit der Region zu erhöhen, erklärte Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) damals den Zweck dahinter. Auf österreichischer wie auf Schweizer Seite erhoffte man sich dadurch auch mehr finanzielle Zuwendungen.

Der Begriff „Metropolitanraum“ ist eine Kategorie im Schweizer Raumkonzept. Derzeit sind fünf solcher Räume definiert, die vom Bund verstärkt gefördert werden – die Ostschweiz gehört nicht dazu, sie werde in dem Konzept als „schöne Landschaft mit sanften Hügeln“ beschrieben, erklärte der St. Galler Regierungsrat Marc Mächler. Die Wirtschaftskraft der Region werde in Bern nicht entsprechend wahrgenommen. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll sich das ändern: Ziel auf Schweizer Seite ist es, dass der „Metropolitanraum Bodensee“ bei der Überarbeitung des eidgenössischen Raumkonzepts als sechster Schweizer Metropolitanraum anerkannt wird. Durch die Kooperation wolle man auch die Region nach innen stärken und Interessen bündeln, erklärte Tittler.

In der gestern unterzeichneten Absichtserklärung beziehen sich die Unterzeichner auf die 2020 unterzeichnete Charta zum Metropolitanraum Bodensee. Die Region verfüge über ein einzigartiges Potenzial, „das durch geeignete Kooperationen erschlossen und gestärkt werden kann“, heißt es in dem „Letter of Intent“. Daraus leite sich auch ein Interesse zur verstärkten Zusammenarbeit im Hochschulbereich ab. Die Vereinbarung zwischen dem Land und der HSG sei dabei ein erstes konkretes Projekt. Aufbauend darauf könnten später weitere Projekte im Hochschulbereich folgen.

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