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Pralle Vielfalt künstlerischen Schaffens

31.03.2022 • 19:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Arbeit von Karin Ferrari im Dachgeschoß.    <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Arbeit von Karin Ferrari im Dachgeschoß. Hartinger

Drei Ausstellungen sind derzeit im Künstlerhaus in Bregenz zu sehen.

Gleich drei Ausstellungen sind derzeit im Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis in Bregenz zu sehen. Das Format „… im Erdgeschoss“, in dem Unfertiges, Verworfenes oder nicht Realisiertes mit häufigen Wechseln gezeigt wird, bespielt nur noch bis heute der Bregenzer Lukas Weithas. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Bregenzer Mittelschule Schendlingen hat er ein partizipatives Kunstprojekt umgesetzt.


Eine Mauer aus Metallgittern soll zum Kommunikationsraum werden, der von den Schülerinnen und Schülern gestaltet werden kann oder wo etwa auch beschriebene Zettel hineingeworfen werden können. Das Objekt wird anschließend auf dem Schulgelände aufgestellt. Dazu zeigt Weithas im Künstlerhaus noch ein zweiteiliges Gemälde.

Der "Kommunikationsraum" von Lukas Weithas.    <span class="copyright">Hartinger</span>
Der "Kommunikationsraum" von Lukas Weithas. Hartinger

„Liminal Creatures“ (in etwa: Grenzwesen, Anm.) ist der Titel der von Marlene A. Schenk und der Vorarlbergerin Selina Reiterer kuratierten Gruppenschau im ersten Stock und im Dachgeschoss des Hauses. Neun Künstler und Künstlerinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigen dabei Werke, in denen es im weitesten Sinn um Rituale, Zeremonien und das kulturelle Gedächtnis geht.


Stefanie Kägi hat dafür eine aufwendige Wandbemalung geschaffen, die sie in zahlreichen Arbeitsschritten mit immer wieder Abkleben erarbeitet hat. Hier wird, wenn man so will, das Prozesshafte zum Rituellen. Von Marianne Müller sind schwarz glasierte Keramiken zu sehen, die die Titel „Phantom“ tragen. Maximilian Aicher zeigt Acrylmalerei auf Polyester – zwei Bilder, die durch die Arbeitsweise collagenhaft wirken.

Arbeiten von Stefanie Kägi und Marianne Müller.  <span class="copyright">Hartinger</span>
Arbeiten von Stefanie Kägi und Marianne Müller. Hartinger

Selina Reiterer ist mit einer „Popcorn-Installation“ vertreten. Maiskörner, Popcorn, eine Platte, die erhitzt werden kann, und rundherum Steine mit Kerzen bilden das Ensemble. Im selben Raum wird Bernhard Garnicnigs Videoarbeit „Pop Chakra Meditation“ gezeigt, psychedelische Bilder mit dazu passender Musik. Lena-Elise Aicher arbeitet mit Holz und Kunststoff. Während ihre auf Kunststoffkegeln stehende Holzskulptur eher ein wenig unscheinbar ist, wirken die an der Wand hängenden Rahmen-Objekte umso präsenter und spannender: schwarze, aus Kunststoff, Glas, Holz und Bast bestehende Arbeiten, die auch ästhetisch überzeugen.

Eines der Rahmenobjekte von Lena-Elise Aicher.   <span class="copyright">Hartinger</span>
Eines der Rahmenobjekte von Lena-Elise Aicher. Hartinger

Von Gregory Hari sind eine kleine, schwarz bemalte Holzskulptur sowie ein großes Bild mit einem schwarz gemalten Teil eines Gesichts zu sehen –entstanden während eines Artist-in-Residence-Aufenthalts in Südafrika. Im Gegensatz zum in der Ausstellung häufig vorhandenen Schwarz wird es bei Dominika Bednarsky sehr bunt. Bei ihr wird Essen zum Ritual, in Form einer farbenfrohen Keramik mit vielen Früchten und einigen Tieren.

Bis in den Himmel

Spannend ist es im Dachgeschoß, wo sich Karin Ferrari mit der Architektur von New Yorker Wolkenkratzern auseinandersetzt, deren Dächer in den Himmel ragen. Sie hat dafür zahlreiche Drucke von Bildern von Gebäuden an die Wand geklebt, dazwischen finden sich Tusche-Zeichnungen und ein Video, eine Gothic Novel über pseudo-sakrale Architektur.

Arbeiten von Brittany Tucker (l.) und Paria Shahrestani.  <span class="copyright">Hartinger </span>
Arbeiten von Brittany Tucker (l.) und Paria Shahrestani. Hartinger

Der Keller des Hauses wird im Rahmen des Formats „Zur Zeit“ wieder von Studierenden bespielt. Dieses Mal sind es Studentinnen und Studenten der Zeichenklasse von Veronika Dirnhofer an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wobei Zeichnungen kaum vorhanden sind. Vielmehr wird ein erfrischender Mix aus verschiedenen Techniken und Materialien präsentiert.

Brittany Tucker hat gezeichnet und gemalt und damit eine ganze Wand gefüllt. In ihren Arbeiten verarbeitet sie persönliche Erlebnisse, Gedanken und Erfahrungen. Die erst 18-jährige Paria Shahrestani steuert zwei großformatige Öl-Acryl-Bilder auf Transparentpapier bei. Witzige Objekte aus Kissen und Handtüchern hat Maria Hummer kreiert, Marielle Lehner zeigt Malerei mit Graffiti-Charakter, auf der als Motiv immer wieder mal eine Ziege auftaucht. Das Video einer Performance und rote Textilobjekte sind von Sophia Davislim zu sehen, Video und Skulpturen von Jannis Neumann, der sich mit dem Thema Abholzung auseinandersetzt.

Politiker-"Starschnitte" von Leonard Alberti.    <span class="copyright">Hartinger</span>
Politiker-"Starschnitte" von Leonard Alberti. Hartinger

Rasmus Richter, Nico Schleicher und Simon Ranum stellen jeweils eigene Werke aus und eine gemeinsame Skulptur, Daniel Leiter eine Videoarbeit. Leonard Alberti hat lebensgroße „Starschnitte“ von Spitzenpolitikern geschaffen, die er mit Kaffee ummalt hat, Putin ist dabei mit umgedrehtem Kopf zu sehen. In eine große Netzskulptur von Elisa Schober und Hannah Parth kann man sich hineinlegen, sie ist Schutz, Kokon und zugleich offen. Malerei gibt es dann noch von Susanna Maila.


Das Haus wird einmal mehr vom Keller bis zum Dachboden genutzt, um die Vielfalt künstlerischen Schaffen zu zeigen und dabei lässt sich einiges Spannendes entdecken.

Bis 1. Mai. Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonn-, Feiertag, 11 bis 17 Uhr. www.kuenstlerhaus-bregenz.at

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