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Corona ist ein Mistvieh: Eine Selbsterkenntnis

03.04.2022 • 12:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Das mit den Verträglichkeiten von Krankheiten verändert sich mit zunehmendem Alter und dem damit einhergehenden Sinken meines Östrogenspiegels. Jede kleine Erkältung tendiert kontinuierlich in Richtung Schweregrad eines Männerschnupfens. Ich könnte glatt anhand einer Eigenstudie feststellen: Jedes neu entdeckte Barthaar ist konkomitierend mit einem gesteigerten Schmerzempfinden. Als Kind habe ich mich noch mit Fieber um die 40 Grad fröhlich mit meinen Halluzinationen unterhalten. Wenn Goofy und Micky Maus ein Wettrennen um meine Zimmerlampe veranstaltet haben, war mir das ein Fest. Vier Jahrzehnte später liege ich mit 37,5 Grad im Bett und weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Am allerliebsten würde ich die Rettung anrufen. Aber immerhin habe ich noch so viel Verstand, dass so ein Telefonat mich der Lächerlichkeit preisgeben würde. Also bleibe ich standhaft. Im Bett.

Corona hat mich jetzt seit mehr als einer Woche in seinen fiesen Virusklauen und – wie sagt man so lieb – zeigt mir, „wo da Barthel da Moscht holt“. Was war ich doch inzwischen überzeugt davon, dass ich mich nicht anstecken werde! Während der ganzen Pandemie habe ich schon mindestens fünf Fake-Ansteckungen als sogenannte K1-Person in Quarantäne durchlebt. Sprich, sämtliche in den Zeitungen aufgelistete Symp­tome einfach einmal abgearbeitet, ohne ertesteten Grund. Irgendwann hab ich mir dann gesagt, dass das so nicht weiter gehen kann. Ich habe den „Ich stecke mich immer an“ – Gedankengang in eine „Ich stecke mich nie an“ – Überzeugung umgewandelt. Mit stolz geschwellter Brust ob meiner Einzigartigkeit bin ich also durch die Gegend gegockelt. Im Caféhaus im Gespräch mit einem Kollegen hab ich noch ein lächelndes „Ich glaub, ich komme nicht dran!“ hinausposaunt, und am Abend bin ich schon leidend mit Keuchhusten und Gliederschmerzen im Bett gelegen. Am nächsten Tag sind meine Tochter und ich mit positivem Testergebnis nach Dornbirn gefahren und haben uns diesbezüglich noch die offizielle Bestätigung geholt. Dann bin ich fünf Tage jammernd im Bett gelegen, während meine Töchter die Netflix-Freiheit genossen haben. Daraus ergibt sich folgendes Memo an mich: Überschätze dich nie selbst, deine eigene Wehleidigkeit wird dich eines Besseren belehren. Memo zwei: Corona ist ein Mistvieh! Sei unglaublich dankbar um den moderaten Verlauf. Und Memo drei an mich: Ich werde auch in einer Zombie-Apokalypse wohl nicht die heldenhafte einzige Überlebende sein.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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