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Zollabfertigung wird neu aufgestellt

08.04.2022 • 20:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner, Finanzminister Magnus Brunner und die Leiterin des "Zollamt Österreich" Heike Fetka-Blüthner. <span class="copyright">VLK/Sams</span>
Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner, Finanzminister Magnus Brunner und die Leiterin des "Zollamt Österreich" Heike Fetka-Blüthner. VLK/Sams

Zollstelle in Wolfurt laut Finanzminister in einem baulich bescheidenen Zustand.

Ein zweistelliger Millionenbetrag soll in den kommenden Jahren investiert werden, um die Zollabfertigung in Vorarlberg effizienter zu gestalten und zu modernisieren. Ab 2024 soll das Ende der „Zettelwirschaft“ eingeläutet werden. Bis 2027 soll der Prozess vollständig abgeschlossen sein, berichteten Finanzminister Magnus Brunner, Landeshauptmann Markus Wallner, Landesrat Marco Tittler (alle ÖVP) und Heike Fetka-Blüthner, Vorständin des „Zollamt Österreich“ bei einer Pressekonferenz in Wolfurt.

Ein Viertel aller Abfertigungen

Das beim dortigen Güterterminal angesiedelte Zollamt spielt bei den Bemühungen eine zentrale Rolle. Dieses ist das einzige seiner Art in Österreich, das an einer EU-Außengrenze angesiedelt ist und ein Viertel aller bundesweiten Zollabfertigungen durchgeführt. In Wolfurt werden die Formalitäten sowohl für Österreich als auch die Schweiz durchgeführt. Die Lkw werden dann auf die Zollgrenzstellen Höchst-St. Margrethen, Lustenau-Au, Hohenems-Diepoldsau und Mäder-Kriessern verteilt.

Für die Sanierung des Zollamts wird heuer ein Grobkonzept erstellt. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Für die Sanierung des Zollamts wird heuer ein Grobkonzept erstellt. Paulitsch

Das Wolfurter Zollamt hat sich dabei in den vergangenen Jahren zu einem Nadelöhr entwickelt. Der Landeshauptmann und der Finanzminister verdeutlichten dies auch anhand konkreter Zahlen. Vor etwa 20 Jahren wurden in Wolfurt noch 100 Lkw pro Tag abgefertigt. Mittlerweile sind es nach Angaben von Wallner und Brunner durchschnittlich 500 bis 600 am Tag. Dadurch kommt es nicht nur zu längeren Standzeiten für die Lkw, sondern es gibt auch negative Auswirkungen auf die Verkehrssituation rund um den Güterbahnhof.

Start im Jahr 2024

Für die Neuaufstellung der Zollabfertigung sind mehrere Maßnahmen geplant. So soll die Digitalisierung dafür genutzt werden, dass der Prozess effizienter gestaltet wird. Fahrer sollen dann nicht mehr mit einem sogenannten Laufzettel erst in das Zollamtsgebäude gehen müssen, sondern mittels Scannen eines Barcodes die Formalitäten erledigen können. Ebenso soll es möglich sein, dass die Abfertigung schon beim Unternehmen durchgeführt wird und die Lkw gar nicht mehr zum Zollamt beim Güterbahnhof fahren müssen. Dafür ist eine spezielle Zertifizierung durch die Zollbehörden notwendig. Ab 2024 sollen die ersten Initiativen in Sachen Digitalisierung umgesetzt werden. Doch auch die Modernisierung und umfangreiche Sanierung des Zollamts selbst sollen Verbesserungen bringen. Diesbezgülich soll bis Ende des Jahres eine Bedarfsanalyse sowie ein infrastrukturelles Grobkonzept vorliegen. Bis 2027 soll die Neugestaltung dann abgeschlossen sein.

Finanzminister Magnus Brunner ist in Höchst nahe des Zollamts aufgewachsen. <span class="copyright">VLK/Sams</span>
Finanzminister Magnus Brunner ist in Höchst nahe des Zollamts aufgewachsen. VLK/Sams

Von der Modernisierung würden alle Beteiligten profitieren, zeigten sich die Politikvertreter überzeugt. Für die Wirtschaft gebe es Erleichterungen beim Im- und Export, dazu werde die Infrastruktur für die am Zollamt ansässigen Speditionen verbessert. Denn derzeit sei dieses in einem baulich eher bescheidenen Zustand, meinte Brunner. Nicht zuletzt soll es auch zu einer Verbesserung der Verkehrssituation rund um das Güterterminal kommen.

Neuer Vollanschluss

Diesbezüglich stellte Landesrat Tittler auch noch Anpassungen beim Kreisverkehr Dornbirn-Nord kommen. Hier sei eine Analyse in Auftrag gegeben worden, die noch im ersten Halbjahr vorliegen soll. Ebenso solle der Autobahnknoten Lauterach-Wolfurt zu einem Vollanschluss ausgebaut werden. Diese Maßnahme werde sogar – zu seiner eigenen Überraschung – vom grünen Koalitionspartner unterstützt, berichtete Tittler.

Transporte auf die Schiene

Nicht zuletzt soll natürlich auch die Nähe zum Güterbahnhof Wolfurt – der zweitgrößte in Österreich – genutzt werden, um möglichst viele Transporte auf die Schiene zu bringen. Dies werde auch im Güterverkehrskonzept des Landes berücksichtigt, welches gerade in Ausarbeitung ist.

Heike Fetka-Blüthner berichtete von den Plänen in Sachen Neugestaltung der Zollabwicklung. <span class="copyright">VLK/Sams</span>
Heike Fetka-Blüthner berichtete von den Plänen in Sachen Neugestaltung der Zollabwicklung. VLK/Sams

Die Lage rund um das Zollamt und den Güterbahnhof spiegle auch die gute wirtschaftliche Entwicklung des Landes wider. So habe sich das Exportvolumen seit dem EU-Beitritt auf zwölf Milliarden Euro vervierfacht. Das Bruttoregionalprodukt wurde in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, erklärte der Landesrat. Landeshauptmann Wallner nannte auch die Erwartungen an die künftige Entwicklung als Grund für die Notwendigkeit der Modernisierung der Zollabfertigung. Denn im nahe gelegenen Betriebsgebiet könnten in den kommenden Jahren noch bis zu 5000 neue Arbeitsplätze entstehen. Mit der gut laufenden Wirtschaft sei daher von einem steigenden Aufkommen im grenzüberschreitenden Warenverkehr zu erwarten.

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