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“Wir zahlen mit Blut, nicht mit Geld”

10.04.2022 • 17:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bundeskanzler Karl Nehammer mit Vitali und Wladimir Klitschko in Kiew.
Bundeskanzler Karl Nehammer mit Vitali und Wladimir Klitschko in Kiew. (c) BUNDESKANZLERAMT/DRAGAN TATIC

Kiew: Karl Nehammer traf sich auch mit Klitschko-Brüdern.

Nach 36 Stunden kehrte Bundeskanzler Karl Nehammer am Sonntagvormittag nach Wien zurück. Die ohnehin schon große österreichische Delegation zählte bei der Rückreise noch eine Person mehr: Die 81-jährige Großmutter einer ukrainischstämmigen Mitarbeiterin aus Nehammers Kabinett. Seit Kriegsbeginn hatte er öfters von der Familie erzählt, die sich große Sorgen um die pflegebedürftige Großmutter in Kiew machte. Während er sich am Samstag mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal austauschte, holte ein Sicherheitsteam mit der mitgereisten Mitarbeiterin die Oma von zu Hause ab und brachte sie zum Bahnhof, von wo aus sie mit der Delegation zurück nach Südpolen fuhr. Für die Aktion war Flüchtlingskoordinator Michael Takaczs aus Wien mitgereist. Die Kosten für die Evakuierung wurden durch Spenden des Kabinetts gedeckt, wurde betont.

Im Zug zurück nach Wien reiste auch der frühere Chefredakteur der deutschen “Bild”-Zeitung, Kai Diekmann. Er ist mittlerweile Inhaber einer Kommunikationsagentur und berät Nehammer bei außenpolitischen Fragen in der Region. Sein Unternehmen “Storytelling” hatte der ÖVP auch den Politikberater Georg Streiter vermittelt, der zuvor “Bild”-Politikchef und Berater von Angela Merkel war, um die ÖVP bei der Kommunikation rund um den U-Ausschuss zu beraten. Diekmann begleitete Nehammer “pro bono”, also ohne Bezahlung nach Kiew, betonte er.

“Putin ist psychisch krank”

Diekmann gilt auch als Nehammers Türöffner zu den Klitschko-Brüdern, denen die Delegation am Samstag einen Besuch im Büro des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko abstattete. Im Beisein von Nehammer wurde der Bürgermeister sehr deutlich: “Putin ist ein psychisch kranker Mann, der ein russisches Imperium aufbauen will.” Österreich soll die Ukraine weiterhin unterstützen, “wenn nicht mit Waffen, dann mit wirtschaftlichen Konsequenzen”, sagte sein Bruder Wladimir Klitschko, der sich für ein Embargo von russischem Gas aussprach: “Das kostet Geld. Aber wir zahlen hier mit Blut. Und wenn wir fallen, werdet ihr auch fallen.”

Nehammer sicherte der Ukraine weitere Unterstützung zu – unmittelbar sollen 20 Rettungsfahrzeuge, 10 Tanklöschfahrzeuge und weitere Diesellieferung kommen. An allen europäischen Sanktionen wird sich Österreich weiterhin beteiligen. Sie werden immer treffsicherer, wie Nehammer betonte. “Zuletzt wurden etwa europäische Ersatzteile für Flugzeuge, die Russland braucht, um seine Luftflotte instand zu halten, auf die Sanktionsliste gesetzt.” Außerdem werde Österreich weiterhin versuchen, auf die Russische Föderation einzuwirken. Wichtigstes Ziel ist derzeit, stabile humanitäre Korridore im Süden und Osten des Landes offenzuhalten, wo es in nächster Zeit zu dramatischen Kampfhandlungen kommen dürfte. Ein Importstopp für russisches Gas ist für Nehammer aber nach dem Besuch in Kiew keine Option: “Mit der schwerste Teil war klarzumachen, dass wir das derzeit nicht machen können.”

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