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Leclerc und Ferrari sind klare WM-Favoriten

11.04.2022 • 13:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Charles Leclerc siegte auch in Australien
Charles Leclerc siegte auch in Australien (c) AP (Asanka Brendon Ratnayake)

Es sind drei von 23 Rennen gefahren, dennoch steht WM-Favorit fest.

Denn was Charles Leclerc und Ferrari im Albert Park in Melbourne auf die Strecke zauberten, das war schon weltmeisterlich. Überhaupt erwischte die Kombination einen fast perfekten Saisonstart: In der Markenwertung liegt Ferrari 39 Punkte vor Dauer-Weltmeister Mercedes. Charles Leclerc hat einen fast perfekten ersten WM-Teil hingelegt – drei Rennen, zwei Siege, in Bahrain und Australien, einen zweiten Platz in Saudi-Arabien, drei Mal beste Rennrunde, zwei Pole-Positions in Sakhir und Melbourne. Von 78 möglichen WM-Punkten hat er 71 eingesackt, liegt 34 Zähler vor seinem nächsten Verfolger, im Moment George Russell – so groß war der Abstand zwischen den WM-Rivalen Verstappen und Hamilton während der ganzen Saison 2021 nicht. Und Weltmeister Verstappen fehlen nach seinem zweiten Ausfall sogar schon 46 Punkte auf Leclerc.

Das dritte Rennen des Jahres hob die Qualitäten der roten Autos hervor, zeigte, warum das Ferrari-Paket derzeit so stark ist: Das Auto ist unabhängig von der Asphalttemperatur und dem Reifentyp schnell, über eine Runde und über die Distanz, dazu kommt eine extreme Zuverlässigkeit. Es gab bisher noch keinen einzigen technischen Ausfall – dass Carlos Sainz in Melbourne schon in der zweiten Runde im Kiesbett steckte, war ein klarer Fahrfehler. Dazu geht der Ferrari mit den Reifen schonender um als die Konkurrenz.

Red Bull-Teamchef Christian Horner schüttelte den Kopf: „Ferrari trifft das Reifenfenster einfach besser als wir.“ Für Ferrari-Teamchef Mattia Binotto lag der Schlüssel zum Reifenmanagement in einer guten Fahrzeugbalance. „Melbourne ist keine einfache Strecke, die Balance zwischen den langsamen und schnellen Kurven zu finden. Wir haben uns zuerst darauf konzentriert die Hinterreifen zu schützen und schon am Freitag erkannt, dass mit der Medium-Mischung der linke Vorderreifen leicht zu körnen beginnt. Daran haben wir gearbeitet, und Charles hat auch einen guten Job mit dem Reifenmanagement gemacht.“

Auch die beiden Sky-GP-Experten Ralf Schumacher und Timo Glock waren von dieser Leistung sehr beeindruckt. Der sechsfache GP-Sieger Ralf Schumacher meinte: „Im Rennen kam genau das, was vorher vermutet worden war. Leclerc hatte ein paar Zehntelsekunden Vorsprung, und er konnte den Sieg easy nach Hause fahren. Eine tadellose Leistung von ihm. Schade für seinen Teamkollegen Carlos Sainz, der sicherlich auch vorne hätte dabei sein können. Aber es war schon durch das unglückliche Qualifying schwierig für ihn.“ Auch Glock schwärmte von Leclerc: „Charles befindet sich derzeit im absoluten Höhenflug. Team-intern sind die Fronten schon recht früh klar geregelt. Ich bin mir sicher, dass Ferrari ihn da schnellstmöglich priorisieren wird in gewissen Situationen. Leclerc ist WM-Führender, Carlos Sainz hat schon 38 Punkte Rückstand. Da ist das weitere Vorgehen bei den Italienern wohl klar.“

Der 24-jährige Monegasse selbst fühlt sich für zwei harte Jahre, in denen Ferrari sieglos blieb, belohnt: „Wir haben unsere Schwächen, die wir 2020 und 2021 noch hatten, Schritt für Schritt abgestellt. Ich habe jetzt ein Auto, das mich nicht mehr zwingt, spezielle Dinge zu tun, um mehr Speed rauszuholen.“ Leclerc hat auch vor dem Wettrüsten mit Red Bull keine Angst: „Ich vertraue den Leuten, die dieses Auto gebaut haben. Es sind die gleichen, die es auch weiterentwickeln werden.“ Und traut sich, das zu sagen, was nicht nur in Italien eigentlich schon alle so sehen: „Wenn es in dem Stil weitergeht, dürfen wir an die Meisterschaft denken.“

Nur Teamchef Binotto tritt noch auf die Euphoriebremse, will zu großen Optimismus verhindern. „Wir denken noch nicht an die WM, denn es sind erst drei Rennen vorbei. Wir fokussieren uns auf jedes einzelne Rennen, das haben wir bisher so gemacht und so werden wir es auch weiterhin machen. Die Leistungsdichte ist hoch, deshalb müssen wir es perfekt hinbekommen, damit es mit dem Sieg klappt. Das ist seit dem ersten Rennen in Bahrain so. Hier haben wir es geschafft, nun wollen wir auch in Imola unser Bestes geben.“ Wobei ihm klar ist, dass das Heimrennen in zwei Wochen, keine 50 Kilometer vom Ferrari-Sitz in Maranello entfernt, vor allem aufgrund der jetzt extremen Erwartungshaltung der Tifosi eine besondere Herausforderung mit zusätzlichem Druck wird. Die man aber in der derzeitigen Form durchaus meistern kann…