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Besorgnis über sinkende Bewerberzahl

14.04.2022 • 19:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbolbild<span class="copyright">APA/HELMUT FOHRINGER</span>
SymbolbildAPA/HELMUT FOHRINGER

ÖÄK-Vizepräsident schlägt Alarm. Ärztemangel wurde auch im Landtag diskutiert.

Angesichts rückläufiger Teilnehmerzahlen bei den Aufnahmeverfahren für ein Medizinstudium schlägt Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, Alarm. Hätten sich im Vorjahr noch 17.823 Bewerberinnen und Bewerber verbindlich angemeldet, seien es dieses Jahr nur noch 15.788. Das entspreche einem Schwund von mehr als 2000 Interessenten. Aus Sicht von Mayer sind dafür vor allem die mangelhaften Arbeitsbedingungen, die steigende Arbeitsbelastung und die immer gravierender werdende mangelnde Wertschätzung ein Grund für die rückläufigen Zahlen.

Harald Mayer, einer der Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer, schlägt Alarm. <span class="copyright">ÖÄK/Christian Leopold</span>
Harald Mayer, einer der Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer, schlägt Alarm. ÖÄK/Christian Leopold

Wenn der Beruf an Attraktivität verliere, bringe es auch nichts, wenn die Zahl der Medizin-Studienplätze erhöht werde. Viel mehr brauche es Maßnahmen, um den schlechten Arbeitsbedingungen entgegenzuwirken. „Der Nachwuchs braucht jetzt neue Anreize und Gestaltungsmöglichkeiten, um auch Teilzeit-Arbeitsmodelle im Arztberuf für eine bessere Work-Life-Balance umsetzen zu können, und vor allem sollten wir uns in unserer Gesellschaft um eine bessere Wertschätzung der Arbeit unserer Ärztinnen und Ärzte bemühen“, betonte Mayer.

Anfragen von SPÖ und FPÖ

Der Mangel an Medizinern und deren Arbeitsbedingungen und Ausbildung waren jüngst auch Thema zweier Landtagsanfragen. So wollte SPÖ-Gesundheitssprecherin Elke Zimmermann Auskunft von Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) darüber, wie diese den Mangel an Ärzten in Vorarlberg bewältigen wolle. Die Freiheitlichen Christof Bitschi und Hubert Kinz stellten eine Anfrage zur gesamtheitlichen Gesundheitsplanung im Land und thematisierten dabei ebenfalls den Ärztemangel.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher fordert Änderungen beim Aufnahmeverfahren für das Medizinstudium. <span class="copyright">Hartinger</span>
Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher fordert Änderungen beim Aufnahmeverfahren für das Medizinstudium. Hartinger

In den Beantwortungen informiert die Landesrätin unter anderem darüber, dass an den heimischen Spitälern in den kommenden zehn Jahren mit insgesamt über 180 Pensionierungen in der Ärzteschaft zu rechnen ist. Zugleich stellt Rüscher klar, dass es derzeit pro Basisausbildungsstelle in den Vorarlberger Krankenhäusern durchschnittlich zwei bis drei Bewerbungen gebe. Dies sei „sehr erfreulich“. Allerdings könne es bei der späteren Facharztausbildung immer wieder Wartelisten geben. Dies sei von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Dazu zählten unter anderem die verfügbaren Ausbildungsplätze oder auch die individuelle Lebensplanung der Ausbildungsärzte.

Änderungen notwendig

In der Landtagssitzung am 6. April sagte Rüscher, dass es Änderungen bei den Aufnahmeverfahren für das Medizinstudium geben müsse. Es müsse stärker berücksichtigt werden, wenn junge Menschen bereits Interesse für den Arztberuf zeigen, indem sie etwa den Zivildienst im Gesundheitsbereich geleis­tet oder auch ein freiwilliges soziales Jahr absolviert haben. Natürlich sei es wichtig, im Aufnahmeverfahren darauf zu achten, dass die Bewerber das spätere Studium bewältigen können. Es gehe aber auch darum, jene Interessenten zu finden, die die richtigen für den Arztberuf seien. Allerdings seien die Universitäten im Zuge ihrer Autonomie selbst für das Aufnahmeverfahren zuständig. Land und Bund hätten dabei kein Mitspracherecht.

Offen für Privatuni

Rüscher zeigte sich auch offen für die Pläne zur Einrichtung einer privaten Medizinuniversität im Land. Es müsse jedoch sichergestellt sein, dass an der Universität auch Vorarlberger­innen und Vorarlberger ausgebildet werden und nicht nur auswärtige Studierende. Zudem dürfe die Finanzierung nicht nur am Land hängen bleiben. Allerdings sei es noch ein langwieriger Prozess, bis es eine Privat­uni geben könnte.

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