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Geringe Freude über Maskenregeln

15.04.2022 • 18:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Der Vorarlberger Handel ärgert sich über die ­unterschiedliche Behandlung einzelner Bereiche.

Die Vorarlberger Wirtschaftskammer kritisiert die heute in Kraft getretene Maskenregelung von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). „In Anbetracht der stark sinkenden Ansteckungs- und Hospitalisierungszahlen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Maskenpflicht in sehr vielen Branchen bleibt“, erklärt die Obfrau der Sparte Handel, Carina Pollhammer: Es sei „eine Zumutung“ für die Tausenden Mitarbeiter, gibt man sich bei der Wirtschaft ungewohnt gewerkschaftlich.

Forderungen nach mehr

Letztlich begrüßt man zwar die erfolgten Lockerungen abseits des Lebensmittelhandels, gibt sich damit aber nicht zufrieden. „Für besonders krisengeschüttelte Branchen wie etwa den Handel mit Bekleidung oder aber auch den Schuhhandel ist die Aufhebung der Maskenpflicht mit Karsamstag ein wichtiger Schritt“, heißt es von der Kammer in einer Aussendung. Neben der Lage der Mitarbeiter fürchtet man auch um die Kauflust der Kundschaft. Nicht angeführten „neues­ten Studien zufolge“ drücke die Maskenpflicht erheblich auf die Konsumlaune, so die WKV.
Die Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz verdrieße „vielen Menschen das Shoppingerlebnis“, außerdem sei es eben anstrengend für die Mitarbeiter. Ohne andere Schutzvorrichtungen gelte das für Tausende Mitarbeiter, „die in Geschäften des täglichen Bedarfs arbeiten. Dass diese nun weiterhin ganztags eine Schutzmaske tragen müssen, ist nicht tragbar“, so Pollhammer, die weitere Lockerungsmaßnahmen fordert.

Heftige Kritik an den Maßnahmen

Die neuen Lockerungen würden Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern ermöglichen, ohne dass Zutrittskontrollen stattfinden müssten, im Handel, „wo die Verweildauer deutlich geringer ist“, sei die Maskenpflicht unverhältnismäßig.
Außerdem seien im Handel „nachweislich nahezu keine Ansteckungen erfolgt“, was durch die extrem niedrige Rate an nachvollziehbaren Ansteckungsketten allerdings schwer zu belegen sein dürfte. „Andere Länder haben es vorgemacht und die Maskenpflicht für alle Bereiche aufgehoben, nur Österreich bleibt hartnäckig auf diesem Weg“, kritisiert die Spartenobfrau und bezeichnet das Festhalten an der Maskenpflicht als kollektive Bevormundung. „Es wird Zeit, dass wir wieder vermehrt auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung setzen, die Zahlen und Prognosen lassen das zu. Wer sich weiterhin schützen möchte, kann dies jederzeit freiwillig mit dem Tragen einer FFP2-Maske tun.“ Österreich hat derzeit eine höhere Inzidenz als die Schweiz, in der die Maßnahmen fast gänzlich abgeschafft wurden, allerdings wird hierzulande auch deutlich mehr und kostenlos getestet, was die Dunkelziffer an Infizierten im Vergleich zum Nachbarland reduziert. Der Vorarlberger Handel betont, „strikt gegen eine Prolongierung der Maskenpflicht im lebensnotwendigen Bereich“ zu sein.
Derzeit gibt es in Vorarlberg etwa 2900 aktive Fälle. Am Montag lagen 100 Normal- und sieben Intensivpatienten in den Spitälern. Bei 80 Prozent der Normalpatienten ist Corona aber nicht der Grund für den Spitalsaufenthalt, sondern nur eine Nebendiagnose.