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Mehr als nur ein Standort für die Bildung

16.04.2022 • 19:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Bauarbeiten für den Campus Rotkreuz laufen auf Hochtouren.<span class="copyright"> Marktgemeinde Lustenau/Lukas Hämmerle/Thomas Holzer</span>
Die Bauarbeiten für den Campus Rotkreuz laufen auf Hochtouren. Marktgemeinde Lustenau/Lukas Hämmerle/Thomas Holzer

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer über den Campus Rotkreuz und den Mehrwert von Investitionen.

Ein Jahrhundertprojekt wird derzeit gerade in der Marktgemeinde Lustenau umgesetzt. Etwa 50 Millionen Euro werden in den Bau des Campus Rotkreuz investiert, der auch maßgeblich das Quartier prägen soll. Es handelt sich um das bisher größte jemals von der Kommune umgesetzte Hochbauprojekt. Es ist daher auch für Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) etwas Besonderes, bei der Umsetzung dieses Bauvorhabens dabei zu sein. Für das Gemeindeoberhaupt ist der Campus Rotkreuz jedoch weit mehr als ein Hochbauprojekt. Für ihn ist es auch Ausdruck dafür, dass in der Kommune das Ziel der Marke Vorarlberg, das Land bis 2035 zum chancenreichsten Lebensraum für Kinder zu machen, ernst genommen wird. Bei allen strategischen Entscheidungen in der Gemeinde stehe dieses Ziel im Mittelpunkt.

Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer. Stiplovsek

Zugute kommt den Verantwortlichen dabei, dass es auch in der Gemeindevertretung einen Konsens über die große Bedeutung der Bildung und der Politik im Sinne der Kinder und Jugendlichen gibt. Dies zeigt sich immer wieder auch bei Entscheidungen über Investitionen in diesem Bereich. Wie Fischer berichtet, ist die Zahl der Kinder in der Gemeinde wieder ansteigend. Daher wurde und wird nicht nur in den Campus Rotkreuz investiert. Auch andernorts werden Kapazitäten in der Kinderbetreuung aufgestockt oder Kindergärten vergrößert. Beim Sportpark im Ortsteil Mühlefeld soll sogar ein komplett neuer Kindergarten entstehen. Dazu wird es heuer auch einen Architekturwettbewerb geben.

Florierende Wirtschaft

Die finanziellen Aufwendungen für derartige Investitionen sind gerade in Zeiten immer knapper werdender Gemeindebudgets durchaus herausfordernd. Umso wichtiger ist es aus Sicht des Bürgermeisters, dass auch die Wirtschaft in der Gemeinde floriert. „Wir hatten kürzlich zwei Hearings für Flächen im Betriebsgebiet Heitere und hatten insgesamt 16 Bewerber“, berichtet Fischer. Dazu tue sich auch andernorts wie etwa im Millenniumpark von Standortentwickler Prisma sehr vieles.

Fertigstellung für 2025 geplant

In zwei Bauphasen soll bis 2025 der Campus Rotkreuz nach Plänen des steirischen Büros „fasch&fuchs.architekten“ umgesetzt werden. Derzeit entstehen in der ersten Etappe eine neue Doppelturnhalle und der Ganztagskindergarten. Auch die Produktionsküche von „Esskultur Lustenau“ wird errichtet. Bis Sommer 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

In der dann folgenden zweiten Bauphase übersiedeln die Volkschülerinnen und Volksschüler in den neuen Kindergarten und die Räumlichkeiten für die Mittagsbetreuung. Denn das aus den 1960er-Jahren stammende Volksschulgebäude wird saniert, umgebaut und durch offene Lernzonen ergänzt. Der Baukörper des Sonderpädagogischen Zentrums bleibt erhalten und wird adaptiert. Läuft alles nach Plan soll der Campus in den Semesterferien 2025 bezugsfertig sein. Der Spatenstich für das 50-Millionen-Euro-Projekt ist im vergangenen Oktober erfolgt.

Bei den öffentlichen Investitionen in die Bildung – aber auch in anderen Bereichen – geht es für das Gemeindeoberhaupt jedoch nicht nur rein um die Schaffung neuer Räumlichkeiten. Diese müssen auch mit einer entsprechenden Qualität aufwarten. „Alleine am Campus Rotkreuz kann es sein, dass Kinder dort insgesamt bis zu sieben Jahre verbringen“, erläutert Fischer.

So soll der fertige Campus dann aussehen. <span class="copyright">Visualisierung Aberjung</span>
So soll der fertige Campus dann aussehen. Visualisierung Aberjung

Dazu ist es den Gemeindeverantwortlichen auch wichtig, dass die Investitionen einen Mehrwert bieten. Der Bürgermeister nennt hier den Sportpark als Beispiel. Dieser werde nämlich nicht nur von Vereinen genutzt, sondern sei auch ein beliebter Trainingsort für Hobbysportler aller Art und damit auch ein Ort der Begegnung. Im Campus Rotkreuz spiegelt sich diese Philosophie bei der Planung der Doppelturnhalle wider. Denn diese soll nicht nur von den Bildungseinrichtungen genutzt werden, sondern auch Vereine sollen dort trainieren können. So werde eine Begegnungsmöglichkeit geschaffen und der Campus für alle zugänglich.

“Esskultur Lustenau”

Ebenfalls von großer Bedeutung ist für Fischer, dass am neuen Standort auch die Produktionsküche für die „Esskultur Lustenau“ untergebracht sein wird. Im Rahmen der Initiative wird in der Gemeinde die Verpflegung für Kindergärten, Schulen und Seniorenheime sowie Essen auf Räder zubereitet. Dabei wird auf „radikal frisches Kochen“ mit hochwertigen Lebensmitteln aus der Region gesetzt, wie es Fischer formuliert. Derzeit werden die Mahlzeiten im Schützengarten zubereitet. Durch die zusätzlich Küche am Campus können die Kapazitäten noch ausgebaut werden.

Gute Ernährung

Durch die Initiative werde nicht nur sichergestellt, dass die Bezieher im Alter von drei bis 103 Jahren hochwertige Kost erhalten, sagt der Bürgermeister. Vielmehr werde auch ein Bewusstsein für den Stellenwert guter Ernährung und hochwertiger Lebensmittel geschaffen. So sollen die Kinder am Campus Rotkreuz später auch die Möglichkeit haben, Einblick in die Küche zu erhalten und zu sehen, was es heißt, Speisen frisch zuzubereiten. Nicht zuletzt komme es durch „Esskultur Lustenau“ auch zu interessanten Partnerschaften und Lieferbeziehungen mit regionalen Anbietern.

Im Oktober ist der Spatenstich für den Campus erfolgt. <span class="copyright">Marktgemeinde Lustenau/Lukas Hämmerle</span>
Im Oktober ist der Spatenstich für den Campus erfolgt. Marktgemeinde Lustenau/Lukas Hämmerle

Fischer ist überzeugt davon, dass sich der Mehrwert bei den Investitionen in die Bildungslandschaft – aber auch in die Infrastruktur wie beim vor wenigen Jahren eröffneten Feuerwehrhaus oder dem Sportpark – darstellen lassen. Wichtig sei nur, dass man sich diese auch leisten könne, was nicht in jeder Region der Fall sei.