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Tirols Ärztechef gegen Impfpflicht

18.04.2022 • 18:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tirols Ärztechef gegen Impfpflicht
apa/themenbild

Statt Quarantäne sei an Eigenverantwortung zu appellieren.

Der neue Tiroler Ärztekammerpräsident Stefan Kastner spricht sich dagegen aus, die derzeit ausgesetzte Corona-Impfpflicht wieder zum Leben zu erwecken. “Ich sehe keine Notwendigkeit, das wieder zu starten”, sagte Kastner im APA-Interview. Er glaube auch nicht, dass es seitens der eingesetzten Kommission eine Empfehlung geben wird, sie wieder einzuführen. Auch die noch bestehenden Quarantäne-Regeln “braucht es derzeit nicht mehr”.

Letztere werde auch angesichts der bereits vonstattengegangenen, weitgehenden Durchseuchung auch über den Frühling und Sommer hinaus nicht nötig sein – außer es trete wieder eine besonders aggressive und ansteckende Corona-Variante auf. Die Impfpflicht wiederum mache keinen Sinn – jedenfalls nicht, bevor es einen angepassten Impfstoff gebe und es die Dramatik der Situation erfordern würde. Dies sei vor der Omikron-Welle der Fall gewesen, als man kaum eine andere Chance als durch vermehrte Impfungen gesehen habe, zeigte Kastner Verständnis für die damalige Vorgangsweise. Doch im Zuge von Omikron habe man schließlich festgestellt: “Das wird uns nicht aus der Patsche helfen.”

Zudem verwies Kastner auf Datenschutzprobleme, die mit der Einführung der Impfpflicht einhergehen würden. Überdies würden viele Menschen wohl eine Geldstrafe in Kauf nehmen – dann bräuchte es erst recht wieder härtere Sanktionen.

Milde Corona-Variante wie Grippe behandeln

Der Tiroler Ärztekammerpräsident plädierte jedenfalls dafür – sollte nicht noch eine gefährlichere Corona-Variante auftreten –, mit dem Coronavirus in Zukunft wie mit einer Grippe umzugehen. Die Voraussetzungen dafür sah er gegeben: Viele hätten die Infektion bereits durchgemacht. Für die Risikogruppe sei es richtig, eine Empfehlung zur Auffrischungsimpfung auszusprechen, für alle anderen gebe es genügend Angebot, die Immunität – wenn gewünscht – weiter zu verstärken.

Statt einer staatlich vorgegebenen Quarantäne sei an Hausverstand und Eigenverantwortung zu appellieren, was ja auch schon in Vor-Coronazeiten gegolten habe: “Wenn jemand krank ist, bleibt er oder sie zu Hause, also quasi in der selbst verordneten Quarantäne. Wie bei der Influenza auch. Bin ich nicht besonders gut beieinander, kann ich mir eine Maske aufsetzen, um andere zu schützen.” Da und dort werde im Herbst vielleicht noch das Tragen einer Maske vorzuschreiben sein – vor allem im Gesundheitsbereich, im Falle des Falles auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Stufenpläne für weitere Szenarien

Ansonsten zeigte sich Kastner einverstanden mit der Vorgangsweise der Bundesregierung, die Maßnahmen nun langsam fallen zu lassen. “Step by step” sollte dies erfolgen. Man sollte zurück zur kompletten Normalität – “aber mit gut vorbereiteten Stufenplänen für gewisse, mögliche Szenarien in der Schublade”, betonte der Allgemeinchirurg. Es sollte jedenfalls nicht so sein, dass im Falle der Wiedereinführung von Maßnahmen wie zuletzt der Maskenpflicht “sechs volle Tage vergehen”, bis eine Verordnung vorliege – nur weil es zuvor überlange politische Abstimmungen brauche für einen nicht allzu langen Text, den man eigentlich schon parat haben müsste. “Ich war schockiert, dass man für gewisse Szenarien keine Pläne in der Schublade hatte”, so der Tiroler Ärztekammerchef, der kürzlich Artur Wechselberger nach 32 Jahren im Amt nachfolgte.

In puncto Tests trat Kastner dafür ein, diese künftig auf den diagnostischen Bereich zu beschränken, also bei niedergelassenen Ärzten oder in den Krankenhäusern anzubieten und durchzuführen. Bei “potenziell erkrankten Personen” sollte ein Abstich gemacht und festgestellt werden, ob Corona vorliegt oder eine andere Virusinfektion wie etwa Influenza. Das besonders in Österreich vorherrschende, breitflächige Testen mit drei Milliarden Euro an Kosten habe jedenfalls nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Es sei unter anderem eine falsche Sicherheit erzeugt worden.

Für Tirols Ärztekammerpräsidenten ist es an der Zeit, nach mehr als zwei Jahren eine nüchterne Sicht auf Corona zu entwickeln: “Der Krisenmodus ist zu verlassen.” Er habe mitunter schon den Eindruck gewonnen, dass es zu mancher Zeit auch politisch gewollt war, das Thema weiter derart medial am Köcheln zu halten, um von anderen Dingen etwas abzulenken.

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