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Anklage: Luft raus aus Reifen von Polizeiauto

22.04.2022 • 18:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/apa/Barbara Gindl

Angeklagter soll sich an Polizei für Beanstandung bei Coronakontrolle gerächt haben.

Aus zwei Reifen eines Polizeiautos soll der 27-Jährige am 23. September 2021 in Feldkirch nach Mitternacht Luft abgelassen haben, ohne dabei die Reifen beschädigt zu haben. Das trug ihm eine Anklage wegen des Vergehens der schweren Sachbeschädigung ein. Denn damit hat er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft einen wesentlichen Bestandteil der kritischen Infrastruktur zumindest vorübergehend unbrauchbar gemacht.

Verhandlung vertagt

Im Strafprozess am Landesgericht Feldkirch erging noch kein Urteil. Richter Andreas Böhler vertagte die Verhandlung, weil sich mit einem erkrankten Polizisten ein Belastungszeuge entschuldigt hat.

Die Verhandlung am Landesgericht Feldkirch wurde vertagt. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Die Verhandlung am Landesgericht Feldkirch wurde vertagt. Symbolbild/Hartinger

Der unbescholtene Angeklagte sagte, er sei nicht schuldig. Verteidiger Johannes Walch meinte, es sei verwunderlich, dass Anklage erhoben worden sei, und beantragte einen Freispruch. Der Richter bot dem Angeklagten erfolglos eine Diversion mit einer Geldbuße an. Vor der Polizei gab der Beschuldigte zu Protokoll, es könnte ja jemand anderer die Luft aus den Reifen des Polizeiautos herausgelassen haben. „Es könnte auch sein, dass ein Stern auf die Erde fällt“, merkte dazu der Strafrichter an.

In Panik weggerannt

Ein Polizist will vor dem Einsteigen den Kopf des Angeklagten hinter dem Dienstfahrzeug gesehen haben. Danach ist der 27-Jährige weggerannt. Er sei in Panik weggerannt, sagte der Angeklagte vor Gericht. Aber er sei nicht der Täter.
Die Staatsanwaltschaft hält den Facharbeiter jedoch für den Täter. Zumal er ein Tatmotiv hatte: Rache an der Polizei. Denn der Bosnier wurde unmittelbar vor dem Vorfall in der Bar, vor der das Polizeiauto geparkt war, von der Polizei bei einer Kontrolle der Coronaschutzmaßnahmen beanstandet. Der 27-Jährige Bargast verfügte über keinen vorgeschriebenen 3G-Nachweis und musste das Lokal verlassen. Dafür hatte er nach eigenen Angaben später der Bezirkshauptmannschaft 130 Euro als Geldstrafe zu bezahlen.

Sachbeschädigung

Nach den Kontrollen fuhren die Polizisten mit ihrem Dienstauto weg. Wegen der zwei platten Reifen kamen sie aber nicht weit. Abgelassene Luft aus Fahrzeugreifen gilt strafrechtlich als Sachbeschädigung, auch wenn dabei Ventil und Mantel nicht beschädigt wurden. Die Strafdrohung für Sachbeschädigung beträgt bis zu sechs Monate Haft. Wenn bei einem Polizeiauto Luft abgelassen wird, gilt das automatisch als schwere Sachbeschädigung, mit einem Strafrahmen von bis zu zwei Jahren Gefängnis.