Allgemein

Kinderpornovideo als Warnung für Mütter

25.04.2022 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht verurteilte Frau zu niedriger Geldstrafe. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Gericht verurteilte Frau zu niedriger Geldstrafe. Shutterstock

Nur deshalb habe sie das Video einer Freundin geschickt.

Von einem außergewöhnlichen Fall sprach Martin Mitteregger. Damit meinte der Strafrichter die angeklagte Person und deren Tatmotiv. Es ist zum einen ungewöhnlich, dass eine Frau wegen pornografischer Darstellung Minderjähriger angeklagt wird. Zudem erklärte die angeklagte Mutter von Kindern den Besitz und die Weitergabe von Kinderpornografie damit, dass sie davor warnen wollte.

Auf Facebook verschickt

Deshalb habe sie im August 2021 mit ihrem Smartphone das Kinderpornovideo auf Facebook einer Freundin geschickt, sagte die 43-jährige Asiatin vor der Polizei und nun auch vor Gericht. Sie habe damit ihre Freundin darauf aufmerksam machen wollen, dass auch ihre Kinder für Pornografie missbraucht werden könnten. Ihre Freundin solle auf ihre Kinder aufpassen, das habe sie mit der Weiterleitung des Videos bezwecken wollen. Zuvor habe sie das Pornovideo von einer anderen Freundin auf ihrem Handy erhalten. Ebenfalls als Warnung, auf die eigenen Kinder aufzupassen.

Der Strafrichter sagte in seiner Urteilsbegründung, er glaube der Angeklagten. Deshalb sei die Strafe gering ausgefallen. Die unbescholtene Arbeiterin mit dem Nettoeinkommen von 1400 Euro kam mit einer Geldstrafe von 1080 Euro (180 Tagessätze zu je 6 Euro) davon. Der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil beträgt 270 Euro (45 Tagessätze). 810 Euro (135 Tagessätze) wurden für eine Probezeit von drei Jahren auf Bewährung bedingt nachgesehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagte und Staatsanwalt Johannes Hartmann waren zwar damit einverstanden. Weil die Angeklagte aber ohne Verteidiger erschienen ist, erhielt sie automatisch drei Tage Bedenkzeit. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen. Die verhängte Geldstrafe entspricht drei Monaten Haft.

Trotzdem strafbar

Die Angeklagte sagte, sie sei nicht schuldig. Sie habe keine pädophile Absicht bei der Weiterleitung des Kinderpornovideos gehabt. Eine derartige Absicht sei nicht notwendig, merkte dazu der Richter an. Das Wissen um den kinderpornografischen Inhalt des Videos genüge für einen Schuldspruch.

Richter Mitteregger verwies darauf, dass mit dem Besitz und der Weitergabe von Kinderpornografie dazu beigetragen werde, dass Minderjährige sexuell missbraucht werden. Außerdem hätte die Angeklagte ihre Freundin verbal und damit mit anderen Mitteln vor der Gefahr des Missbrauchs der eigenen Kinder für Pornografie warnen können.