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Momente der Illusion im Hip Hop

25.04.2022 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Compagnie Accrorap und die Musiker in „Les Autres.“ <span class="copyright">Udo Mittelberger (5)</span>
Die Compagnie Accrorap und die Musiker in „Les Autres.“ Udo Mittelberger (5)

Kader Attou fasziniert mit Inszenierung „Les Autres“ das Publikum.

Die Säulen auf der Bühne bewegen sich und drehen sich und mit ihnen die Tänzer. Sie tanzen zwischen den Säulen hervor und verschwinden wieder dahinter. Mit dynamischen und präzisen Bewegungen erzählen sie eine Geschichte von fremden Welten und gefährlichen Gestalten. Die Stimmung ist gespenstisch, das Licht blinkt, alles wird dunkel, der Saal ist still, man hört nur mehr das kratzende Geräusch des Plattenspielers.

Seltene Instrumente

In „Les Autres“ bricht Attou die bekannten Stereotypen des Hip Hops auf und verbindet das Genre mit seltenen und untypischen Musikinstrumenten. Im Bregenzer Festspielhaus tanzt die französische Compagnie Accrorap, CCN de la Rochelle ein choreografisches Zusammenspiel aus Hip Hop, zeitgenössischem Tanz und kunstvoll akrobatischen Elementen. Der Tanz ist abgestimmt auf die feinen Klänge des Theremins und den surrealistischen Sound des Cris­tal Baschets.

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Die Musiker Grégoire Blanc (Theremin) und Loup Barrow (Cristal Baschet) performen live mit den Tänzern auf der Bühne. Kunstvoll werden sie hinter durchsichtig scheinendem, blau meliertem Vorhang mit ihren Instrumenten in Szene gesetzt. Das Publikum lauscht gebannt den reinen Klängen dieser selten gesehenen Instrumente. Die ungewöhnlichen Instrumente ermöglichen kaum gehörte markante Klänge, wodurch das Andersartige noch verstärkt wird. Es klingt einzigartig wie ein Traum. Mithilfe dieser Musik führt die Inszenierung durch eine fremde Poesie der Unwirklichkeit. Das Theremin wird beim Spielen nicht berührt, stattdessen wird der Körper des Musikers Teil des Instruments und leitet den Ton. Beim Cristal Baschet, auch als Kristallorgel bekannt, werden Glasstäbe mit befeuchteten Fingern gestrichen, um den Ton zu erzeugen. Attou nutzt die sinnlichen Dimensionen der Musik gekonnt für seine Inszenierung und schafft es, dem Hip Hop in teils subtilen Tanzbewegungen poetische Kraft zu verleihen. In verschiedenen Szenen bewegen sich die Tänzer durch ein fremdes Universum, tanzen zur sensiblen Musik von Régis Baillet in abwechselnd schnellen intensiven Drehbewegungen und langsam anmutiger Präzision.

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Die Stimmung ist meist düster und emotionsgeladen, die Musik melodisch und melancholisch. Eine Tänzerin tanzt in ihrem Schatten. Die Säulen gleiten auf dem Boden der Bühne. Die Darsteller spielen mit der Illusion und lassen die Tänze durch akrobatische Figuren außergewöhnlich wirken.

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Fremde Gestalten

Gesichtslose Tänzer tanzen in dunklen Mänteln gehüllt zu magischen Tönen und hohen Klängen. Das Stück nimmt die Zuschauer mit in eine andere, ungewöhnliche Welt mit Spinnengestalten, kopflosen Wesen, schwebenden Lampenschirmen und Musik auf einer unsichtbaren Geige. Gestalten, die mit leuchtenden Lampenschirmen als Kopf für surrealistische ästhetische Bilder sorgen. Es folgen Standing Ovations. Das Publikum ist begeistert.

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Internationales Tanzfestival. Bregenzer Frühling: Bis Mai 2022. Im Bregenzer Festspielhaus. Programm: www.bregenzerfruehling.com.

Von Sieglinde Wöhrer
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