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Gesellschaftliche Aspekte im Theater

29.04.2022 • 20:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Der neue Spielplan des Vorarlberger Landestheaters:
Budgetkürzungen, fünf Uraufführungen und eine Oper

Die neuen Stücke des Vorarlberger Landestheater in der Spielzeit 2022/23 werden auch auf verschiedene Aspekte unserer Gesellschaft blicken. „An den Missständen jetzt im Moment, merkt man, wie fragil die soziale Gemeinschaft war.“, sagt Intendantin Stephanie Gräve bei der gestrigen Spielplanpräsentation. Unter dem Leitsatz von Karl Marx „Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt.“, wird mit verschiedenen Stücken versucht, zu thematisieren „was extrem schief läuft“ und „was mit unserer Solidaritätsgemeinschaft geworden ist.“
Angefangen mit Bertold Brecht zeigt Inszenierung von Bérénice Hebenstreit „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ auf die Missstände in Schlachthöfen und bringt damit angesichts der katastrophalen Zustände und Arbeitsbedingungen in Europas Fleischverarbeitungsindustrie auch aktuelle Zustände auf die Bühne. (Premiere am 17. September).


Die Finanzierungssituation des Landestheaters hat sich insgesamt verschlechtert. Aufgrund von Kürzungen und Teuerungen seien seit 2014 25-29 Prozent des künstlerischen Budgets verloren gegangen, sagt Gräve. Daneben müsse man notwendige Reparaturen durchführen. Gräve hofft auf eine Generalsanierung 2024/25 und macht sich Sorgen um die ungewisse Zukunft des Landestheaters. Zahlenmäßig gibt es dieses Jahr weniger Produktionen als im Vorjahr, womit sie „knapp an der Grenze“ liegen, um das Theater ganzjährig bespielen zu können.
Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt das Publikum „stabil“ und ist dem Theater „sehr zugewandt.“, freut sich Gräve.

Fünf Uraufführungen

Von fünf Uraufführungen, greifen zwei Vorarlberger Themen auf. In „Wunsch und Widerstand“ verliert die einst bürgerliche und gut integrierte Vorarlberger Familie von Max Riccabona ihre Identität im Holocaust. Das Stück von Stefan Otteni ist keine genau historische Erzählung des in Dachau inhaftierten Überlebenden Max Riccabona. Seine Erinnerungsberichte zeigen vielmehr, was es mit einem Menschen macht, das alles erlebt zu haben. (Premiere am 11. Februar). „Surdum“ von Suat Ünaldi setzt sich mit den Werken des Feldkircher Lyrikers und den verlorenen Träumen seiner Frau auseinander. (Premiere 14. Dezember).
Bei der Produktion „Kafka in Farbe“ wollen Max Merker & Aaron Hitz die komische Seite von Kafka zeigen. (Premiere am 19. Jänner). Fanny Brunner inszeniert mit „King Kong Vivienne“ ein Stück über die eigene Positionierung der Frau. (Premiere am 8. Oktober). Ein weiteres Stück von Gerhard Meister wird zusammen mit dem Theater an der Effingerstrasse entwickelt und dreht sich um die Frage des Alterns. (Premiere am 6. Mai).

Spannende Geschichten

Trotz schwieriger finanzieller Situation hält Gräve auch an der Opernproduktion fest. Für den Politthriller „Maria Stuarda“ wird mit dem Symphonieorchester Vorarlberg zusammengearabei. (Premiere am 12. März).
Schweizer und Kongolesische Künstler befassen sich in der Koproduktion „The Ghosts are returning“, mit den seit 1952 in Genf lagernden, geraubten menschlichen Überreste der Pygmäen. Die Geschichte von „Nora“ in der Inszenierung von Birgit Schreyer Duarte wirft einen spannenden heutigen Blick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft (Premiere am 4. November). Mit „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll bringt die Regisseurin Danielle Fend-Strahm eine fantasievolle Welt mit Bühnenbild im Steampunk zur Premiere am 24. November ins Landestheater.
Das britische Stück „Erdbeben in Londen“ wird am 14. April erstmals in Österreich aufgeführt und behandelt die Folgen des Klimawandels. Beim Musical „The Black Rider: The Casting oft he Magic Bullets“ können sich Besucher auf Musik von Tom Waits freuen. (Premiere am 14. Juni).

Infos und Termine: www. landestheater.org