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Manche kommen nicht mehr, viele aber schon

29.04.2022 • 20:41 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Probe der Stadtmusik Bludenz, als es noch Abstandsregeln gab.   <span class="copyright"></span><span style="background-color: rgba(111, 111, 111, 0.2); color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Blasmusikverband</span>
Probe der Stadtmusik Bludenz, als es noch Abstandsregeln gab. Blasmusikverband

Abends gemütlich auf Sofa liegen, statt auf Probe zu gehen: Das war während des Lockdowns Realität.

„Jetzt geht es wieder aufwärts“

Vereinzelt haben Mitglieder der Musikvereine ihre Instrumente an den Nagel gehängt. Andererseits werde Musik und Kameradschaft jetzt mehr geschätzt.

Wolfram Baldauf <span class="copyright">Blasmusikverband</span>
Wolfram Baldauf Blasmusikverband

Wolfram Baldauf, Obmann des Vorarlberger Blasmusikverbands mit 111 Musikvereinen, bilanziert: „Nach meinem Kenntnisstand hat sich die Pandemie auf die Mitgliederzahlen nicht stark ausgewirkt, wenngleich es vereinzelt Musiker gibt, die nicht mehr oder noch nicht zu den Proben kommen.“ Dass dem so sei, führt er zurück auf: „Musizieren ist stark in den Menschen verankert. Außerdem haben den Musikanten die Kameradschaft und die wöchentlichen Proben gefehlt. Deshalb haben viele den Ansporn gefunden, weiterzumachen.“ Die Zeit, in der nicht musiziert werden konnte, habe dazu geführt, dass jetzt, wo es wieder erlaubt ist, die Freude groß sei. „Es geht wieder aufwärts“, sagt Baldauf, der auch Obmann des Musikvereins Lochau ist. Hygieneregeln oder Abstände gelten nun keine mehr, wenngleich viele Vereine noch Vorsicht walten ließen und beispielsweise oft desinfizieren würden.
Die Abstände, die während der Pandemie eingehalten werden mussten, führten zu viel Kritik. Zu Beginn der Pandemie hieß es, so Baldauf, dass Blasmusikinstrumente Virenschleudern seien, doch sei dies bald widerlegt worden. Das hätte die Behörde jedoch nicht geglaubt und habe den Blasmusikanten die härtesten Auflagen aufgebrummt.
Eine weitere unerfreuliche Auswirkung der Pandemie sei gewesen, dass Jungmusikanten schwerer akquiriert werden konnten. Normalerweise wird dazu Werbung in den Schulen gemacht, doch durften die dafür Zuständigen in den vergangenen zwei Jahren öfters nicht in die Schule. „Die Musikschülerzahl ist zurückgegangen“, zeigt Baldauf die Folgen auf. „Aber jetzt haben wir wieder mehrere Jungmusikanten in Ausbildung.“

Zuwächse bei den jungen Florianijüngern

Feuerwehren hätten während Pandemie immer proben dürfen. Sie verloren einige wenige Mitglieder. Für Jugend wurden attraktive Online-Angebote erstellt.

Günther Watzenegger <span class="copyright">NEUE</span>
Günther Watzenegger NEUE

Die Feuerwehr trägt zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit bei und hat lebensrettende Aufgaben. Deshalb hätten die Wehren während allen Lockdowns proben dürfen. Im ersten Lockdown wurden die Übungen vielerorts jedoch ausgesetzt, berichtet Günther Watzenegger, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands Vorarl­berg. Mit der Zeit habe man aber auch im ersten Lockdown wieder geprobt – in kleineren Gruppen oder geteilten Mannschaften.

Immer bereit

Über die ganzen zwei Coronajahre zieht Watzenegger folgendes Resümee: „Wenn die Feuerwehr gebraucht wurde, war sie immer bereit und sie hat das Einsatzaufkommen bewältigt.“ Auch die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten seien durchgeführt worden, die Ausbildungen seien teilweise zwar abgesagt, manchmal aber auch online abgehalten worden.
Mitglieder hätte die Feuerwehr kaum verloren, sagt Watzenegger. Das Gegenteil sei der Fall: Bei der Jugendfeuerwehr habe es Zuwächse gegeben. „Unser Mitarbeiterteam unter der Führung von Thomas Sprenger, der für die Feuerwehrjugend verantwortlich ist, hat sich einiges einfallen lassen. Durch diese Kreativität konnte sich die Feuerwehrjugend während dieser nicht einfachen Zeit sehr gut weiterentwickeln“, zeigt sich Watzenegger erfreut. Die jungen Florianijünger hätten zum Beispiel online Brände bekämpft, ebenso gab es online Spiele und Bewerbsmöglichkeiten oder einfach einmal nur Raum und Zeit für einen Austausch. „Krise kann eine Chance sein. Es liegt an den Menschen diese Energie so umzuwandeln“, sagt Watzenegger abschließend.

Emotionales Ergebnis hat gefehlt

Einige Sängerinnen und Sänger kehrten nach den Coronapausen nicht zu ihren Kirchenchören zurück.

Bernhard Loss<span class="copyright">Lisa mathis</span>
Bernhard LossLisa mathis
<span class="copyright">hubert schwärzler</span><span class="copyright"></span>
hubert schwärzler

An die Hundert Kirchenchöre gibt es im Land. Bernhard Loss ist Referent für Kirchenmusik bei der Katholischen Kirche Vorarlberg und als solcher Ansprechpartner für diese Chöre. Er berichtet: In den vergangenen Wochen habe er von zwei Kirchenchören die Meldung erhalten, dass sie sich auflösen. Auch habe er aus mehreren Kirchenchören gehört, dass einige Sänger aufgehört hätten. „In den langen Probepausen haben sich einige anderweitig orientiert. Zudem ist es nicht förderlich, wenn ein Konzert oder ein Singen im Gottesdienst oft geplant, aber immer wieder verschoben wird. Wenn das emotionale Ergebnis fehlt, stellt sich eine gewisse Müdigkeit ein“, findet Loss Erklärungen für die Austritte. Aber auch die unterschiedlichen Ansichten, wie mit Corona umgegangen werden soll, hätten dazu beigetragen.
„Die Obmänner und Obfrauen waren in diesen Zeiten sehr gefordert: Sie mussten darauf schauen, wie die Gemeinschaft aufrechterhalten wird – trotz der unterschiedlichen Meinungen. Zusätzlich hatten sie Sicherheitskonzepte einzuhalten.“ Das Schwierigste sei gewesen, als sich die Regeln laufend geändert hätten. „Es war nie fordernder, eine Leitung innezuhaben, als während der Pandemie“, sagt Loss und fügt hinzu, dass die Verantwortlichen der Chöre das sehr gut gemacht hätten.
Die Kirchenchöre hatten den Vorteil, dass sie zumindest – außer in den harten Lockdown-Phasen – in den Gottesdiensten auftreten und dafür proben durften, wenngleich mit sehr stark eingeschränkter Sängerzahl und Mindestabständen.
Erfreut ist Loss auch, weil: „Ich habe gestaunt, wie viel an musikalischem Leben es in der Pandemie gab.“ Habe es für eine ORF-Gottesdienstübertragung coronabedingte, kurzfristige Ausfälle gegeben, hätte es dennoch immer funktioniert. „Man hat an Flexibilität gewonnen“, sagt Loss, der selbst Organist ist.

Kaum Abgänge, aber viele neue Mitglieder

Menschen waren während Lockdowns auf Suche nach sinnvoller Tätigkeit, die sie beim Roten Kreuz fanden.

Gerhard Kräutler  <span class="copyright">RKV</span>
Gerhard Kräutler RKV

Gerhard Kräutler, operativer Geschäftsführer des Roten Kreuzes und Landesrettungskommandant, sagt: „In den zwei Pandemiejahren hatten wir nicht viele Abgänge. Im Gegenteil: Wir haben sehr viele neue Mitglieder bekommen.“ Das führt er darauf zurück, dass die Menschen viel zu Hause waren und sich überlegten, was sie tun könnten. Dabei hatten einige den Wunsch, sich sinnvoll und karitativ zu betätigen. Manche hätten erkannt, wie schnell sich das luxuriöse Leben ändern könne und dass es mehr gebe als „just for fun“.

Anstrengende Dienste

Die Dienste der ehrenamtlich Mitarbeitenden fanden auch während der Lockdowns statt, verletzte und alte Menschen mussten schließlich immer versorgt und transportiert werden. Diese Dienste seien sehr anstrengend gewesen. Einerseits wegen der Schutzausrüstung, andererseits weil die Desinfektion und Reinigung der Rettungswagen viel Arbeit gegeben habe. Der Zusammenhalt der Mitarbeitenden sei in diesen schwierigen Zeiten aber stets sehr groß gewesen, so Kräutler. „Wir sind stolz auf unsere tolle Mannschaft.“
Kameradschaftliche Zusammenkünfte wie Weihnachtsfeste oder Ausflüge hätten kaum stattgefunden, was schmerzhaft gewesen sei. Dennoch habe die Kameradschaft nicht so sehr unter der Pandemie gelitten, weil man sich bei den Diensten sah und traf.
Schmerzhafter sei gewesen, dass das Rote Kreuz beim Corona-Bonus der Regierung übersehen wurde. „Unsere Leute waren von Beginn weg an vorderster Front. Bei einem Virus, von dem man nicht wusste, welche Gefahr von ihm ausgeht. Wir haben Fahrten ins Krankenhaus und in Seniorenheime gemacht, aber dennoch nichts bekommen.“ Das sei einigen sauer aufgestoßen. „Dennoch sind alle geblieben“, sagt Kräutler.

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