Allgemein

Österreicher dürfen wieder nach Neuseeland

01.05.2022 • 18:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vor Covid hatte Neuseeland aufgrund der Besucherströme bereits eine Touristensteuer eingeführt
Vor Covid hatte Neuseeland aufgrund der Besucherströme bereits eine Touristensteuer eingeführt KK

Über zwei Jahre hat sich Neuseeland wegen der Pandemie abgeschottet.

2018 machte eine Nachricht die Runde, die nur auf den ersten Blick amüsant war: So berichteten Social-Media-Nutzer über einen „Stau am Berg“. Dahinter verbarg sich ein Fotomotiv in Neuseeland, das zu dem Zeitpunkt so berühmt war, dass Touristen Schlange standen, um den besten Schnappschuss für Instagram zu schießen.

Neuseelands gigantische Berg- und Küstenlandschaften, die spätestens seit der „Herr der Ringe“-Trilogie weltberühmt sind, sind in der Tat besonders „instagrammable“. Manche Orte waren so beliebt, dass „Social-Media-Influencer“ vor der Pandemie sogar Schlange stehen mussten, um ihr „perfektes Foto“ vor die Linse zu bekommen.

Fotomotive zum Träumen

„Neuseelands Reiseziele werden von sozialen Medien ruiniert“, erboste sich das neuseeländische Nachrichtenmedium Stuff bereits vor vier Jahren. Auslöser für die damalige Verärgerung, die sich bei Weitem nicht auf die Redaktionsräume von Stuff beschränkte, waren Fotos von Roy’s Peak, einem Berg im Süden des Lake Wanaka auf der neuseeländischen Südinsel, die eine lange Warteschlange für das beste Foto zeigten. Der Roy’s Peak ist ein besonders idyllisches Fleckchen Erde: Ein enger Weg führt einen hier bis zur Spitze eines Bergkamms, von wo aus sich ein Panoramablick auf den darunter liegenden See und weitere Berge öffnet. Allein zwischen 2016 und 2018 waren die Besucherzahlen dort um zwölf Prozent angestiegen und lagen am Ende bei 73.000 pro Jahr.

Roy’s Peak ist aber natürlich nicht der einzige beliebte Spot in Neuseeland. Auch die lauschige Bucht Cathedral Cove auf der Nordinsel, eine kleine Kirche am Lake Tekapo, Toiletten, die der bekannte österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser entworfen hat, und natürlich der Milford Sound, ein gigantischer Fjord auf der Südinsel, sind begehrte Fotomotive, auf die sich Horden von Touristen aus aller Welt stürzten. 2019 besuchten 900.000 Urlauber den Milford Sound, obwohl er so abgelegen ist, dass nicht einmal Mobiltelefone dort Empfang haben.

Nicht mehr unter „sozialem Einfluss“ reisen

Vor Covid hatte Neuseeland aufgrund der Besucherströme bereits eine Touristensteuer eingeführt. Und selbst während der Pandemie – als Neuseelands Außengrenzen noch fest verschlossen waren – forderte das Land die Welt zum Umdenken auf: So startete die Tourismusbehörde im Januar 2021 eine Kampagne, in der sie (in diesem Fall die einheimischen) Reisenden aufforderte, keine Fotos mehr nachzustellen, die sie online bereits gesehen haben. Stattdessen sollten sie sich „etwas Neues einfallen“ lassen und dies teilen.

Der Aufruf war witzig in ein zweiminütiges Video verpackt, in dem Komiker Tom Sainsbury, der sich als Beamter des „Social Observation Squad (SOS)“ ausgab, Touristen zu einigen der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Landes folgte. Dabei wies er die Urlauber an, nicht mehr „unter sozialem Einfluss“ zu reisen und ratterte eine Liste klischeehafter Social-Media-Beiträge herunter: „Im Whirlpool von hinten fotografiert.“ „Mann sitzt ruhig auf einem Felsen und denkt nach.“ „Hot Dog-Beine.“

Das Ende der unbegrenzten Reisebusse

Neuseeland ist sich der positiven wie negativen „Nebenwirkungen“ des Tourismus seit Jahren bewusst. Doch noch vor Covid war der Tourismus der größte Exportartikel des Landes, der 20 Prozent des Exportmarktes ausmachte und fast zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieser Verlust wog in den vergangenen zwei Jahre schwer und so verwundert es nicht, dass Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern vor Kurzem betonte, Neuseeland sei bereit, „die Welt wieder willkommen zu heißen“.

Gleichzeitig diskutiert das Land jedoch seit Monaten, wie der Tourismus im Land nun wieder anlaufen soll. „Von der Pandemie platt gemacht und zwei Jahre lang mit Inlandstourismus überlebt, hat die Branche die Wahl: Alte Wege wiederzubeleben, oder ein neues Modell zu entwickeln“, hieß es in einer Analyse im akademischen Magazin „The Conversation“.

Vom High-End-Urlauber zum „besseren“ Touristen

Bereits Ende 2020 wurde auf einem Tourismusgipfel besprochen, dass das Land künftig rein auf reiche Urlauber abzielen solle – die Art von Touristen, die Business Class oder Premium Economy fliegen, einen Hubschrauber mieten und in einem High-End-Restaurant essen. Der Tourismusminister Stuart Nash fragte damals in die Menge: „Denken Sie, dass wir ein Ziel für Camper und Rucksacktouristen werden wollen, die nicht viel ausgeben und die vermögenden Reisenden anderen Ländern überlassen?“

Im Juli schwor er dann den Tagen der unbegrenzten Reisebusse ab und versprach einen „nachhaltigeren Tourismus“. Inzwischen will er – nachdem seine Ideen auch eine Reihe an Kritikpunkten nach sich zogen – den „besseren“ Urlauber anlocken, und zwar denjenigen, der mehr zurückgibt als er nimmt, der die Mitarbeiter der Tourismusbranche schätzt, gerne Menschen und Orte kennenlernt und dabei stets umweltbewusst ist. Vor Ort könnte dieser neue Ansatz einige Destinationen jedoch deutlich teurer machen: Für den Milford Sound – der eine Art Testlabor werden soll – wird gerade eine Begrenzung der Besucherzahl und möglicherweise sogar eine Gebühr diskutiert.