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Amazon-Pläne in Dornbirn auf Eis gelegt

02.05.2022 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Amazon wollte im Dornbirner Betriebsgebiet Pfeller ein Verteilzentrum errichten. <span class="copyright">hartinger</span>
Amazon wollte im Dornbirner Betriebsgebiet Pfeller ein Verteilzentrum errichten. hartinger

Immobilienfirma hat sich aus Vorvertrag zurückgezogen.

Dass der Internetriese Amazon irgendwann in Vorarlberg aufschlagen wird, ist so gut wie sicher. Denn die letzte Meile, also das letzte Wegstück beim Transport der Ware vom Paketzentrum zur Haustüre der Kunden, ist das entscheidende Kriterium im Onlinehandel – und Kunden gibt es in Vorarlberg viele. Die geplante Ansiedlung im Dornbirner Betriebsgebiet Pfeller dürfte allerdings vom Tisch sein.

Wie Markus Lutz, Geschäftsführer der Grundstückseigentümerin Ulmer Holding, auf NEUE-Anfrage mitteilte, hat sich das für Amazon tätige Immobilienunternehmen Go Asset vor rund drei Wochen aus dem Optionsvertrag zurückgezogen. Über die Gründe für den Ausstieg machte Lutz keine Angaben.

Dornbirner Stadtpolitik übte Kritik

Wie berichtet, wollte Go Asset ein 33.000 Quadratmeter großes Grundstück im Baurecht erwerben, um darauf ein Verteilzentrum zu errichten. In der Dornbirner Stadtpolitik hatte man von Anfang an wenig Freude mit dem geplanten Standort, sogar eine Bausperre stand im Raum. Die Postgewerkschaft wetterte ebenfalls gegen die Ansiedlungspläne des weltweit größten Onlinehändlers. Man befürchtete den Verlust von Arbeitsplätzen, schließlich ist Amazon derzeit noch größter Kunde der Post. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP), die in der vergangenen Woche im „Standard“ bestätigte, dass das Projekt „momentan zurückgelegt“ sei, war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Stattdessen wies Stadtsprecher Ralf Hämmerle einmal mehr darauf hin, dass sich sämtliche Fraktionen gegen die Ansiedlung an besagtem Standort ausgesprochen hätten. Der Sprecher vermutet, dass Amazon „mit dieser Entwicklung offensichtlich nicht einverstanden war“.

Auch bei der Gebrüder Ulmer Holding dürfte man nichts dagegen haben, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt. Dem Vernehmen nach sollen sowohl die Unternehmensführung als auch die Gesellschafter teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sein.

„Der Optionsvertrag wurde auf Initiative von Go Asset ­aufgehoben.“

Markus Lutz, Gebrüder Huber Holding

Dass der Vorvertrag nun auf Initiative von Go Asset sistiert wurde, geht Grünen-Stadträtin Juliane Alton nicht weit genug. Das Gebiet müsse – wie in der jüngsten Stadtvertretungssitzung beschlossen – im Hinblick auf den Naturschutz geprüft werden. Teile des Betriebsgebiets würden nämlich im letzten Wildtierkorridor zwischen der Schweiz und den Wäldern des Bregenzerwaldes liegen. Zu Wort meldete sich am Montag auch die Junge Generation in der SPÖ Vorarlberg, die gemeinsam mit der Grünen Jugend die Petition “Amazon – Nein Danke!” ins Leben gerufen hatte. „Solche Konzerne wollen wir im Ländle nicht. Wir brauchen Arbeitsplätze, die nachhaltig, sozial und gut bezahlt sind“, so der Vorsitzende Alp Sanlialp.

Ulmer Holding nicht einverstanden

Alton spricht sich grundsätzlich für einen Kauf des Grundstücks durch die Stadt aus. Das kommt für die Ulmer Holding allerdings nicht in Frage. „Wir vergeben das Grundstück nur im Baurecht. Ein Verkauf entspricht nicht unserer Unternehmensstrategie“, teilt Lutz mit.

Als „falsch“ bezeichnete der Geschäftsführer eine von Bürgermeisterin Kaufmann gegenüber dem ORF Vorarlberg getätigte Stellungnahme, wonach nur ein Entwicklungsstopp vereinbart worden sei und die Ulmer Holding nach rechtlichen Möglichkeiten suche, um aus dem Vertrag aussteigen zu können.