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Ein Liederabend von Erraugt und Baillieu

03.05.2022 • 19:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tara Erraught, James Baillieu <span class="copyright">NEUE</span>
Tara Erraught, James Baillieu NEUE

Tara Erraught und James Baillieu gestalteten am Sonn­tag einen Liederabend nach Gedichten von Goethe.

Eine Mezzosopranistin mit großer Stimme, die sie sehr schön zurückzunehmen weiß, und ein einfühlsamer Pianist gestalteten am Sonntagabend einen abgerundeten Liederabend, der sich nach Schuberts eigener Reihung in Liederheften richtete. Die Irin Tara Erraught wurde von Brigitte Fassbaender gefördert und geprägt, ihr südafrikanischer Klavierpartner James Baillieu ist ein sensibler, nicht auftrumpfender und klug gestaltender Liedpianist.

Dramatisch

Mit „Die junge Nonne“ zu Beginn und „Erlkönig“ am Ende des Programms zeigt Tara Erraught die Größe und das Volumen ihrer Stimme, schließlich war sie einige Jahre Ensemblemitglied der bayerischen Staatsoper und weist in diesen Liedern durchaus ins dramatische Fach. Ein wenig mehr Geheimnis hätte das Portrait der jungen Nonne vielleicht vertragen, viel von deren glutvoller Leidenschaft verschenkte sie gleich in den ersten Strophen.
Umso ausgewogener strömt „Nacht und Träume“ in einem harmonischen Pianissimozauber, gestaltet sie die tiefe Tragik der Blumenballade „Viola“, formt auch der Pianist darin die Glockentöne von „Schneeglöcklein“ zu einem innigen Leitmotiv.

Manchmal geht in der großen Gesangslinie die Wortdeutlichkeit verloren (etwa in „Wiegenlied“), doch das schadet bei dem süßlichen Seidl-Text eh nicht, umso mehr kommt dann die sanfte Beruhigung zur Wirkung.
Eine wunderbare Piano-Studie über ebenmäßigen Klavierfiguren schenken Sängerin und Pianist in „Ave Maria“ nach Sir Walter Scott. Die Lieder der Mignon gestalten die beiden schlicht und fein differenziert im Tempo, die Emotionen des Mädchens spiegeln sich in aufflammenden Steigerungen und gelöster Heiterkeit. Hier intensiviert der Pianist James Baillieu immer wieder den Aufbruch („Dahin!“) oder die züngelnden Figuren in „Nur wer die Sehnsucht kennt“, die anderen Lieder der Mignon strömen in schöner Schlichtheit und Innigkeit.
So intensiv und klug Tara Erraught auch die starken Goethe-Texte von „Ganymed“, „Meeres Stille“ mit seinen unendlichen Atembögen über runden Klavierarpeggien, die Naturnähe von „An den Mond“ oder die Stimmen von Trost und Schrecken im „Erlkönig“ verinnerlicht hatte, war sie doch in ihrer Zugabe, einem zarten irischen Wiegenlied, noch um Vieles authentischer.
Für viele Künstlerinnen und Künstler sind dies die ersten Konzerte und Liederabende nach der Pandemie, die Freude darüber war Tara Erraught und James Baillieu deutlich anzumerken.


Termine: www.schubertiade.at

Katharina von Glasenapp