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Im Konkurrenzkampf gut aufgestellt

03.05.2022 • 19:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/Hartinger

Als Standort ist Vorarl­berg im Wettbewerb mit anderen Regionen gut im Rennen.

Eine Top-Position nimmt Vorarlberg im Vergleich mit insgesamt 49 Konkurrenzregionen in Europa ein. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wifo, die im Auftrag des Landes durchgeführt worden ist. Gemeinsam mit Studienautor Peter Mayerhofer stellten Landeshauptmann Markus Wallner und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (beide ÖVP) die wesentlichen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Untersuchung am Dienstag im Pressefoyer vor. Demnach hat das Ländle im Bezug auf das ökonomische Entwicklungsniveau und die Effizienz des regionalen Produktionssystems einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Allerdings holen die anderen Regionen auf. „Der Wettbewerb wird härter“, sagte der Landeshauptmann.

Ähnliche Bedingungen

Wie Studienautor Mayerhofer erklärte, wurden für die Analyse erst die 290 Regionen in Europa in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Jene mit ähnlichen Standortbedingungen und Spezialisierungen sollten so zusammengefasst werden. Vorarlberg ist eine von insgesamt 49 „hoch entwickelten industrieorientierten Regionen“. Daneben gibt es noch schwächer entwickelte Industrieregionen, außerdem jene, in welchen Dienstleistungen eine größere Rolle spielen, sowie große Metropolitanregionen.

Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner und Studienautor Peter Mayerhofer (von links).<span class="copyright">VLK/Serra</span>
Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner und Studienautor Peter Mayerhofer (von links).VLK/Serra

Die hochentwickelten Industrieregionen befinden sich nach Angaben von Mayerhofer fast alle in einem „Korridor“, welcher sich von Nordeuropa durch den deutschsprachigen Raum bis nach Oberitalien zieht. Besondere Konzentrationen gebe es jedoch in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Für die Analyse wurden Daten von 2000 bis 2019 verwendet. Vorarlberg liegt gemesen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf dem dritten Rang hinter den Regionen Stuttgart und Braunschweig. Auch in anderen Bereichen wie etwa bei der regionalen Beschäftigungslage oder bei der Arbeitsproduktivtät ist das Ländle im Spitzenfeld vertreten.

Schärferer Wettbewerb

Wie Mayerhofer ausführte, gab es allerdings in den Jahren von 2009 bis 2019 keine so starke Weiterentwicklung in diesen Bereichen wie noch in der Dekade zuvor. Zugleich würden schwächere Regionen von einem niedrigeren Niveau sich stärker verbessern, wodurch auch der Standortwettbewerb schärfer werde.

Forschung

Insgesamt drei Handlungsfelder haben die Verantwortlichen des Landes mit Unterstützung des Wifo identifiziert, um die bisher erreichte Stellung künftig weiter abzusichern. So soll beispielsweise die Forschungs- und Finanzierungsstruktur gestärkt werden. Diesbezüglich gebe es bereits Initiativen wie etwa die erst im Vorjahr verstärkte Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology oder die geplante stärkere Kooperation mit der Hochschule St. Gallen.

2,5 Millionen Euro für die Forschung

Einstimmig beschlossen hat am Dienstag die Vorarlberger Landesregierung eine Kooperation mit der Hochschule St. Gallen (HSG). Bereits im März hatten Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und der St. Galler Regierungspräsident Marc Mächler eine diesbezügliche Absichtserklärung unterzeichnet. Wie Wallner im Pressefoyer berichtete, hat die Landesregierung einer zehnjährigen Zusammenarbeit zugestimmt und wird für den gesamten Zeitraum insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Weitere 2,5 Millionen Euro kommen vom landeseigenen Energieversorger Illwerke vkw. Fünf Millionen Euro steuern die Wirtschaft und die Interessensvertretung bei.

Bei der Kooperation setzt die HSG „einen Fuß nach Vorarlberg“, wie es der Landeshauptmann ausdrückte. Die Universität richtet dazu ein Institut mit zwei Professuren im Ländle ein. Es gehe hier zwar auch um Ausbildung, allerdings liege der Schwerpunkt klar auf der Forschung im Bereich der Digitalisierung, betonte Wallner. Es handle sich um „eine zarte Pflanze“, die man zwar ordendlich gießen müsse, die aber auch große Chancen biete.

Vorarlberg sei zwar gut aufgestellt, was die Patentanmeldungen betrifft, meinte Mayerhofer. Allerdings seien die im Ländle erdachten Innovationen eher Weiterentwicklungen bestehender Technologien. Hier müsse versucht werden, die „Tiefe“ zu erhöhen, sagte der Experte. Der Fokus liege derzeit stark auf der experimentellen Entwicklung, da hauptsächlich Unternehmen in die Forschung investieren würden. „Radikale“ Innovationen entstünden jedoch vor allem an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung.
Auch an Strukturfragen soll gearbeitet werden. Mayerhofer nannte hier etwa einen Fokus auf die Entwicklung industrienaher Dienstleistungen als mögliche Maßnahme. Ebenso gebe es in Vorarlberg im Vergleich zu den anderen Regionen wenigere Unternehmensgründungen. Es müsse für entsprechende Dynamik gesorgt werden.

Im März wurde die Absichtserklärung von Markus Wallner (links) und Marc Mächler unterzeichnet. <span class="copyright">VLK</span>
Im März wurde die Absichtserklärung von Markus Wallner (links) und Marc Mächler unterzeichnet. VLK

Nicht zuletzt ist auch eine besser Qualifizierung der verfügbaren Arbeitskräfte notwendig. Vorarlbergs Stärke sei vor allem der Anteil jener mit einer mittleren oder höheren berufsbezogenen Ausbildung. Um diese Position abzusichern, sei es empfehlenswert entsprechende Aus- und Weiterbildung für Geringqualifizierte zu bieten und auch möglichst wenige Jugendliche ohne beziehungsweise mit nur geringer Ausbildung zurückzulassen.

Anknüpfungspunkte

Die Ergebnisse der Studie wurden am Montag bereits Stakeholdern aus Wirtschaft und Politik präsentiert. Er sehe bei vielen Institutionen Anknüpfungspunkte oder Impulse für Neuausrichtungen, meinte Landesrat Tittler. Landeshauptmann Wallner sah vor allem die vielen familiengeführten Unternehmen im Land als Stärke des Landes.