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Zeiten für Parksünder werden rauer

05.05.2022 • 18:40 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Emspark und McDonald‘s in Hohenems setzen auf vollautomatisierte Park­raumüberwachung.

Die Zeiten für unerwünschte Fremd- und Dauerparker auf öffentlich zugänglichen Parkplätzen wie vor Lebensmittelhändlern oder Einkaufszentren sowie Restaurants werden auch in Vorarlberg deutlich unangenehmer. Denn immer mehr Firmen mit solchen Parkplatzflächen wehren sich gegen abgestellte Fahrzeuge, deren Besitzer gar keine Kunden sind, sondern aus einem anderen Grund die Parkplätze ohne Rücksprache belegen.
In Hohenems gibt es deshalb auf den Parkplatzflächen beim Handels-, Gewerbe- und Betriebsareal Emspark seit rund einem halben Jahr sogar ein vollautomatisiertes und digitales Parkzeitüberwachungssystem mit Kennzeichen-Erfassung. Seit etwa zwei Wochen ist das gleiche System beim benachbarten McDonald’s-Restaurant in Betrieb. Hinter dem Parkzeit­überwachungssystem steht die ParkDepot GmbH mit Sitz in Salzburg beziehungsweise München, die von den Betreibern des Emsparks und des McDonald’s-Restaurants für diesen Zweck engagiert wurde.
Das System von ParkDepot erfasst am Parkplatz über Kameras vollautomatisch das Kennzeichen von ein- und ausfahrenden Fahrzeugen und vergleicht die dazwischen verstrichene Zeit. Überschreitet die Verweildauer eines Fahrzeuges die gestattete Zeit, so erhält der Fahrzeughalter von ParkDepot aufgrund des Parkverstoßes eine Vertragsstrafe von 55 Euro zuzüglich 15,30 Euro für die Halterabfrage. Macht in Summe 70,30 Euro pro Verstoß. Das sind die derzeitigen Strafbeträge beim McDonald’s-Restaurant.

Für Kunden blockiert

Elmar Girardi vom Projektentwickler Zima, der Sprecher der Betreiber des Emsparks, erklärte auf wpa-Anfrage, dass man gegen den massiven Missbrauch der Parkplatzflächen rund um den Emspark durch Fremd- und Dauerparker vorgehen musste. Mitunter seien die Parkplätze sogar von Reisebüros als Treffpunkte für ihre Kunden zur Weiterfahrt mit dem Reisebus genannt worden. „Viele nutzten die offenen Parkplätze als kos­tenloses ‚Park+Ride‘-System und haben ihre Fahrzeuge auch über das Wochenende einfach stehengelassen.“ Für Kunden seien die Parkplätze dadurch blockiert.
Nach der ersten Aktivierung des ParkDepot-Überwachungssystems habe man noch mehrere 100 Vertragsstrafen aus Kulanzgründen storniert, denn es dauere eine Zeit, bis Kunden und Gäste sowie Besucher das System wirklich zur Kenntnis genommen hätten. „Mittlerweile haben wir das aber etwas angezogen, denn es wird überall auf dem Areal auf die gestattete Parkdauer von drei Stunden hingewiesen“, so Girardi. Im Fall der Fälle könne man nach Rücksprache diese Zeit auch überschreiten.


Das vollautomatisierte System, das ohne Schranken und Parkplatzüberwachung durch Personen auskommt, funktioniere sehr gut, sagte Girardi. Die Parkzeitüberwachung sei dafür zur Gänze an ParkDepot übertragen worden. Das Unternehmen trage alle für das System notwendigen Investitionen auf den Parkplätzen selbst. Die Emspark-Betreiber hätten damit nichts zu tun, außer es gehe um etwaige Kulanzlösungen. Dann stehe man mit ParkDepot in Kontakt. Die Emspark-Betreiber würden auch keine Provisionen aus den Strafen erhalten.
Von der Genauigkeit des ParkDepot-Systems können auch schon mehrere Kunden des McDonald’s-Restaurants ein Lied singen. Der wpa liegt ein Fall vor, in dem der Restaurant-Besuch von zwei Familien mit Kindern samt Benützung des Spielplatzes gute drei Stunden und damit etwa doppelt so lange wie gestattet dauerte. Die Folge: je 70,30 Euro Verwaltungsstrafe und Bearbeitungsgebühr pro Familienfahrzeug, also zusammen mehr als 140 Euro bei einer Konsumation im Restaurant von etwa 60 Euro.
Loek Versluis, der in Vorarl­berg unter anderem das McDonald’s-Restaurant in Hohenems betreibt, kennt die Beschwerden mehrerer Kunden über die Strafen. In den ersten sieben oder acht Fällen habe man aus Kulanzgründen bei ParkDepot darum ersucht, die Strafen zu streichen. „Die Kundinnen und Kunden werden mit sehr vielen Schildern und Hinweisen über die jetzt beschränkte Parkzeit informiert. Derzeit ist es eine Stunde plus 30 Minuten Kulanzzeit. Danach wird von ParkDepot eine Vertragsstrafe zugestellt.“ Sollten Kunden während des Besuchs feststellen, dass die Zeit nicht reiche, so könne man im Res­taurant unkompliziert eine Verlängerung der kostenlosen Parkzeit auf drei Stunden im System anmelden. „Diese Möglichkeit muss es etwa für Geburtstagsfeiern geben.“

Polizei konnte nichts tun

Vers­luis bittet um Verständnis für die Maßnahme: „Es gab zuvor Zeiten, da stammte ein Drittel der Fahrzeuge auf dem Parkplatz nicht von McDonald’s-Gästen. Aber genau für unsere Gäste wollen wir die Parkplätze freihalten. Dafür müssen wir gegen Fremdparker vorgehen.“ Die Polizei habe nicht helfen können, da es sich um Privatflächen handle. Deshalb habe man nach den ersten Erfahrungen im Emspark auch für das McDonald’s-Restaurant die Firma ParkDepot engagiert. „Wir verdienen an diesen Strafen nichts. ParkDepot muss das alles selbst abwickeln und auch die Kosten tragen.“ In besonderen Fällen werde aber nachgefragt, ob man eine Kulanzlösung wünsche, wenn sich ein Kunde beschwere. Das könne etwa bei einem nachgewiesenen Restaurant-Besuch der Fall sein, bei dem schlicht die fortgeschrittene Zeit übersehen wurde.

Günther Bitschnau