_Homepage

Weiße Farbe und graue Wand

11.05.2022 • 19:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die bemalte Hausfassade der Radetzkystraße 14 <span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Die bemalte Hausfassade der Radetzkystraße 14 Klaus hartinger

Der Künstler Lorenz Helfer hat für die Emsiana das alte Haus in der Radetzkystraße 14 bemalt.

Die Radetzkystraße 14 hat keine Hausnummer mehr. Das Haus steht am Ausläufer der Marktstraße im Zentrum von Hohenems. Nah an der Straße ist das Haus längst dunkel vom Smog und bald wird es abgerissen. Doch bis dahin wird es ein Kunstwerk tragen. Der Dreck hat sich verändert und wurde zu Farbe.

Technischer Aspekt

An zwei Tagen hat der Künstler Lorenz Helfer mit weißer Farbe die Fassade bemalt. Im Kontrast mit der grauen Fassade ist ein Bild entstanden, bei dem auch die Geschichte des Hauses erhalten bleibt. So wurden die alten Mauern in das Bild miteinbezogen. Die saubere weiße Farbe verändert auch die Flächen, die nicht bemalt wurden. Helfer bezeichnet seine Bemalung als „Zwischenschritt“ im Leben des Gebäudes: „Das Neue kommt und das Alte ist noch nicht ganz verschwunden.“


Für Vorarlberg ist diese Malaktion durchaus ungewöhnlich, sagt Helfer, da nicht eine Wand bemalt wird, sondern eine Hausfassade, wo die Gegebenheiten schon andere seien und zwischen den Wänden auch Fenster und ein Garagentor sind.
Das Haus steht direkt bei der Ampel und alle die bei Rot warten müssen, können die Figuren betrachten, die sich an den Händen halten. Und für die, die von der anderen Seite kommen, hat Helfer ums Eck gemalt. Schon von weitem kann man das Bild erkennen.

emsiana – Kulturfest

bis 15. Mai 2022 in Hohenems

Programm: Konzerte, Museen und Ausstellungen, „Kulturschmaus“ (gastronomisches Angebot) am Salomon-Sulzer-Platz, Lesungen, Vorträge, Führungen, Kinderprogramm. Kartenvorverkauf für die Konzerte: Filialen der Volksbank Vorarlberg, Raiffeisenbanken und Sparkassen, Tourismusbüro Hohenems, Buchhandlung „Lesezeichen“ in Hohenems und online unter www.laendleticket.com

Nicht ungefährlich

Es musste etwas „Einfaches sein, etwas, das schnell geht.“ Denn der Standort so nah an der Straße ist zum Malen für den Künstler nicht ganz ungefährlich. „Zu nah am Bild sieht man überhaupt nicht, was man macht. Man muss ständig die Straßenseite wechseln.“, erklärt Helfer. „Beim Malen konzentriert man sich, vergisst Dinge um sich rum, da ist die Straße schon etwas, dass man nicht ausblenden kann.“


Mit dem Ergebnis ist der Künstler sehr glücklich. „Das linke Gesicht gefällt mir besonders gut, obwohl es so wenig ist, hat man das Gefühl es lebt. Das ist es, was ich erstrebe, wenn ich eine Figur male. Ich muss das Gefühl haben, es ist etwas Lebendiges, damit es funktioniert.“ Figuren kommen generell in seinen Bildern oft vor. Sie sollen nicht einfach nebeneinanderstehen, sondern interagieren. Die Berührung sieht Helfer als Interaktion, sie soll auch eine Form von Intimität erschaffen, obwohl die Dimensionen des Hauses so riesig sind. „Vielleicht sieht man auch eine Berührung, die man selber im Leben erlebt hat.“, sagt Helfer, der das Bild für das Kulturfest „Emsiana“ gemalt hat.

Lorenz Helfer <span class="copyright">klaus hartinger</span>
Lorenz Helfer klaus hartinger

Das Kulturfest der Stadt Hohenems kann nach 2 Jahren Pause nun zum 12. Mal gefeiert werden. Zum Thema „Nachbarschaft“ wird ein breites Programm mit Ausstellungen, Theater- und Kinovorstellungen, Vorträgen, einer Fahrrad-Exkursion, Angeboten für Familien und auch musikalischen Höhepunkte geboten.
Wie Lorenz Helfers Kunstinstallation zum Thema „Nachbarschaft“ passt, wie es in die heutige Zeit passt und wie es in den Alltag der Menschen passt, will der Künstler den Betrachtern überlassen. Was man in das Bild hineinlesen will, sei jedem selbst überlassen. Denn seine Sprache ist die Malerei.
Kunstinstallation in der Radetzkystraße 14 , Hohenems. Infos und Termine: www.emsiana.at